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Der »Witwentröster« als herzerfrischender Schwank

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Großer Applaus am Ende für (v.l.) Manfred Maier, Elisabeth Hölzl-Michalsky, Max Schauer, Tanja Mißfeldt und Lorenz Brandner. (Fotos: Aumiller)

Berchtesgaden – Um die »narrerte Liab« dreht sich alles im mal witzigen, mal deftigen Schwank »Der Witwentröster«, den Elisabeth Hölzl-Michalsky als Berchtesgadener Sommerpremiere neu in Szene gesetzt hat.


Das Publikum reagiert mit viel animiertem Gelächter und genießt den schwerelosen Unterhaltungsabend. Zur Darstellung der gelungenen Komödie dürfen sich die Schauspieler gratulieren. Wie sie mit pointiertem Spielwitz und zugleich überzeugter Ernsthaftigkeit ihre Rollen würzen und damit die Zuschauer zum amüsierten Lachen bringen, ist Beweis für ihre »gut sitzende« Komödiantik.

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Rosa, die junge Witwe und Wirtin vom nicht gerade florierenden Gasthaus »Zur Post« ist widerborstig gegen plumpe Zudringlichkeiten ihrer Verehrer. Eine ganze Reihe von Heiratskandidaten hat ihr der Vater Wastl bereits zugedacht, aber sie ist nicht geneigt, auch nur einen davon in Betracht zu ziehen. Einzig den Anbiederungen des dubiosen Architekten Krause, der als Stammgast im Wirtshaus schnorrend ein- und ausgeht und ihr den Hof macht, ist sie nicht abgeneigt.

Diesem Verlauf will Vater Wastl zuvorkommen und stellt Anton Schlederer als neuen Kellner ein, der vor allem einen Heiratskandidaten abgeben soll. Listig gelingt es Wastl schließlich, Krause vor der Wirtin bloßzustellen, indem er die vom Architekten sitzen gelassene Ursula Hirnnagel herbeiholt. Inzwischen hat Rosa ihr Herz für Anton entdeckt und dem glücklichen Ende steht nichts mehr im Wege.

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Walli (Elisabeth Hölzl-Michalsky) und Krause (Max Schauer).

Die Wirtsstube »Zur Post« ist der Ort des Geschehens. Rosa deckt hingebungsvoll mit Blumen, gutem Geschirr und frischer Decke den festlichen Tisch für den erwarteten Architekten, aber der neu eintreffende Anton findet das absolut übertrieben und räumt wieder ab. Eine Menge Geschirr geht dann zu Bruch. Die Regisseurin Elisabeth Hölzl-Michalsky hat Sinn für die Details, die Effekt machen. Gut gelöst ist die Raufszene, die lärmend in der Kulisse stattfindet, und nur durch das Beobachten von Rosa und Wastl durch das Fenster präsent ist.

Zwischen den Szenen lockern der tüchtige Akkordeonspieler und die beiden flotten Schuhplattler auf. Hölzl-Michalsky ist aber nicht nur als Regisseurin, sondern vor allem als professionelle Darstellerin das Herzstück der Aufführung. Mit ihrem geschulten, gut verständlichen Bühnenbayerisch bringt sie die Pointen als wahrhaft treffendes Lachfutter. Im ersten Teil ist sie köstlich als »versteckte Schönheit« und Tabak schnupfendes Hausmädel Walli, wenn sie sagt » I schnupf und wenn der Tabak no so rass ist« oder über die ihr aufgetragene Arbeit jammert: »I und der Hund, mir zwoa san die Deppen.«

Zum Höhepunkt wird ihr die Szene füllender Auftritt als die aus der Stadt angereiste Ursula Hirnnagel. Daraus macht Hölzl-Michalsky ein wahres Kabinettstück sowohl durch ihr schräges Outfit als auch durch die forsch-derben Dialoge mit Wastl. Ihre Kehle feuchtet sie erst mal mit Bier an und kann auf einen Sitz drei Halbe hinunterspülen. Staunen rundum. Dann knöpft sie sich, mit allen Wassern gewaschen, den Krause vor. Auch wenn sie von dem Fliehenden nur die Jacke zu fassen bekommt, ist sie überzeugt, dass er ihr auf Dauer nicht entkommen wird. Das glaubt ihr jeder sofort. Das jeweils tolle Rollenprofil, ob als Magd oder als Ursula, bringt ihr natürlich den Löwenanteil am großen Schlussapplaus.

Die spröde Wirtin Rosa ist mit Tanja Mißfeldt überaus sympathisch besetzt. Auch wenn sie zornig darauf besteht, »mei G'schäft führ i selber« und sich entschieden gegen Anton wehrt, »heut steht er ein, morgen fliegt er wieder raus«, ist sie liebenswert im Gespräch mit Krause und macht gute Figur in ihren feschen Dirndlkleidern.

Ein Original ist der Wastl von Manfred Maier mit seinen Kraftausdrücken und der listigen Bauernschläue. Mit Gelassenheit dreht er die Dinge nach seinem Gutdünken und hat damit Erfolg. Mehrfacher Szenenapplaus ist ihm sicher. Pfiffig mimt Max Schauer den buhlenden und schnorrenden Architekten, der in der Odelgrube landet und vor Ursula die Flucht ergreift.

Ein fescher Zuwachs im Ensemble ist Lorenz Brandner als »kluger Kopf« und zielstrebig erfolgreicher Kellner Anton Schlederer. Nächste Aufführungen sind am 12. September in Berchtesgaden und am 3. September in Schönau am Königssee. Elisabeth Aumiller

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