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Design-Hotel für sportliche Gäste

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Nach dem ersten Planungsentwurf könnte das neue Explorer-Hotel auf der Wölflerwiese direkt im Anschluss an die bestehende Siedlung errichtet werden. Foto: Anzeiger/Kastner
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Das ist die festgelegte Außenansicht der Explorer-Hotels. Der Gemeinderat Schönau am Königssee muss die Entscheidung treffen, ob er sich so ein modernes Gebäude auf der Wölflerwiese vorstellen kann. Foto: privat

Schönau am Königssee - Vor allem auf jüngeres, sportliches Publikum ist das Konzept der Explorer-Hotels Entwicklungs GmbH in Fischen bei Oberstdorf ausgerichtet. In erster Linie Skifahrer, Mountainbiker, Wanderer und Klettersteiggeher sollen deshalb auch in das Explorer-Hotel kommen, das die Gesellschaft gerne auf der Wölflerwiese in Schönau am Königssee errichten würde. Der Gemeinderat ließ sich am Dienstag von einer Delegation aus Oberstdorf über das Konzept und die ersten Pläne informieren.


Über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft war der Kontakt zwischen der Gesellschaft und der Gemeinde zustande gekommen. Die Gesellschaft hatte daraufhin mehrere Grundstücke in Schönau am Königssee besichtigt und die Wölflerwiese favorisiert, weil sich hier in unmittelbarer Nähe der Königssee, die Jennerbahn, das Schornbad und der Grünstein-Klettersteig befinden. Nach dem ersten Planungsentwurf würde das 200-Betten-Dreisterne-Hotel im zeitgenössischen Stil direkt im Anschluss an die vorhandene Siedlung errichtet werden. Was die Nachbarn allerdings nicht gerne zur Kenntnis nahmen. So kündigte Klaus Dengler in der Sitzung bereits Widerstand an.

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Die Gesellschaftsgeschäftsführer Jürnjakob Reisigl und Katja Lieveringhaus betonten, dass das zeitgenössische Erscheinungsbild der Explorer-Hotels eine Marke sei und nicht verändert werden dürfe. Allerdings war die Fassade des Gebäudes mit einer Mischung aus Schindeleindeckung und hellgrüner Außenwand für die Gemeinderäte schon etwas gewöhnungsbedürftig.

Sämtliche modern eingerichtete Zimmer in dem CO2-neutralen Passiv-Hotel, von denen es bislang je eines in Oberstdorf und Montafon und bald auch eines in Nesselwang gibt, sind standardisiert und haben eine Größe von 21 Quadratmetern. Ein Blickfang sind die Bäder im Design-Stil, in allen Zimmern gibt es einen Flatscreen und W-Lan. Auch sonst legt man bei den Explorer-Hotels Wert auf modernen Designer-Stil. Eine Besonderheit sind die sogenannten Explorer-Walls in der Lounge, eine Art überdimensionaler i-pad mit Multitouchscreen, in den die Gäste nach Facebook-Art ihre persönlichen Bilder und Tagestipps uploaden können. So ist ein ständiger Austausch zwischen den Gästen gesichert, außerdem können alle Informationen auf der Explorer-Wall auch im Internet abgerufen werden.

Die für Ökonomie und Design vielfach ausgezeichneten Explorer-Hotels verfügen über einen Sport-Spa-Bereich mit Sauna und Fitnessräumen, über Tagungsräume, über eine lässige Lounge sowie über einen Werkstattbereich für die Reparatur von Bikes und die Präparation von Skiern sowie über einen Bike-Waschraum mit Waschmaschine. Alles ist zusammengesetzt wie ein Markenbaukasten, jedes Element in den Explorer-Hotels ist festgelegt.

»Wir arbeiten überall eng mit lokalen Anbietern zusammen«, versicherte Jürnjakob Reisigl. Das gilt beispielsweise für Skischulen, Ausrüstungsverleiher oder Eventanbieter. Weil man viele Dienstleistungen ausgelagert hat, ist Reisigl davon überzeugt, dass die Region von der Wertschöpfung enorm profitieren werde. So gibt es im Hotel zwar Frühstück, aber man verfügt über kein eigenes Restaurant. »Explorer-Hotel-Gäste sind den ganzen Tag unterwegs. Sie kommen nach dem Sport kurz ins Hotel und sind dann schon wieder weg in ein Restaurant«, schilderte Reisigl. Er und seine Geschäftspartnerin Katja Lieveringhaus sind davon überzeugt, dass ein Explorer-Hotel »neue junge sportliche Gäste« nach Schönau am Königssee bringen würde.

Die Explorer Hotels gehören zur Oberstdorf Resort Gruppe. Zu der Gruppe, die vor 28 Jahren von Jürnjakob Reisigl, heute Vorsitzender der Geschäftsleitung, gegründet wurde, zählen inzwischen fünf Hotels, eine Berghütte, das touristische Beratungs-, Entwicklungs- und Dienstleistungsunternehmen Oberstdorf@Event GmbH sowie die Explorer Hotels Entwicklungs GmbH.

Der erste Entwurfsplan, den Bürgermeister Stefan Kurz den Gemeinderäten präsentierte, zeigte die Situierung des Hotels auf einer Fläche von rund 4 700 Quadratmetern sowie mit einer Höhe von E+2 und ausgebautem Dachgeschoss direkt im Anschluss an die bestehende Wohnsiedlung. Geklärt werden müsste laut Bürgermeister noch die Möglichkeit einer Zufahrt von der Schornstraße her und einer zusätzlichen Anlieferungszufahrt direkt an der Grenze zum Nachbargrundstück. Stefan Kurz interessierte sich freilich auch dafür, wo die Gesellschaft mit Sitz in Obersdorf im Falles eines Hotelbaues in Schönau am Königssee ihre Gewerbesteuer abführen werde. Das werde in Schönau am Königssee der Fall sein, versicherte Jürnjakob Reisigl, denn für jedes Haus werde eine eigene Objektgesellschaft vor Ort gegründet.

Weil es sich lediglich um eine erste Präsentation handelte, gab es im Gemeinderat nur geringen Diskussionsbedarf. August Stengle (CSU) machte keinen Hehl draus, dass ihm so ein modernes Hotel direkt im Anschluss an eine Siedlung im ortsüblichen Baustil nicht gefällt. Darüber hinaus werde hier wieder ein schönes Stück Wiese verbaut. Stengle legte den Investoren das ebenfalls noch nicht bebaute Carola-Grundstück ans Herz.

Beppo Maltan (Freie Wähler) lobte das »schlüssige Konzept« der Investoren, kritisierte aber die moderne Fassade, die nicht an diesen Ort passe. Auch die Position so dicht an der Siedlung gefiel Maltan nicht. »Wenn alles so, wie heute vorgestellt, sein muss, dann wird's wohl eher nichts«, prognostizierte Beppo Maltan. Darauf hofft wohl auch Nachbar Klaus Dengler, nach dessen Worten die Nachbarn nicht glücklich sind über dieses Projekt. Dengler: »Dreieinhalb Stockwerke - wie kann man das denn genehmigen, wenn es sich nicht um Innenbereich handelt?« Das ginge nach Auskunft von Bürgermeister Stefan Kurz nur über einen Bebauungsplan. Der Gemeinderat hat es also in der Hand, ob die Gemeinde Schönau am Königssee ihr erstes Design-Hotel für junge Leute bekommt. UK