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Des Bahnhofs schönstes Kleid

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Bahnhof-Investor Ralph Müller (l.), »Burger King«- und Bowlingbahnleiter Klaus Satra (M.) sowie Betreiber Sebastian Dudas vor der frisch gestrichenen Bahnhofsfassade. (Fotos: Pfeiffer)
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Am runden Bahnhofsturm muss noch gestrichen werden. Bis zu 40 Handwerker arbeiten derzeit im und ums Gebäude.
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Stahlträger an der Decke sorgen unter anderem dafür, dass der Durchgang sicher bleibt. Wasser dringt nicht mehr durch.
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Die rückwärtige Bahnhofsfassade wird aktuell gestrichen. Die Fenster sind bereits abgeklebt.

Berchtesgaden – Die Fassade des Bahnhofsgebäudes hin zur Straßenseite ist mittlerweile gestrichen. Ralph Müller, der Münchner Investor, scheint zufrieden, wenn er sich das historische Gebäude so ansieht. Sein leichtes Kopfnicken wirkt wie eine Zustimmung. Eine Millionensumme hat er in die Hand genommen. Bis zu 40 Handwerker arbeiten aktuell auf der Baustelle. In wenigen Monaten soll es eine »große Eröffnungsfeier« geben. Dann eröffnet auch das »modernste Kegel- und Bowlingcenter weit und breit«.


Ralph Müller ist ein hochgewachsener Mann. Kurze Hose, T-Shirt, sportliches Outfit. Einer, der sich mit dem Reden nicht schwer tut. Schnell wird klar: Er weiß, was er will. Schon vor zwei Jahren hat er das ehemalige Postgebäude, in dem sich mittlerweile »Burger King« und ein Hostel befinden, renovieren lassen, für viel Geld. »Wenn schon, denn schon«, sagt er.

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Beim Berchtesgadener Bahnhof ist die Sache ähnlich: Die Gelegenheit war einmalig, Ralph Müller nahm Gespräche mit der Deutschen Bahn auf. Man wurde sich einig, »für mich war klar, dass hier viel Arbeit zu leisten ist«, sagte Müller bereits vor einigen Monaten dem »Berchtesgadener Anzeiger«.

Farbenspiele

Eine helle Optik erwartet den Bahnhofsbesucher. Der Gelbton wirkt sympathisch, mit den teils modernisierten und renovierten Fensterrahmen in Rotoptik ist das Erscheinungsbild ein gelungenes. Hinzu kommen die Natursteinrahmen, die frisch geölt wurden und in sattem Ton viel hermachen. Das bestätigen auch mehrere Bahnhofsbesucher, die dem Abschluss der Renovierungsarbeiten erwartungsfroh entgegenblicken. Seit mehreren Wochen laufen die Sanierungsarbeiten rund um den Bahnhof, die Maler haben die Fassade hin zur Straße bereits gestrichen, hinter dem Gebäude beginnen Maler gerade damit, die Fenster abzukleben, um der Außenwand einen neuen Farbton zu verpassen. Acht Maler arbeiten täglich auf der Großbaustelle jenes Gebäudes, dessen historisch bedingte Größe in keinem Verhältnis zu Berchtesgadens Einwohnerzahl steht. Umso umfangreicher sind die Renovierungsarbeiten, die Ralph Müller in Auftrag geben musste. Denn die Deutsche Bahn hatte das Gebäude in der Vergangenheit verkommen lassen, Investitionen waren spärlich geflossen. Insofern wird sich im Bereich der Gleisanlagen auch nichts verändern. Sowohl die Bahnhofüberdachung hin zu den Schienen bleibt von den Renovierungsarbeiten unberührt, als auch die Unterführungen bei den Gleisen. Dafür wäre die Deutsche Bahn zuständig. Und diese sieht aktuell keinen Bedarf einer Verschönerung ihrer Liegenschaft.

Durchgangsdilemma

Der Durchgang beim Taxistand war schon seit Jahren undicht. Wasser floss von der darüber liegenden Terrasse durch das Dach, machte es morsch, bis der Bereich gesperrt werden musste. Mittlerweile hat Ralph Müller Stahlträger an der Decke anbringen lassen, die drüber liegende Terrasse ist nun wieder dicht. Sie soll künftig überdacht werden. Denn in den ersten Stock kommt ein Kegel- und Bowlingcenter, hochmodern, zehn Bahnen (siehe eigener Bericht). Im Erdgeschoss wird ein Pub verwirklicht.

Entgegen aller Gerüchte wird Ralph Müller die ehemalige Diskothek »Beverly« (später: »Hallodri«) zunächst nicht reaktivieren. »Aktuell haben wir keine Pläne.« Der beliebte Treff für Berchtesgadens Jugend war unter anderem geschlossen worden, weil sich die Nachbarschaft über nächtliche Ruhestörungen beklagt hatte. Da es noch kein Konzept für eine neue Verwendung gibt, seien alle Gerüchte falsch, sagt Müller. Froh ist er, dass alle Mieter des Bahnhofs bleiben. Und neue hinzukommen. Das ausgegebene Motto »Treffpunkt Bahnhof« zahlt sich aus. »Wir wollen einen schönen Bahnhof für den Ort schaffen«, sagt Ralph Müller. Deshalb wurden in den vergangenen Wochen allein 40 LED-Scheinwerfer entlang des Bahnhofsdaches installiert, die abends eingeschaltet werden und das riesige Gebäude in besonderem Licht erstrahlen lassen. Erst kürzlich hat es einen Probelauf gegeben, bestätigt Müller. »Das hat fantastisch ausgesehen. So gut, dass einige Autofahrer auf dem Kreisverkehr stehen geblieben sind, die Kamera gezückt und abgedrückt haben.«

Anfang Oktober soll die Baustelle im Gesamten abgeschlossen sein. »Es wird ein großes Fest geben.« Eines, an das man sich erinnern könnte. Details dazu möchte er noch nicht verraten. Kilian Pfeiffer