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»Die Alpenkonvention mit Leben erfüllen«

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Bürgermeister Herbert Gschoßmann mit Umweltministerin Ulrike Scharf, Wirtschaftsministerin Ilse Aigner und DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig (v.l.) bei der Siegelverleihung nach Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung. (Fotos: Mergenthal)
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Konditormeister Anton Sandholz junior kreierte diese »Ramsauer Bergsteigertorte« mit Stracciatella und Müslibiskuit.
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DAV-Projektleiter Tobias Hipp (l.) überreichte die Bergsteigerdorf-Gütesiegel an die Ramsauer Partnerbetriebe, hier an Hannes Lichtmannegger (r.) vom »Berghotel Rehlegg«.
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Landrat Georg Grabner (l.) beim »Eselwandern« am Toten Mann mit Helmut Stutz.

Ramsau – »Die Liebe zur Heimat ist Selbstbeherrschung in der Lebensführung« – diese Worte des griechischen Philosophen Platon vor mehr als 2 000 Jahren passen für den Ramsauer Bürgermeister Herbert Gschoßmann im Kern gut zu einem Bergsteigerdorf. Als erstes deutsches Dorf wurde die Nationalparkgemeinde am Mittwoch offiziell mit diesem Gütesiegel des Deutschen Alpenvereins (DAV) ausgezeichnet. Zur Siegelverleihung im »Berghotel Rehlegg« kamen etwa 90 Gäste, darunter auch die bayerischen Ministerinnen Ulrike Scharf (Umwelt) und Ilse Aigner (Wirtschaft).


Damit erweitert Ramsau den Kreis der bisher 20 österreichischen Bergsteigerdörfer des ÖAV um ein erstes DAV-Bergsteigerdorf. Weitere Dörfer in Bayern sind geplant. »Ich komme mir vor wie ein Hochzeitslader«, scherzte Hanspeter Mair, zuständiger DAV-Geschäftsbereichsleiter, der den von Musikanten der Ramsauer Musikkapelle umrahmten Festakt moderierte.

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»Es freut uns natürlich, dass das Thema 'Sanfter Tourismus und Naturschutz' doch einen so hohen Stellenwert hat«, sagte DAV-Vizepräsident Ludwig Wucherpfennig. Von den deutschen Sektionen mit Arbeitsgebieten in Österreich seien immer wieder begeisternde Rückmeldungen über die besondere Initiative Bergsteigerdörfer des ÖAV gekommen. Diese zeigten in »überwältigender Geschlossenheit« auf: »Es geht auch anders.« Es gehe auch ohne die »Bespaßung am Berg«. Je größer dieses Netzwerk an Vorzeigegemeinden ist, desto größer sei auch das Potenzial, alternative Wege einzuschlagen und so alpine Natur und Kultur zu bewahren.

Die Bergsteigerdörfer förderten naturverträglichen Bergsport, ein Hauptziel auch des DAV, und übertrage »die Protokolle der Alpenkonvention in die Praxis«, betonte Wucherpfennig. »Auch wir wollen zeigen, dass es zum Genuss nicht viel mehr braucht als die Natur, ganz ohne Geschmacksverstärker«, so der Vizepräsident.

Stolz erläuterte der Ramsauer Bürgermeister Herbert Gschoßmann, dass die Ziele der »Alpenkonvention«, ein völkerrechtlicher Vertrag über den umfassenden Schutz und die nachhaltige Entwicklung der Alpen, in Ramsau »schon immer gelebt« wurden. Bei der ersten Alpenkonferenz 1989 in Berchtesgaden hätten die Alpenstaaten und die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft die sogenannte »Berchtesgadener Resolution« verabschiedet. Ein Vierteljahrhundert später hätten beim Bestreben, ein Bergsteigerdorf zu werden, viele der damals festgelegten Ziele eine wichtige Rolle gespielt.

Für Gschoßmann ist das Siegel mehr als ein Titel. Der Gemeinderat und die knapp 2 000 Ramsauer Bürgerinnen und Bürger hätten sich entschieden, nicht nur die Chancen der Gegenwart zu nutzen, sondern auch der Verantwortung früherer und künftiger Generationen gegenüber gerecht zu werden, »nämlich unser natürliches System so zu nutzen, dass es in seinen wesentlichen Charakteristika langfristig erhalten bleibt«.

Dass die Bevölkerung so dahinter steht, sehen Umweltministerin Ulrike Scharf und Markus Reiterer, Generalsekretär der Alpenkonvention, als Voraussetzung für einen nachhaltigen Erfolg. »Die Bergsteigerdörfer haben heute Grenzen überschritten«, betonte Reiterer angesichts der wieder eingeführten Grenzkontrollen. Sie hätten nicht nur die Landesgrenze überwunden, sondern auch das, was man früher als sinnvoll betrachtet habe. Der Trend geht für Scharf zum die Saison verlängernden »authentischen Naturerlebnis«, wo Ramsau mit dem Nationalpark und der Biosphärenregion gute Partner habe. Sie würdigte den »Beitrag zur Bewahrung der Schöpfung« durch die Bergsteigerdörfer und wanderte anschließend mit den Ehrengästen mit auf den »Toten Mann«.

Wirtschaftsministerin Ilse Aigner begrüßte, dass das Siegel das Profil Bayerns beim Wandern und Bergsteigen – wichtige Wirtschaftsfaktoren – und regionale Wirtschaftskreisläufe stärkt. In Ramsau, ein Ort mit 394 Wandervorschlägen im Internetportal »Bergfex«, gehöre das Bergsteigen »zum genetischen Fingerabdruck«. Sie nannte außerdem die Qualitäten des Ortes wie höchste Bergführerdichte Deutschlands, Bergkurgarten, Kneippanlage, die vielen Vital-Natur-Erlebnis-Gastgeber oder den Zauberwald, »Bayerns schönstes Geotop«. Hier werde der Geist der Alpenkonvention »wirklich mit Leben erfüllt«. Als Facetten gelebter Nachhaltigkeit führte sie Themen wie die Ressourceneinsparung in der Hotellerie oder die Nutzung regionaler Produkte an.

Es gibt unzählige weitere Ideen: So kreierte Konditormeister Anton Sandholz jun. eine »Ramsauer Bergsteigertorte« mit Stracciatella von der weißen Schokolade und Müslibiskuit, während Tourismuschef Fritz Rasp als Dienstwagen ein Elektroauto mit selbst entworfenem Logo mit dem Slogan »100 % Emotion, 0 % Emission« fährt. Und Helmut Stutz, der mit zwei Eseln auf den Toten Mann mitging, lädt auf Eseltouren zur Entschleunigung ein.

An Gschoßmann überreichte Aigner einen Rucksack mit einem Maßnahmenpaket zur Bewerbung des Ortes im Wert von 10 000 Euro. Die bisherigen Projektkosten trug der DAV. Veronika Mergenthal