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»Der Tourismus will nur billige Mitarbeiter«

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Kochen ist cool: Auf der Berufsmesse BIM suchen Hotels und Gaststätten jedes Jahr nach Lehrlingen. Mit mäßigem Erfolg. (Foto: Hudelist)

Salzburg – Die Mitarbeitersituation im Salzburger Tourismus bleibt angespannt. So fehlen im Bezirk Zell am See 300 Köche. Einige Hotels bieten aus Mangel an Personal kein Mittagessen mehr an.


Trotzdem ist ein politischer Streit über die sogenannte Mangelberufsliste entbrannt, mit deren Hilfe zum Beispiel Asylbewerber eine Lehre beginnen dürfen, auch wenn sie eigentlich während des Asylverfahrens nicht arbeiten dürfen. Arbeiterkammerpräsident Siegfried Pichler wirft indes der Tourismusbranche vor, »nicht den besten Koch zu wollen, sondern nur den billigsten«. Der geplante Arbeitskräftezuzug aus Kroatien würde ein weiteres Sozial- und Lohndumping auslösen.

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In Salzburgs Hotels und Gaststätten sind rund 25 000 Mitarbeiter beschäftigt. Die Zahl der arbeitslosen Köche und Kellner ist auf einem niedrigen Niveau und meist saisonbedingt. »Allerdings beträgt der Anteil der beschäftigten Ausländer seit Jahren deutlich über 50 Prozent, Tendenz steigend«, so Siegfried Pichler. Er will aber nicht einen österreichweiten Personalmangel erkennen, »wenn dann gibt es einen lokalen Mangel in einigen Tourismusorten zu ganz bestimmten Zeiten«. Dieser Mangel ist nach Ansicht Pichlers aber hausgemacht. »Denn die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist im Land Salzburg von knapp 600 im Jahr 2007 auf jetzt 380 zurückgegangen.«

Pichler spricht sich daher gegen den von der Bundesregierung beabsichtigten Zuzug von Arbeitskräften aus dem EU-Land Kroatien aus, indem Übergangsfristen für Kroaten am österreichischen Arbeitsmarkt vorgezogen werden sollen. »Meine Ablehnung ist nicht ausländerfeindlich, aber es geht der Regierung nur um den Zuzug von billigeren ausländischen Arbeitskräften und damit um Sozialdumping«, kritisiert Pichler. Schuld am geringen Interesse von Arbeitslosen an der Gastronomie hätten auch die Betriebe selbst, denn die Arbeitsbedingungen seien »nicht gerade einfach«, so Pichler ungewohnt zurückhaltend. Zudem sei auch das Gehalt »nicht gerade toll«. Seiner Erfahrung nach würden deshalb mittlerweile sogar Arbeitskräfte aus Deutschland und Ungarn diese Branche wieder verlassen.

Trotz zahlreicher Ausnahmeregelungen wie den Saisonier-Stellen, der Mangelberufsliste und der Rot-Weiß-Rote-Karte würden es die Tourismusbetriebe nicht schaffen, ausreichend Personal anzuwerben. »Mit der Rot-Weiß-Rot-Karte könnte jeder Betrieb sofort Köche mit dem gesetzlichen Mindestlohn von 2 500 Euro brutto einstellen. Aber man will nicht die guten Köche, sondern man holt sich die billigsten Köche«, wettert Pichler. Diese würden dann nach einem anderen Kollektivvertrag nur 1 600 Euro brutto pro Monat verdienen.

Konrad Steidl als Vertreter der Wirtschaftskammer kontert, dass im Tourismus viele Betriebe wirtschaftliche Probleme hätten und die Kosten sehr knapp kalkulieren müssten. Ein guter Koch würde 3 500 bis 4 000 Euro brutto verdienen. »Da muss das Restaurant mit seinen arbeitsintensiven Küchendiensten schon einen sehr guten Umsatz machen«, so Steindl. Er warnte von Plänen, Touristen in den Hotels von Zentralküchen aus zu versorgen, »das wäre das Ende der Gastlichkeit«. Unter den wenigen, neuen Lehrlingen in der Gastronomie waren 2017 übrigens auch 90 Asylbewerber, die laut Asylgesetz keiner Beschäftigung nachgehen dürften. Da die Berufe Koch und Kellner allerdings auf der Mangelberufsliste stehen, dürfen auch Asylbewerber unter 25 Jahren eine Lehre beginnen. Dieser Ausbildungsvertrag hat allerdings keinen Einfluss auf das eigentliche Asylverfahren. Michael Hudelist