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»Der Untersberg hat mehr Fans verdient«

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Malerisch, sagenumwoben und momentan weltbekannt: Die BGLT möchte den Untersberg touristisch besser vermarkten. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Er war über Wochen der medial präsenteste Berg der Welt: Bei der »Riesending«-Höhlenrettung im Juni hat der Untersberg so viel Aufmerksamkeit erhalten wie nie zuvor. Das kommt Stephan Köhl, dem Chef der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH (BGLT), sehr gelegen. Denn schon länger versucht er mit seinem Team, das Gebirgsmassiv touristisch besser zu vermarkten. Dem »Berchtesgadener Anzeiger« hat er verraten, warum das so wichtig ist.


Herr Köhl, welchen Marketingeffekt hatte der Presserummel um die Rettungsaktion in der »Riesending«-Schachthöhle?

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Stephan Köhl: Seit dem großen Einsatz ist der Untersberg weitaus mehr Leuten ein Begriff. Natürlich ist er nach wie vor nicht so bekannt wie der Watzmann.

Setzt die BGLT den gestiegenen Bekanntheitsgrad des Unterbergs bewusst ein?

Köhl: Ja. Wir wollen jetzt Reisejournalisten anlocken, die über den Untersberg berichten. Also den Berg in den Fokus rücken und ausnahmsweise nicht den Königssee oder den Watzmann. Marketingmaßnahmen gezielt für den Untersberg hat es aber schon vor dem Unglück gegeben. Denn der Untersberg ist gerade für Marktschellenberg ungeheuer wichtig.

Eine Rettungsaktion als Aufhänger für das Marketing zu verwenden, ist sicher schwierig. Gibt es dafür ethische Rahmenbedingungen?

Köhl: Ja, natürlich. Damit eines klar ist: Wenn der Höhlenforscher gestorben wäre, hätten wir den Untersberg nicht in der Form beworben. Aber so ist es doch eine tolle Sache. Fast schon ein Sommermärchen. Die Bergwacht konnte beweisen, dass sie international bestens vernetzt ist und äußerst effizient arbeitet. So eine gelungene Rettungsaktion brauchen wir nicht zu verheimlichen.

Haben Sie keine Angst, dass Sie abenteuerlustige Höhlentouristen anlocken?

Köhl: Wir wollen die Besucher lenken. Hin zur Toni-Lenz-Hütte, zum Stöhrhaus, zur Eishöhle. Und weg von der »Riesending«-Höhle, die inzwischen eh verschlossen ist. Sensationsgierige Journalisten und abenteuerlustige Touristen wollen wir nicht anlocken.

Wer ist die Zielgruppe?

Köhl: Der Untersberg hat für jeden etwas zu bieten. Es gibt traumhafte Wanderwege aller Schwierigkeitsgrade. Auch für Kletterer ist der Untersberg reizvoll. Und dann die ganzen Fabelwesen, die den Berg bewohnen sollen. Nicht zu vergessen die Bedeutung, die der Untersberg für Mystiker hat. Ich wohne in Marzoll. Und auch von dort ist der Ausblick auf den Berg fantastisch. Er schaut einfach aus jedem Blickwinkel anders aus. Der Untersberg hat mehr Fans verdient. Christian Fischer