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Der nette Bub von nebenan packt an

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Ärmel hochkrempeln und anpacken: FW-Kandidat Michael Koller will ins Berchtesgadener Rathaus. Foto: Anzeiger/Hudelist

Berchtesgaden – Ein Lächeln wie ein Lausbub, Sanftmut in der Stimme. Er ist der Spezl von nebenan. Der sympathische Weihnachtsschütze vom Untersalzberg. Aber es stimmt schon: Michael Koller von den Freien Wählern ist seinem Kontrahenten, Marktbürgermeister Franz Rasp, ziemlich ähnlich. Doch in ein paar Punkten unterscheiden sich die Beiden gewaltig.


Zuerst hat man ihn unterschätzt, den jungen Lehrer. Doch seit Michael Koller bei der Landtagswahl im November aus dem Stand das zweitbeste Ergebnis im Stimmkreis eingefahren hat, ist das gänzlich anders. Der 37-Jährige hat ein Profil entwickelt. »Ich möchte nicht sagen, dass ich es besser kann als Franz Rasp. Aber ich würde vieles anders machen«, sagt Koller selbstbewusst. »Mir liegt viel daran, wie man miteinander umgeht«, stellt der FW-Kandidat klar. Er könne gut auf Leute zugehen, zuhören. »Ich bin ein umgänglicher Mensch, das Soziale ist mir wichtig«.

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Koller glaube nicht, dass einer allein alles wissen könne. Vor jeder Entscheidung, andere Meinungen einzuholen, sei für ihn deshalb selbstverständlich. Als Beispiel nennt der 37-Jährige die Entscheidungen zum Kindergarten und zum Haushalt 2012. »Da hat die Vorgehensweise nicht gepasst. Da hätte der Gemeinderat mehr Zeit und Informationen gebraucht. Man muss dieses Gremium einfach ernster nehmen«, findet Koller. Denn Kommunalpolitik erfordere Kompromissbereitschaft. »Ich versuche immer, einen Kompromiss zu finden«, stellt der FW-Mann klar. Und fügt – ohne sein typisches Lächeln ganz abzulegen – hinzu: »Ich kann aber auch grantig werden«. Ja, das kann er. Zum Beispiel bei der unrühmlichen Absetzung von Schwester Lambertis als Leiterin des Bürgerheims. Michael Koller setzte sich damals gegen alle Widerstände für die Aufklärung der Vorfälle ein.

Eine andere Meinung als sein Kontrahent hat Michael Koller auch bei der Bewertung der Haushaltssituation. »Ich kann keinen wesentlichen Schuldenrückgang erkennen«, sagt der FW-Kandidat. »Der Franz hat den Schuldenabbau nicht eingeleitet«, ist sich Koller sicher. Der Rückgang sei nur marginal. Und hänge primär mit der allgemeinen Wirtschaftssituation zusammen. Und mit dem Verkauf von märktischen Liegenschaften. Das Problem der zu hohen Ausgaben könne man nicht einfach mit der Erhöhung der Hebesätze lösen. »Das geht so nicht weiter«, ist sich Koller bewusst. Obwohl es bei den Einnahmen momentan gut aussehe, müsse man sich überlegen, wie der Markt von den Schulden runterkommen könne.

Der Freistaat müsse Tourismusregionen stärker unter die Arme greifen, fordert der FW-Mann. »Die Einrichtungen zuunterhalten, kostet nämlich viel Geld. Da können wir unser Engagement nicht mehr weiter kürzen.« Ähnlich schaut es bei den Kindertagesstätten aus. »Da zahlt die Gemeinde 4 000 Euro pro Jahr und Kind. Da müsste mehr Unterstützung her«, so Koller.

Mehr interkommunale Zusammenarbeit

Ein weiterer wichtiger Punkt ist für Michael Koller die Verbesserung der interkommunalen Zusammenarbeit im inneren Landkreis. »Der Umgangston muss anders werden. Auch in Berchtesgaden«. Beispiel Feuerwehrbedarfsplan. Da hätte die Marktgemeinde auf die anderen Kommunen vorher zugehen sollen und über die Idee reden. »Und nicht einfach sagen: Wenn ihr wollt, könnt ihr jetzt noch einsteigen.«

Gemeinsame Suche nach Gewerbeflächen

Die anderen Gemeinden ernst nehmen, das möchte Koller auch in anderen Belangen. Zum Beispiel beim Zweckverband Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK). Ein Knackpunkt dabei sei beispielsweise die Touristinfo am Kreisverkehr. »Da kann der Franz doch nicht einfach einen Antrag stellen, dass sie rauf ins Kongresshaus verlegt wird«, ärgert sich Koller. Auch sei es ihm ein Herzenswunsch, dass endlich alle fünf Talkesselgemeinden als eine einzige Destination vermarktet und die Leistungsträger gebündelt werden. »Im regelmäßigen Dialog auf Augenhöhe können wir besser auftreten. Das schweißt uns zusammen«. Genauso wie die gemeinsame Suche nach Gewerbeflächen. »Die Gemeindechefs müssen sich zusammenreißen. Damit so was wie am Triftplatz nie wieder passiert«, so der FW-Kandidat.

Auch in der Jugendarbeit gebe es ein großes Potenzial für mehr Miteinander. Auch in der Marktgemeinde selbst will Koller da etwas verbessern. Nämlich das Betreuungsangebot in den Ferien. In denen hat das neue »Werk 34« nämlich geschlossen. »Aber gerade in den Ferien haben die Schülerinnen und Schüler am meisten Zeit und wollen etwas unternehmen«, weiß der Lehrer Koller. Er könnte sich vorstellen, Räume der Bacheifeldschule zu nutzen. Oder eine Kooperation mit den Pfarrgemeinden mit Veranstaltungen in den Pfarrheimen. Kollers größter Traum: ein Haus der Vereine. Das man in einer Liegenschaft der Marktgemeinde unterbringen könnte.

Sofort anpacken möchte Michael Koller, sollte er gewählt werden, die Verbesserung der Senioreneinrichtungen. »Da brauchen wir eine fundiertere Beratung und eine umfangreichere Betreuung«, fordert der FW-Kandidat. Auch wolle er das Martin-Beer-Haus weiter für ein betreutes Wohnen öffnen. »Ältere Menschen wollen so lange wie möglich selbstständig sein. Am liebsten natürlich in den eigenen vier Wänden. Das weiß ich aus meiner Familie«, sagt Koller. Deshalb möchte er in Zusammenarbeit mit den Pflegediensten wie beispielsweise der Caritas die ambulante Pflege weiter ausbauen. Eng damit zusammen hänge eine optimale Notarztversorgung und die Erhaltung der Krankenhäuser.

Seine politischen Ziele möchte Michael Koller in enger Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat und den Bürgern erarbeiten. Andere Meinungen definitiv erwünscht. »Das ist meine Stärke. Dass ich mir gerne andere Meinungen anhöre. Das macht mir Spaß. Ich bin einfach so, ein geselliger Typ«, sagt der Kandidat der Freien Wähler. Und strahlt dabei bis über beide Ohren. Man glaubt ihm, dass er gerne auf Menschen zugeht, dass er hart arbeitet und dass er sich, wie er sagt, »nicht verbiegen« lässt.

Aber was ist mit der Verwaltungsarbeit, dem Alltag im Rathaus? Ist ihm da der Franz nicht überlegen? »Als Personalrat, Mitarbeiter der Schulleitung, Gemeinderat und Vereinsvorsitzender bin ich damit bestens vertraut. Ich kenne die Verwaltungsabläufe«, sagt Koller selbstbewusst. Und überhaupt gebe es äußerst fähige Fachleute im Rathaus. »Ich traue mir das zu.« Christian Fischer