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Der Teer muss raus

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Der Vorstandsvorsitzende der Bayerischen Staatsforsten, Martin Neumeyer, muss für die Sanierung der Kehlsteinstraßen bis zu 5 Millionen Euro locker machen. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden/Reichenhall – Der Runde Tisch, der sich in den letzten beiden Jahren mit den Kehlsteinwegen beschäftigt hatte, ist »mit einem positiven Ergebnis« zu Ende gegangen, wie Landrat Georg Grabner am Montagmittag im Landratsamt während eines Pressegesprächs verkündete. Die Bayerischen Staatsforsten müssen nun mehrere Millionen Euro für den Ausbau von rund fünf Kilometern belasteter Teerstraßen in die Hand nehmen – und die Wiederherstellung der Wege garantieren.


Froh ist Landrat Georg Grabner darüber, dass man schließlich einen gemeinsamen Weg gefunden habe – zusammen mit der Bürgerinitiative, die sich wegen der Kehlsteinstraßen gegründet hatte. Auch wenn die Arbeit am Runden Tisch »teils zermürbend, zäh und manchmal mühsam war«, sei man »fair und konstruktiv miteinander umgegangen« und habe am Ende einen Kompromiss gefunden. Die Bayerischen Staatsforsten seien der Bürgerinitiative sehr weit entgegen gekommen. Das sei nicht selbstverständlich gewesen. »Aber ein gemeinsamer Weg ist immer auch der beste.«

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Bereits vor zwei Jahren hatten die Staatsforsten einen Vorschlag unterbreitet – eine Maßnahme, wie man mit den Kehlsteinwegen in Zukunft verfahren wolle. Daraufhin wurde ein Gutachten erstellt und der Öffentlichkeit präsentiert. Allerdings blieb der Widerstand groß. Die ins Leben gerufene Bürgerinitiative forderte, die Kehlsteinwege zu erhalten. Ein zweites Gutachten folgte, Landrat Georg Grabner hatte dazu angeregt. Dieses wurde vor geraumer Zeit am Runden Tisch vorgestellt (wie berichtet).

Den Detailplan, wie die Bayerischen Staatsforsten die Maßnahme am Obersalzberg realisieren wollen, stellte am Montagmittag nun Vorstandsvorsitzender Martin Neumeyer vor, der aus München angereist war und »gute Nachrichten« mit im Gepäck hatte. In naher Zukunft gelte es, die Maßnahme am Kehlstein umzusetzen, dafür habe man ein »bewährtes Ingenieurbüro« gefunden, die dafür »gewährleisten, dass das ordentlich realisiert wird«, so Grabner. Nach seinen Worten sollen »alle Entsorgungswege nachvollziehbar sein.«

Stützmauern bleiben erhalten

Vorstandsvorsitzender Martin Neumeyer sagte, dass es »eine gute Entscheidung gewesen sei, dass wir uns an einen Runden Tisch gesetzt haben. Die Treffen haben sich gelohnt.« Im Detail sei man zu dem Ergebnis gekommen, dass die Bayerischen Staatsforsten alle Ingenieurbauten, die sogenannten Stützmauern am Kehlstein, erhalten werden. Von den insgesamt 13 Kilometern soll nur auf fünf Kilometern ein forstlicher Ausbau auf drei Meter Breite durchgeführt werden. Auf acht Kilometern Länge sei kein Ausbau erforderlich. Ebenfalls werde von der Richtlinie zur Erschließung eines Staatswaldes – »im Sinne eines Kompromisses« – abgewichen. Dort heißt es, dass Erschließungsstraßen mindestens eine Breite von 3,5 Meter aufweisen müssten. Man belasse den forstlichen Aufbau aber bei drei Metern. Außerdem verpflichten sich die Bayerischen Staatsforsten, dass »auf einigen Abschnitten nach Entfernung des teerhaltigen Materials wieder eine Asphaltschicht aufgebracht wird.«

In der Regel sollen die Kehlsteinwege, je nach künftiger Nutzung, entweder als Wanderwege oder Forststraße »geländeschonend in kiesgebundener Weise wiederhergestellt werden«, so Martin Neumeyer. In naturschonender Weise soll der Ausbau des giftigen Materials erfolgen, auch die Wiederherstellung der Wege müsste möglichst sorgsam umgesetzt werden. Zwischen 20 und 26 Wochen werden die Wege voraussichtlich für Fußgänger gesperrt sein. Allerdings müsse nun erst der vom Landratsamt ausgestellte, entsprechende Sanierungsbescheid abgewartet werden, ehe die Ausschreibung erfolgen werde. Zwei bis drei Monate werde dies in Anspruch nehmen.

»Wir haben die Absicht, noch 2017 mit den Sanierungsarbeiten zu beginnen«, kündigte Neumeyer an. Ob dieses Jahr mit einem Abschluss der Arbeiten gerechnet werden könne, sei noch nicht vorhersehbar. Spätestens in der ersten Jahreshälfte 2018 werden die Arbeiten abgeschlossen sein. Man wolle weiterhin mit der Bürgerinitiative »in engem Verhältnis bleiben und sich austauschen«, so der Vorstandsvorsitzende.

5 Millionen Euro für 31 000 Tonnen Material

Neumeyer rechnet damit, dass der Ausbau und die Wiederherstellung der Teerstraßen »zwischen 4 und 5 Millionen Euro kosten werden.« Dr. Bartl Wimmer, der Sprecher der Bürgerinitiative, sagte, dass »ein guter Kompromiss gefunden wurde.« Wimmer würdigte Neumeyers Zusagen, die Stützbauten am Kehlstein erhalten zu wollen. Diese seien unter großem Arbeitseinsatz entstanden und heutzutage »nicht mehr bezahlbar.« Es gehe nicht nur um den politischen Willen des Stützmauer-Erhaltes, sondern auch um deren technische Umsetzung. Außerdem sei es begrüßenswert, dass acht Kehlstein-Kilometer weitestgehend als Fußgängerwege erhalten bleiben könnten. Für die Zukunft sei zudem wichtig, dass die weitere Kommunikation »eng abgestimmt« erfolgen müsse – auch während der konkreten Umsetzungsphase.

»Enttäuschende Perspektive«

Klaus Gerlach würdigte zwar die »positive Zeit am Runden Tisch«, empfindet das Ergebnis aber doch als »etwas enttäuschend.« Denn die vom Forst genutzten Wege hätten, inklusive Spitzgraben und Bankett, am Ende eine Breite zwischen 3,5 und 4 Metern. »Das gesamte Netz wird sich künftig dem Besucher auf bis zu 4 Metern darstellen – für mich eine sehr enttäuschende Perspektive«, so Gerlach.

Eine Umsetzung der Maßnahme werde in nächster Zeit dennoch nicht erfolgen, »solange der Ausschuss für Wissenschaft und Kunst im Bayerischen Landtag keine endgültige Entscheidung über meine Petition getroffen hat«. Gerlach hatte gefordert, eine Europäische Erinnerungslandschaft am Kehlstein und dem Obersalzberg zu errichten – unter Einbeziehung von Kehlsteinhaus und Kehlsteinstraße, allen Liegenschaften auf dem Obersalzberg und des gesamten Wegenetzes. In »absehbarer Zeit wird eine Entscheidung getroffen werden.« Für Gerlach ist das die einzige Möglichkeit, dass die Kehlstein-Wege in ihrer ursprünglichen Weise erhalten bleiben können.

Landrat Grabner sagte hingegen, dass die Kehlsteinwege nicht denkmalwürdig seien, das sei in der Vergangenheit bereits bestätigt worden: »Das Landesamt für Denkmalpflege hat das vor einigen Jahren ja bereits geprüft.« Außerdem hätten zwei Gutachten bestätigt, dass es ökologischer sei, Teile der Wege zu entfernen. »Es gibt keinen Zweifel daran, dass giftige Stoffe in den Teerstraßen enthalten sind«, so Grabner.

Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp sagte, das Thema Grundwasser habe höchste Priorität. »Für uns ist es wichtig, dass unser Grundwasser in keiner Weise in Mitleidenschaft gezogen wird.« Die Sanierungsmaßnahmen seien in enger Abstimmung mit der Gemeinde getroffen worden. Er freue sich, dass man die Eingriffe minimieren konnte und die Bauwerke »so weit wie möglich« erhalten. Die Rettungswege für die Bergwacht würden zudem erhalten werden. »Das ist gut.« Im Übrigen fielen auch die zusätzlichen Lkw-Fahrten nicht so sehr ins Gewicht: Die 31 000 Tonnen Material, die vom Obersalzberg abtransportiert werden müssen, generierten pro Tag »nur etwa 20 zusätzliche Lkw-Fahrten«, so Rasp. Kilian Pfeiffer