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Dicke Luft in der Millionen-Mensa

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Seit Monaten ist die Schulmensa am Gymnasium Berchtesgaden geschlossen. Die Schüler essen in der Aula. Nachdem nun Eltern an die Öffentlichkeit gingen, muss nun alles ganz schnell gehen. Bürgermeister Franz Rasp möchte am Montag um 18 Uhr das Thema Mensa öffentlich im Hauptausschuss besprechen. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Berchtesgaden – Über 1,3 Millionen Euro teuer, ein Eintrag im Schwarzbuch für Steuerverschwendung und nun auch noch eine Küche, in der man wegen einer defekten Abzugsanlage nicht richtig kochen kann: Berchtesgadens Mensa macht Schlagzeilen. Seit Monaten müssen die Schüler im Gymnasium Berchtesgaden in der Aula ihr Mittagessen zu sich nehmen. Jetzt müsse endlich nachgebessert werden, mahnt Marktbaumeister Peter Hasenknopf, nachdem nun auch Eltern an die Öffentlichkeit gegangen sind. »Die Kinder rochen nach Essen«, berichtete eine Mutter gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«.


Mit viel Tamtam fand der Spatenstich für die Mensa im Juni 2009 statt. Mit dabei damals: Berchtesgadens Bürgermeister Franz Rasp, der damalige Direktor des Gymnasiums, Otto Kamplade, und der Landratsstellvertreter Rudolf Schaupp. Dass der Anbau, der teilweise aus Geldern zur Förderung der Konjunktur finanziert wurde, noch für derartig viele Schlagzeilen sorgen sollte, damit hatte damals niemand gerechnet. Und in der Tat: Die Kosten, die anfangs schon mit über 1 Million Euro veranschlagt waren, schnellten in die Höhe. Am Schluss lag man bei über 1,3 Millionen Euro für eine Mensa mit Platz für 60 Kinder, die aber wegen des achtstufigen Gymnasiums nötig geworden war, wie Gemeindechef Rasp damals erklärte. Die Gemeinde finanzierte das Projekt vor, später übernahm dann unter anderem der Freistaat Bayern die Kosten. Für den Bund der Steuerzahler Grund genug, den Essenstempel in das Schwarzbuch aufzunehmen, das einmal im Jahr veröffentlicht wird.

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Und heute? Da bleibt die Mensa einfach geschlossen, die Abzugsanlage sei defekt, heißt es von mehreren Seiten, von einer »Fehlplanung« ist die Rede – seit Anfang des Schuljahres essen die Schüler des Gymnasiums in der Aula. Der Direktor des Gymnasiums, Andreas Schöberl, möchte sich zur Causa nicht äußern. In diesen »Streit« mische er sich nicht ein, sagte er gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Eine Mutter ist da anderer Meinung: Ihr Kind soll nicht mehr müffeln, sagt sie. Die defekte Lüftung habe aber genau dafür gesorgt: Die Klamotten riechen nach Fett.

Im Elternbeirat weiß man offiziell nichts über Beschwerden von Seiten der Eltern, sagt die Vorsitzende, über das Problem an sich wisse man aber seit längerem Bescheid. Auch der neue Marktbaumeister Peter Hasenknopf, seit September im Amt, hat den Braten gerochen und möchte das Problem beheben. »Die Lüftung funktioniert doch schon seit drei Jahren nicht«, sagt er. Nur sei damals noch nicht richtig gekocht worden, der Mangel fiel erst gar nicht auf. Angeblich auch nicht nach der Bauabnahme vor knapp vier Jahren.

Der Markt Berchtesgaden hat mittlerweile einen Gutachter eingeschaltet, der die Technik der Mensa in Augenschein nehmen soll. Für die Gemeindeverwaltung ist klar, wer die Schuld trägt. »Der Planer muss nachbessern«, meint der Marktbaumeister, der diesem eine Frist bis Freitag gesetzt hat. »Erhebliche Mängel« seien gefunden worden. Bis dahin muss der Planer Ergebnisse liefern – einen Sanierungsvorschlag einbringen und sagen, wie das technische Problem dauerhaft aus der Welt geschafft werden kann. Die Kosten? »Fünfstellig«, meint Hasenknopf. Er zeigt sich zuversichtlich, dass bis Ende der Woche die Lösung auf dem Tisch liegt. »Auf die Gemeinde kommen zu 100 Prozent keine Kosten zu«, beschwört indes Geschäftsleiter Anton Kurz.

Die Lösung muss fertig werden, denn bereits am Montag hat Bürgermeister Franz Rasp die Mensa-Geschichte auf die Tagesordnung des Hauptausschusses gehievt. Dort soll dann der weitere »Fahrplan« vorgestellt werden, um den Mangel zu beheben. Das möchte auch der Marktbaumeister: und zwar »schnellstmöglich«. Kilian Pfeiffer

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