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Deutliche Mehrheit für »Olympia dahoam«

Schönau am Königssee – Der Saal war voll im Gasthaus »Unterstein«, Landrat Georg Grabner und die OlympiJA-Initiative hatten zum Informationsabend geladen. Beim Endspurt kurz vor dem Bürgerentscheid (10. November) ging es noch einmal darum, die Bevölkerung zu mobilisieren, zur Wahl zu gehen. Die Olympia-Gegner blieben weiterhin verhältnismäßig ruhig. Vielleicht, weil ihnen die Argumente fehlen.

Nachwuchs- und Profisportler sprechen sich für eine Olympiade in München 2022 aus. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
Landrat Georg Grabner will die Menschen vom Konzept überzeugen.
Kletterprofi Thomas Huber unterstützt München 2022. Bei der 2018er-Bewerbung war er noch Gegner.

Schönau am Königssees Bürgermeister Stefan Kurz sagte, dass dieses Mal alles anders werde. Das sechste Mal versucht Schönau am Königssee, mit dabei zu sein bei Olympischen Spielen. »So überzeugend wie heuer war das Konzept noch nie«, weiß Kurz. Nur sechs Gegenstimmen im Kreistag. Und der Entschluss, die Bürger entscheiden zu lassen. Per Bürgerentscheid im Berchtesgadener Land, in Traunstein, in Garmisch-Partenkirchen und in der Landeshauptstadt München. Zehn Prozent aller Wahlberechtigten müssen mit »Ja« stimmen und dabei die Mehrheit bilden, damit das Quorum erfüllt wird. Im Berchtesgadener Land sind das 8 500 Wähler. Werden die zehn Prozent nicht erfüllt, weder an »Ja«- noch an »Nein«-Stimmen, entscheidet der Kreistag. »Das wird alles kein Spaziergang«, sagte Landrat Georg Grabner im Unterstein-Saal. Die Herausforderung ist und bleibt, die Bürger zum Wählen zu bewegen, aufzuraffen vom heimischen Sofa. Am 19. Oktober werden die Wahlunterlagen zugestellt.

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Bürgermeister Kurz sagte, dass bei der 2018er-Bewerbung Kritik geäußert wurde, dass etwa Ruhpolding nicht mit im Konzept verankert war. Dieses Mal ist Ruhpolding dabei, und das sei gut so, attestierte Kurz. Notwendig sei darüber hinaus, dass Inzell als Medienzentrum für bis zu 2 000 Medienvertreter fungiere. Und das Highlight: Bad Reichenhall als Medal Plaza. Dort würden dann die Medaillen, etwa jene, um die auf der Kunsteisbahn am Königssee gekämpft wird, verliehen. Kurz bekräftigte abermals, dass auf den Landkreis maximal Kosten in Höhe von 397 000 Euro zukämen.

Landrat Grabner gab im Folgenden Basisinformationen und stellte in der Kurzfassung das Konzept vor: 100 Wettkämpfe, 13 Sportstätten, 5 000 Athleten und Offizielle, 20 000 freiwillige Helfer, 10 000 Medienvertreter. 1,6 Millionen Tickets sollen verkauft werden, drei Milliarden Zuschauer werden vor den TV-Bildschirmen erwartet. Während das Budget für den Landkreis überschaubar bleibt, würde die Ausrichtung der Olympischen Winterspiele 2022 mit deutlich mehr finanziellen Mitteln zu Buche schlagen. Alle mit Olympia direkt verbundenen Kosten lägen dann bei etwa 1,5 Milliarden Euro. Gedeckt seien diese durch Einnahmen aus Ticketverkäufen, den Übertragungsrechten weltweiter TV-Stationen sowie der generellen Vermarktung der Spiele. Weitere 1,8 Milliarden Euro würden für nachhaltige Infrastruktur-Maßnahmen benötigt, davon sind 670 Millionen Euro olympiaabhängig.

Das Mitbewerber-Umfeld? Bislang ist nur Almaty in Kasachstan bestätigt. Wahrscheinliche Bewerber bislang: Barcelona (Spanien), Lviv (Ukraine), Stockholm (Schweden) und Oslo (Norwegen).

Das Olympische Dorf, so Grabner, soll in Inzell vorübergehend erstellt werden, die dortige Eislaufhalle sei für Wettbewerbe zu klein, dafür werden dort Medienvertreter unterkommen. Im Olympiastadion, das bereits 1972 für die Olympischen Sommerspiele als Eröffnungsort diente, würde auch dieses Mal, genau 50 Jahre später, die Eröffnung stattfinden. 50 000 Zuschauer würden dann erwartet. In der Chiemgau-Arena in Ruhpolding würden 23 000 Zuschauer dabei sein.

Kostenlose öffentliche Verkehrsmittel

Ein Augenmerk liege auch auf dem Verkehrskonzept. Keine der Sportstätten würde direkt mit dem eigenen Pkw angefahren werden können. Eintrittskarten-Besitzer könnten sowieso alle öffentlichen Verkehrsmittel kostenfrei nutzen, darüber hinaus gäbe es mehrere Großraumparkplätze, etwa den Bundeswehrparkplatz an der Kaserne, am Salzbergwerk oder in der Oberschönau. Dort würde ein temporärer Parkplatz geschaffen werden. »Die Wok-Weltmeisterschaft am Königssee hat gezeigt, dass ein Bus-Shuttle-Angebot gut funktioniert«, sagte Grabner.

Bei einem Zuschlag für die Olympischen Spiele könnte auch die Verkehrsinfrastruktur profitieren. Etwa die Bahnhöfe in Freilassing oder Berchtesgaden. »Diese bedürfen einer Ertüchtigung«, meinte der Landkreis-Chef. Außerdem müssten diese behindertengerecht ausgebaut werden.

Abermals ging Grabner darauf ein, dass lediglich 1 Prozent an Fläche zusätzlich benötigt und verbaut würde. 84 Prozent seien bestehende Infrastruktur oder Sportstätten, 15 Prozent temporär genutzte Flächen, die im Anschluss an die Winterspiele wieder rückgebaut würden.

»Die nachhaltigsten Spiele überhaupt«

»Das wären die nachhaltigsten Spiele überhaupt«, verdeutlichte Grabner. Für München 2022 »gibt es keine Alternative«. Vor allem hätte eine Bewerbung Impulse auf den Breitensport. Ein Leichtes, den Bürgerentscheid mit ausreichend Pro-Olympia-Stimmen zu untermauern, werde es dennoch nicht, gab Grabner zu verstehen.

Unterstützung erfuhr der Landrat von Stefan Köhl, Geschäftsführer der Berchtesgadener Land Tourismus GmbH, Petra Aicher vom Wirtschaftsforum Freilassing, Ludwig Schauer vom IHK-Gremium Berchtesgadener Land sowie Ex-Rodelsportler Alexander Resch. Für Olympia sprachen sich auch weitere namhafte Sportlerpersönlichkeiten aus, darunter Rodelolympiasieger Felix Loch, Extremkletterer Thomas Huber, Rennrodlerin Natalie Geisenberger sowie der 18-jährige Biathlet Niklas Homberg, der bei den ersten Olympischen Jugend-Winterspielen im vergangenen Dezember zwei Goldmedaillen einheimste. »Sollten die Winterspiele in München ausgetragen werden, bin ich gerade mal 27 Jahre alt und im besten Alter«, sagte er. Thomas Huber, der bei der München-Bewerbung 2018 noch gegen die Spiele war, ist nun auch mit im Boot, die Bewerbung sei hervorragend. Aber: »Mich würde es voll ankotzen, wenn viele Flächen verbaut würden.« In Richtung des Landrats scherzte er: »Ich hoffe, ihr steht zu eurem Wort – ansonsten reiße ich euch den Kopf ab.«

Olympisches Dorf Inzell

Bei der anschließenden Diskussion blieb es verhältnismäßig ruhig. Eine Dame im Publikum fragte, wo denn die Sportler und Medienvertreter alle unterkommen könnten. Stefan Köhl versicherte, dass das möglich sei, immerhin werde in Inzell ein Olympisches Dorf gebaut und auch ansonsten seien ausreichend Betten vorhanden.

Ob denn alles teurer würde, wenn die Olympischen Spiele nach München kämen, war eine weitere Frage in Richtung Landrat Grabner. Natürlich gebe es Negativbeispiele, sagte dieser, doch habe er keine Befürchtung einer Preissteigerung. »Studien über die Teuerungsrate entziehen sich meiner Kenntnis.« Dass im Berchtesgadener Land irgendwann Preise wie in München existierten, hält Thomas Birner von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Berchtesgadener Land für ausgeschlossen: »München ist Metropolregion, eine attraktive Stadt.« Mit dem Landkreis sei dies kaum zu vergleichen. Kilian Pfeiffer