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»Der Taubenflüsterer«

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Züchter Eduard Landes und seine tierischen Begleiter kurz vor dem Einsatz. (Foto: Tessnow)

Berchtesgaden – Schon als Kind hatten ihn Tauben fasziniert. Vor rund drei Jahrzehnten begann Eduard Landes mit seiner eigenen Taubenzucht. Jetzt hat der 76-jährige Schönauer noch mehr Zeit für seine Tiere. Denn im September 2015 legte Landes nach zehnjähriger Tätigkeit das anspruchsvolle Amt des Vorsitzenden der Berchtesgadener »Tafel« nieder. Sein Hobby mit dem geliebten Federvieh konnte erweitert werden. Zu besonderen Festlichkeiten lässt er seine Vögel in den Himmel steigen, die dann mit ihrer Symbolik am Horizont flatternd verschwinden.


Wenn Eduard Landes abends von einer Veranstaltung nach Hause kommt, warten seine treuen Tauben bereits auf ihn. »Das sind alles Rassetauben. Saarland-Tauben«, erklärt der Züchter. Für eine Hochzeit im Panoramarestaurant des Hotels »Edelweiß« hat er vier weiße Tauben mitgebracht. »Alles Jungtiere, sie stammen aus diesem Jahr«, sagt der ruhige Schönauer.

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Weiße Tauben sind das globale Symbol für Frieden und Freiheit. Denn auch die Farbe wird positiv assoziiert. Landes ist ein zurückhaltender Mensch, aber immer mit routinierter Konzentration und viel Wissen bei der Sache. »Der Umgang mit den Tauben erfordert intensive Zuneigung und Fachkompetenz«, weiß der gebürtige Simbacher. Grundvoraussetzungen, mit Tauben persönlich zu kommunizieren, sind die Fähigkeit einer guten Beobachtungsgabe und ein hohes Einfühlungsvermögen. Der persönliche Kontakt, kombiniert mit Gesten, erzeugt den erfolgreichen Umgang mit den Tieren. Das ist beim sogenannten »Pferdeflüsterer« ähnlich. »Schon im Ersten Weltkrieg nutzte das Militär Brieftauben als zuverlässige Nachrichtenboten«, sagt Landes und verweist auf den nützlichen Wert aus der Historie. Wenn man so will, funktionieren sie als lebende SMS. Die Orientierungsfähigkeit beziehungsweise das »Heimfindevermögen« ist bis heute allerdings wissenschaftlich noch nicht eindeutig entschlüsselt. Optische Anhaltspunkte, Stand der Sonne und das Magnetfeld der Erde dienen den Tieren unter anderem als Kompass.

Bei seinen Einsätzen transportiert Eduard Landes die Tauben im kompatiblen Holzgestell. Zum »Auftritt« beziehungsweise Abflug kommen die Vögel in einen luftigen Drahtkäfig. Der ist mit einem himmelblauen Tuch unterlegt. An den Gestellseiten stecken liebevoll zwei rote Rosen und eine leichte Gründekoration. Dazu der Mann in Berchtesgadener Tracht. Alles dezent, aber mit deutlicher Symbolik.

Auch die ersten Hochzeitsgäste sind gleich angezogen von dem weißen Taubenpärchen. »Das ist mein neues Hobby«, sagt Landes. »Ich freue mich, mit meiner kleinen Einlage Hochzeiten, Firmenjubiläen oder sonstigen festlichen Anlässen ein prägnantes Ambiente zu verleihen.«

Sowie das Türchen am Käfig geöffnet wird, flattert das Federvieh auch schon begeistert in den Sommerhimmel, dreht ein paar Runden über dem Luxushotel und weiter um den Markt. Ihr »Navi« ist auf Schönau am Königssee programmiert. So verschwinden die Vögel immer kleiner werdend im Berchtesgadener Bergpanorama. Denn irgendwo, aber dennoch genau dort ist ihr trautes »Taubenheim« und Heimschlag. Im Garten von Eduard Landes. Jörg Tessnow