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Der Urlaub muss nicht ins Wasser fallen

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Rekordverdächtige Besucherzahlen verzeichnete im August auch die Dokumentation Obersalzberg. Foto: privat
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Vor allem Familien strömen momentan ins »Haus der Berge«, um den Nationalpark Berchtesgaden im »Trockenen« zu erleben. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgadener Land – Regen, Wolken und ein kühler Wind – Ferienwetter sieht anders aus. Bergfexen und Badefreunde haben in diesem August nichts zu lachen. Immerhin hat das Berchtesgadener Land aber mehr zu bieten als schöne Landschaft und drei Freibäder. So treibt das schlechte Wetter scharenweise Besucher ins »Haus der Berge«, ins Salzbergwerk, in die Enzianbrennerei Grassl, in die Dokumentation Obersalzberg und ins Museum »Schloss Adelsheim«. Das jedenfalls haben die Recherchen der Heimatzeitung ergeben.


Die meisten Urlauber kommen nach Berchtesgaden, um zu wandern, die Natur zu genießen. Das weiß auch die neue Gästeservice-Leiterin der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK), Claudia Schülein. Was schwierig ist in diesem Sommer. Aber nicht unmöglich. »Es gibt mehrere Wanderungen, die auch bei leichtem Regen möglich sind«, verrät Schülein. Zum Beispiel durch das Wimbachgries. »Da geht es relativ eben dahin. Das ist auch für Familien mit Kindern gut geeignet«, sagt die Gästeservice-Leiterin.

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Je schlechter das Wetter ist, desto mehr wollen die Urlauber wissen, was sie unternehmen können. In der Touristinfo am Kreisverkehr gibt es dafür viele Tipps. Die Watzmann Therme, das »Haus der Berge«, die Dokumentation Obersalzberg oder einen Ausflug nach Salzburg.

»Die Leute nehmen es gelassen«

Richtig grantig wegen des miesen Wetters wird aber kaum ein Urlauber. »Die Leute nehmen es gelassen«, so Schülein. Und sind bei der Tagesplanung hochflexibel, nutzen jede Sonnenstunde. »Wenn das Wetter beispielsweise vormittags gut ist, geht es rauf auf den Kehlstein«, erklärt die Gästeservice-Leiterin. »Und wenn es dann wieder zu regnen anfängt, besuchen sie das Salzbergwerk.« Dahin strömen die Leute zurzeit in Massen. »Seit Anfang August haben wir bereits über 50 000 Besucher, überwiegend Familien«, freut sich Standortleiter Franz Lenz. Normalerweise zählt man pro Monat zwischen 9 000 und maximal 62 000 Gäste, die die Welt unter Tage erkunden wollen. »Bis Monatsende könnten es noch 65 000 Besucher werden, das wäre ein Rekord«, sagt Lenz und erklärt: »Wir sind natürlich das Schlechtwetterangebot Nummer eins im Berchtesgadener Land.«

Dennoch ist der Standortleiter überzeugt, dass nicht nur der Regen für den starken Besucherzulauf verantwortlich ist. »Wir haben vor sieben Jahren eine erhebliche Summe in die Salzzeitreise investiert und sind somit eine zeitgemäße Destination«, sagt der Bergwerkschef. Und so beobachtet er täglich mit Freude, »dass die Leute gut gelaunt aus dem Bergwerk kommen – egal ob die Sonne scheint oder ob es regnet«.

Ähnlich verhält es sich bei der Enzianbrennerei Grassl in der Unterau. »Nach einem Schnapserl sieht die Welt selbst bei schlechtem Wetter gleich wieder anders aus«, sagt Geschäftsführer Florian Beierl, der sich über enorm starken Besucherzulauf in seiner Schaubrennerei freut. Er hat beobachtet, dass viele Reisegruppen bei Regenwetter kurzfristig umdisponieren und statt Kehlstein oder Roßfeld die Enzianbrennerei aufsuchen. Trotzdem machen 80 Prozent der Besucher Individualgäste aus, die sich heuer besonders viel Zeit bei der Verkostung von Almkas und Berchtesgadener Speck nehmen. »Nach einem gar nicht so tollen Winter ist der August heuer ein starker Aufholmonat«, sagt Florian Beierl. Nur einer in der Firma freute sich nicht ganz so über den ständigen Regen: Bergbrenner Hubsi Ilsanker am Funtensee.

Rekordverdächtige Besucherzahl

Knapp 22 000 Besucher haben bislang im August die Dokumentation Obersalzberg besichtigt. »Das ist absolut rekordverdächtig«, freut sich Markus Rosenberg, Leiter der Dokumentation. Der Spitzenwert wurde am 11. August mit 1 443 Besuchern erreicht. Aufgrund des schlechten Wetters besuchen derzeit täglich mehr als 1 000 Urlauber die Dokumentation. »Das ist schon fast an der Grenze«, so Rosenberg. Unter den Besuchern befinden sich 40 Prozent nicht deutschsprachige Gäste, vor allem Amerikaner, Franzosen, Niederländer, Italiener und Spanier informieren sich am Obersalzberg über die Geschichte. Klagen über Regen und kühle Temperaturen gibt es aber nur selten. »Wir sind für die Urlauber eher ein Auskunftsbüro und werden nach Alternativprogrammen gefragt.« Für alle Einheimischen hat Markus Rosenberg noch einen Tipp: Der Besuch der Ausstellung sollte auf Oktober verschoben werden, dann sind die Urlauber wieder zu Hause und die Einheimischen können sich in Ruhe die Ausstellung ansehen.

Der Heimatgeschichte des Berchtesgadener Landes fühlen momentan auch im Schloss Adelsheim viele Besucher auf den Zahn. Während es bei schönem Sommerwetter ziemlich ruhig im Museum in der Schroffenbergallee ist, strömen bei Regen zahlreiche Familien und ältere Ehepaare in das Museum. Gerne wird der Aufenthalt auch mit einem Besuch im Salzbergwerk verbunden. Müssen die Urlauber länger auf ihre Einfahrt in das Salzbergwerk warten, nutzen sie die Zeit und marschieren bestens mit Regenkleidung ausgestattet ins Schloss Adelsheim.

Das graue Augustwetter lässt auch das »Haus der Berge« in Berchtesgaden aus allen Nähten platzen. »Wir haben deutlich mehr Besucher als im schönen August 2013«, sagt Hauschef Uli Brendel. Vor allem freut den Diplombiologen, dass zurzeit viele Leute ins »Haus der Berge« kommen, die vom Nationalpark in Berchtesgaden zuvor gar nichts wussten. »Die werden förmlich vom Regen hereingespült und erfahren dann ganz überrascht von den Besonderheiten im Nationalpark«, sagt Brendel. Vor allem Familien sind es, die sich die Ausstellung und die anderen Angebote ansehen. »Viele kommen auch ein zweites Mal, wenn sie vielleicht beim ersten Mal eine zu lange Warteschlange vor sich hatten«, sagt Brendel. Oder sie teilen sich die Programmpunkte in zwei Besuche auf. Selbst dieselben Einheimischen hat Uli Brendel schon öfters im »Haus der Berge« gesehen, was ihn besonders freut.

Leider musste das Personal im »Haus der Berge« schon gelegentlich feststellen, dass die Urlauber aufgrund des schlechten Wetters teilweise richtig verzweifelt sind. »Da mussten unsere Leute schon einmal psychologisch weiterhelfen und die Leute aufmuntern«, weiß Brendel. Immerhin war die Laune bei den meisten Besuchern nach Besichtigung der Ausstellung schon wieder deutlich besser. UK/ci/cfs