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Der steinige Weg zur Einigung

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Wendeschleife der Kehlsteinwege am Aussichtspunkt Klingeck. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Die Debatte um die Kehlstein-Wege (wir berichteten mehrmals) geht in die nächste Runde. An einem sogenannten »Runden Tisch«, an dem Vertreter der Bayerischen Staatsforsten, des Landratsamtes Berchtesgadener Land, des Wasserwirtschaftsamts und der Bürgerinitiative sitzen, soll geklärt werden, was mit den umstrittenen giftigen Teerstraßen passieren soll. Die beiden strittigsten Punkte: Welche Bereiche soll das zweite Gutachten, das derzeit erstellt wird, überhaupt abdecken. Und wer zahlt dafür?


Die Absicht der Bayerischen Staatsforsten, das Wegenetz am Kehlstein von der belasteten Teerdecke zu befreien und statt dessen ein Netz leistungsfähiger Forststraßen zu bauen, stieß bekanntlich im Frühjahr auf den Widerstand einer Bürgerinitiative um Klaus Gerlach und den Grünen-Politiker Dr. Bartl Wimmer. Ihre Forderung: Die giftigen Straßen sollen bleiben und versiegelt werden. Denn das Gift soll laut Experten erst dann auftreten, wenn die Teermasse aufgebrochen wird. Eine touristische Nutzung sei laut Bürgerinitiative ein attraktiver Nebeneffekt.

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Ende April haben sich die Beteiligten zu einem Ortstermin getroffen. Mit dem Ergebnis, dass die Staatsforsten einem zweiten Gutachten zugestimmt haben. Und dieses auch bezahlen wollten. »Die Bayerischen Staatsforsten waren von Anfang an kompromissbereit«, stellt Dr. Daniel Müller, der Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden klar. Das heißt: Ob die Teerstraßen ausgebaut oder versiegelt werden, ist den Staatsforsten egal.

Dr. Müller: »Haben gesetzlichen Auftrag«

An einigen Punkten gibt es aber laut Dr. Müller nichts zu rütteln. »Wir haben einen gesetzlichen Auftrag«, stellt der Forstbetriebsleiter klar. »Und dem müssen wir auch am Kehlstein nachkommen.« Fest stehe, dass der Forstbetrieb am Kehlstein insgesamt 7,3 Kilometer an Straßen, die für Schwerlastverkehr geeignet sind, braucht. »Und die müssen dem reduzierten forstlichen Standard von drei Metern Breite entsprechen«, betont Dr. Müller. »Schließlich sollen im Extremfall ein Lastwagen und ein Radler aneinander vorbeikommen.«

Am »Runden Tisch« haben die Vertreter von Landratsamt, Bayerischen Staatsforsten, Wasserwirtschaftsamt und Bürgerinitiative den Auftragsumfang für das Zweitgutachten festgelegt. So sollen die Kehlsteinwege noch einmal im Hinblick auf bestehendes Gefährdungspotenzial untersucht werden. Daraus soll ein Vorschlag von Sanierungsmaßnahmen für die Streckenabschnitte gemacht werden. Die Vorgaben: Gefahrenbeseitigung, langfristige Wirtschaftlichkeit und Gesamtökologie. »Der Gutachter soll sich natürlich auch daran orientieren, was die Staatsforsten überhaupt brauchen«, sagt Dr. Daniel Müller.

Der Knackpunkt

Und das ist der Knackpunkt. Die Bürgerinitiative möchte nämlich eine Variantenprüfung: mit und ohne forstwirtschaftliche Nutzung. Eine Vorgabe, für welche die Staatsforsten nicht bezahlen wollen. Deshalb hat sich die Bürgerinitiative dazu bereit erklärt, die Mehrkosten für den Variantenvergleich zu übernehmen. Diesem Angebot hat das Landratsamt zugestimmt.

Laut Klaus Gerlach legen die Vertreter der Bürgerinitiative Wert auf dieses Ergänzungsgutachten, weil sich für einige Streckenabschnitte, welche der Forstbetrieb nutzen möchte, auch andere Möglichkeiten ergeben könnten. Zum Beispiel zusätzliche Parallelstraßen nur für den Forst. »Das wäre ein Eingriff, den die Bayerischen Staatsforsten nicht verantworten können«, stellt Dr. Müller klar.

Geduldig und ergebnisoffen möchte er weiterhin diskutieren. Auch gegen die Gesprächskultur am »Runden Tisch« hat er nichts einzuwenden. Auf einen Punkt legt er allerdings Wert: »Wir erwarten, dass das Erschließungsinteresse der Staatsforsten ernst genommen wird. Wir brauchen diese 7,3 Kilometer.« Die Forstarbeiten am Kehlstein seien schwierig und gefährlich. Zum Beispiel, wenn Sturmschäden beseitigt werden müssen. »850 Festmeter Holz kann man nicht mit Schubkarren wegfahren«, betont Dr. Müller.

Einen Termin für die nächste Besprechung gibt es noch nicht. Inzwischen schreiben die Bayerischen Staatsforsten das Gutachten aus. Das Ergebnis wird dann beim zweiten »Runden Tisch« besprochen. Erst dann werden die Bayerischen Staatsforsten dem Landratsamt einen Sanierungsvorschlag vorlegen.

Die Entscheidung zu der von Klaus Gerlach an den Bayerischen Landtag eingereichten Petition, in der er fordert, das gesamte Areal von Obersalzberg und Kehlstein unter Einbeziehung der umstrittenen Wege, der Busstraße und des Kehlsteinhauses in das Konzept einer Europäischen Erinnerungslandschaft einzubeziehen, wurde kürzlich im dafür zuständigen Ausschuss für Wissenschaft und Kunst bis zum Vorliegen des neuen Sanierungskonzepts zurückgestellt. Christian Fischer