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Der »Rosenhof« soll in neuer Blüte erstrahlen

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Von der Bruchbude zum Schmuckstück: Der denkmalgeschützte Rosenhof soll aufwendig revitalisiert werden. (Foto: Wechslinger)
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Baumeister trifft Bürgermeister: Hans Angerer (l.) und Franz Rasp begutachten die Baupläne für den Rosenhof. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Seine Blütezeit ist lange vorbei. Seit Jahren verfällt der historische Rosenhof. Aber damit ist jetzt Schluss. Das denkmalgeschützte Ensemble soll in neuer Blüte erstrahlen. Daran arbeiten der Bischofswieser Baumeister Hans Angerer und die Marktgemeinde gemeinsam. Oberstes Gebot dabei: Erst Denkmalschutz, dann Wohnungen. Gewährleisten wird das ein sogenannter städtebaulicher Durchführungsvertrag.


Seit etwa sechs Jahren gibt es die Idee, den Rosenhof zu sanieren. Jetzt ist es soweit. Der vorhabenbezogene Bebauungsplan ist auf einem guten Weg. Derzeit läuft die vorzeitige Öffentlichkeitsbeteiligung. Um das aufwendige Projekt zu verwirklichen, arbeitet die Marktgemeinde eng mit Planer Hans Angerer und dem neuen Eigentümer, die Privatimmobilien Lorenz, Kurz & Schwab GbR (LKS), zusammen. Zunächst soll das im 16. Jahrhundert errichtete, unter Denkmalschutz stehende Anwesen mit dem daneben stehenden Stallgebäude nach den Plänen von Baumeister Hans Angerer saniert werden.

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Es ist angedacht, im Hauptgebäude an die sechs Wohnungen unterzubringen. Sogenanntes »nichtstörendes Gewerbe ist für das daneben liegende ehemalige Stallgebäude geplant. »Nichtstörend« heißt soviel wie: kein Krach, kein Dreck, kein Gestank. Denkbar wären beispielsweise Ateliers, Arztpraxen oder Kanzleien. Erst dann, wenn die beiden historischen Gebäude saniert sind, kommt der Neubau mit etwa zehn Wohnungen dran. »Erst Denkmal, dann Baurecht«, bringt es Marktbürgermeister Franz Rasp auf »Anzeiger«-Nachfrage auf den Punkt.

Wirtschaftlichkeit und Liebhaberei

Der Marktbürgermeister weiß, wie schwierig es ist, ein denkmalgeschütztes Gebäude zu restaurieren. Noch dazu im Außenbereich. »Es gibt kein Gesetz, das einem Eigentümer verbietet, ein Haus verfallen zu lassen«, stellt der Rathauschef klar. Umso mehr freut Rasp sich darüber, dass am Rosenhof endlich was passiert. »Um so ein Projekt zu stemmen, braucht es die richtige Mischung aus Wirtschaftlichkeit und Liebhaberei«, sagt er.

Der Marktgemeinderat steht von Anfang an voll hinter dem Vorhaben. Wohl auch deshalb, weil es nicht nur für die Gebäude ein klares Konzept gibt, sondern auch für die Grünflächen drumherum. Weil das Grundstück komplett in einem Landschaftsschutzgebiet liegt, sollen die Eingriffe minimiert werden. Die Grünflächen mit Obstbäumen wurden großzügig bemessen, die Wohnungsnutzung ist landschaftsverträglich in Süd-Ost-Ausrichtung konzipiert. Ein attraktiver Innenhof mit 42 Autostellplätzen rundet den Charakter des Anwesens ab. Laut Marktgemeinderat wird das gesamte Umfeld Grünland bleiben und langfristig auf keinen Fall verbaut werden.

»Das gab es bei uns in der Region noch nie, dass eine Gemeinde bauleitplanerisch tätig wird, um ein denkmalgeschütztes Gebäude zu erhalten. Möglich macht das ein gegenseitiger Vertrag mit Rechten und Pflichten, ein sogenannter städtebaulicher Durchführungsvertrag. Auf diese Weise wurden übrigens auch schon die Parkplätze beim »Haus der Berge« und das Hotel »Edelweiß« verwirklicht.

400 Quadratmeter für Betriebe

Dem planenden Bauingenieur Hans Angerer ist wichtig, »dass neben dem Denkmalschutz das Gesamtensemble nach der Sanierung mit Leben erfüllt wird«. Eine sinnvolle Ortsentwicklung sei gegeben, da auch das Nebengebäude des Rosenhofs eine langfristige Nutzung durch nichtstörendes Gewerbe erfahre. Der Baumeister hofft, dass sich in nächster Zeit Interessenten für die rund 400 Quadratmeter Fläche, die auch geteilt werden kann, melden.

Franz Rasp geht davon aus, dass die Eigentümer passende Betriebe finden. Denn immerhin haben Interessenten bei der Gestaltung der Innenräume eine größtmögliche Gestaltungsfreiheit, da diese nicht denkmalgeschützt sind. »Im Bebauungsplanprozess hat ein Pächter die Möglichkeit, Einfluss zu nehmen«, weiß Rasp. Nutzerbedürfnisse könnten so optimal berücksichtigt werden. »Wir können mit dem vorhabenbezogenen Bebauungsplan eine maßgeschneiderte Lösung schaffen. Dadurch gestalten wir und schränken nicht ein«, verspricht das Gemeindeoberhaupt. Franz Rasp spricht sogar von »fast den gleichen Freiheiten wie bei einem Neubau«, obwohl es sich um ein denkmalgeschütztes Bauwerk handele.

Vom Erfolg des Rosenhof-Projekts ist der Bürgermeister überzeugt. »Wenn das hinhaut, dann freuen wir uns. Und es wird hinhauen.« Christian Fischer