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Der Verkehr am Bahnhof: Wann? Woher? Wohin?

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Von dem Verkehrsimulationsprojekt am Bahnhof erhoffen sich (v.l.) Marktbaumeister Peter Hasenknopf, Baudirektor Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein und der Verkehrsingenieur Peter Nolden Lösungsideen für einen besseren Verkehrsfluss. (Fotos: Kastner)
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Dieser kleine Kasten enthält unter anderem das Aufzeichnungsgerät.
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Aus fünf Metern Höhe zeichnen insgesamt 13 kleine Kameras das Verkehrsgeschehen zwischen Bahnhofskreisverkehr und Schießstättbrücke auf.

Berchtesgaden – Macht ein Bypass in Richtung Ramsau wirklich Sinn? Braucht es zusätzliche Maßnahmen, um den Verkehrsfluss zwischen Schießstättbrücke und Bahnhofskreisverkehr zu beschleunigen?


Antworten auf diese Fragen versprechen sich das Staatliche Bauamt Traunstein und die Marktgemeinde Berchtesgaden von einer Studie, die aktuell das Planungsbüro für Verkehrstechnik Essen (PVT) durchführt. Insgesamt 13 Kameras zeichnen noch bis Ende August den Verkehrsfluss in dem kritischen Bereich auf.

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Seit elf Jahren gibt es den Kreisverkehr am Bahnhof mittlerweile. Anfangs hatte sich der Verkehrsfluss tatsächlich beschleunigt, doch seit einigen Jahren werden die Fahrzeugschlangen in sämtliche Richtungen wieder länger. »Damals hat man mit Verkehrszahlen gerechnet, die heute nicht mehr funktionieren«, sagt Baudirektor Martin Bambach vom Staatlichen Bauamt Traunstein. Wachsender Tourismus und boomende Konjunktur hätten die Verkehrszahlen drastisch ansteigen lassen. Im Bahnhofsbereich sei dann noch das Gewerbegebiet Triftplatz dazu gekommen.

Gesicherte Daten notwendig

Etwa seit sechs Jahren gibt es nun Überlegungen, den Verkehrsfluss zwischen Schießstättbrücke und Kreisverkehr am Bahnhof durch Umbauten zu beschleunigen. »Denn die Probleme haben ja mittlerweile auch einige Ausweichstrecken erreicht«, erklärt Bambach bei einem Ortstermin am Bahnhof. Schnell wurde aber klar, dass man für die Umsetzung des rund 1 Million Euro teuren Projekts gesicherte Daten braucht. Man beauftragte deshalb im Frühjahr das Planungsbüro für Verkehrstechnik Essen um seinen aus zahlreichen Projekten in der Region bekannten Geschäftsführer Peter Nolden mit der Erstellung eines Gutachtens. Der Verkehrsingenieur ist Spezialist für Lichtzeichentechnik und Verkehrszählung. Nolden sollte das Verkehrsgeschehen an den Brennpunkten rund um den Bahnhof zur Hauptreisezeit aufzeichnen und auswerten.

Diese Zeit ist nun da, das Verkehrsaufkommen hat seinen Höhepunkt erreicht. Ab dem 14. August installierten Peter Nolden und sein Team zwischen Schießstättbrücke und Bahnhofskreisverkehr insgesamt 13 Minikameras. Diese kaum erkennbaren Geräte befinden sich auf fünf Meter hohen Stangen, die im Bereich der Verkehrsknotenpunkte, vor allem auch an den Zu- und Abfahrten, angebracht sind. Eine Übersichtskamera durfte man sogar am gegenüber liegenden Gerüst der »Schwabenwirt«-Baustelle anbringen. »Diese Kameras zeichnen per Video auf, welche Fahrzeuge wohin fahren«, erklärt Martin Bambach. Ausgewertet werden nicht nur die Bewegungen von Pkw, sondern auch von Lkw, Motorrädern, Radfahrern und Fußgängern.

Baubeginn nicht vor Herbst 2019

Die Daten werden ab Ende August in die Computer eingegeben. Ab Ende September/Anfang Oktober soll dann eine Verkehrssimulation die besten Lösungen für den gesamten Bereich zwischen Schießstättbrücke und Bahnhofskreisverkehr aufzeigen. »Im November könnte es erste Lösungsansätze geben, die man diskutieren wird«, hofft Martin Bambach. Einen Baubeginn schon in diesem Herbst, wie ursprünglich geplant, kann es dann natürlich nicht mehr geben. Die Umsetzung würde sich etwa um ein Jahr verschieben. Die Bauzeit wäre von Herbst 2019 bis Herbst 2020.

»Was die Lösungen betrifft, ist noch alles offen«, versichert Verkehrsingenieur Peter Nolden. »Erst wenn die Daten vorliegen, können wir uns Maßnahmen überlegen. Eventuell wird es auch ganz neue Vorschläge geben.« Die schlechteste Lösung, die man auch nicht wolle, wäre nach Noldens Worten die Errichtung einer Ampelanlage am Kreisverkehr. Denkbar wären aber weitere Bypässe, eine durchgehende zweite Spur von der Bergwerkstraße bis zum Bypass am Bahnhof, der Umbau der Bavariakreuzung, eine geänderte Beschilderung oder auch Neuregelungen für den Fußgängerverkehr.

Den Großteil der Kosten trägt der Bund

Der Platz für einen Bypass in Richtung Ramsau wäre nach den Worten von Marktbaumeister Peter Hasenknopf durchaus vorhanden. Allerdings würde der Kreisverkehr dann einspurig werden und ein Busparkplatz sowie ein kleiner Teil der Überdachung vor dem Bahnhof müssten geopfert werden. Die Kosten für das Gesamtpaket von rund 1 Million Euro würde zum Großteil der Bund übernehmen, ein kleiner Teil müsste aus dem märktischen Haushalt finanziert werden. Ulli Kastner