weather-image
19°

Die beiden Feuerwehren bleiben an zwei Standorten

3.4
3.4
Bildtext einblenden
Die Freiwillige Feuerwehr Königssee wird in einem eigenen Gebäude bleiben. Nun beginnt in der Umgebung des bestehenden Gerätehauses die Suche nach einem neuen Standort. (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – In der Gemeinde Schönau am Königssee wird es auch weiterhin zwei Feuerwehrgerätehäuser geben. Das beschloss der Gemeinderat am Dienstag einstimmig. Ein mit einer Untersuchung beauftragtes Ingenieurbüro hatte nämlich festgestellt, dass der Brandschutz bei einer Zusammenlegung der beiden Wehren unter ein Dach in großen Teilen der Gemeinde nicht mehr gewährleistet sei.


Nachdem das Thema Feuerwehrbedarfsplan und die damit verbundene Entscheidung über eine mögliche Zusammenlegung der beiden Wehren an einen Standort eineinhalb Jahre lang nicht-öffentlich diskutiert worden war, gingen die Lokalpolitiker am Dienstag mit ihren Ideen erstmals an die Öffentlichkeit. Über 50 Feuerwehrkräfte von Schönauer und Königsseer Wehr verfolgten die Debatte, die wegen des Zuschaueransturms in den Vortragssaal verlegt worden war.

Anzeige

Statt Feuerwehrboot Kooperation mit Wasserwacht

Lange war man sich in den vergangenen Monaten über den Feuerwehrbedarfsplan und seine Auswirkungen nicht einig geworden. Weil Bürgermeister Hannes Rasp bei diesem ernsten Thema keine Kampfabstimmung wollte, gab man beim Ingenieurbüro IGB von Thomas Keller in Heilsbronn eine Untersuchung in Auftrag. Keller sollte ermitteln, ob bei einer Zusammenlegung der beiden Wehren an einem zentralen Standort auf dem Wölflerfeld der Brandschutz in der Gemeinde noch gewährleistet ist. Immerhin, und das war der Hintergedanke, könnten bei einer Zusammenlegung Kosten gespart und die Zusammenarbeit gefördert werden.

Bei den Untersuchungen zur aktuellen Situation kam erst einmal heraus, dass die Feuergefährdung in der Gemeinde »durchschnittlich« ist. Nur in einigen Gemeindeteilen, die weit von den bestehenden Feuerwehrgerätehäusern entfernt sind, kann derzeit die Hilfsfrist von zehn Minuten nicht eingehalten werden. Teilweise ist bei Bränden der Einsatz der Drehleiter erforderlich, die bei der Freiwilligen Feuerwehr Berchtesgaden vorgehalten wird. Der Gutachter schlägt vor, bei entsprechenden Gebäuden, die außerhalb der Hilfsfrist liegen, auf die Anlegung eines zweiten Rettungswegs zu achten. Für eine Brandbekämpfung in St. Bartholomä hält der Gutachter die Anschaffung eines Feuerwehrbootes für erforderlich. Das will die Gemeinde aber umgehen, indem mit der Wasserwacht eine Zweckvereinbarung zur gemeinsamen Nutzung des Wasserwachtbootes abgeschlossen wird.

Schon in der Untersuchung zum Feuerwehrbedarfsplan stellte das Ingenieurbüro fest, dass die Gemeinde zwei Feuerwehrgerätehäuser brauche, um auch die Randgebiete versorgen zu können. Außerdem sei das Königsseer Gerätehaus nicht mehr auf dem Stand der Zeit, die Regeln zur Unfallverhütung würden dort nicht mehr eingehalten.

»Verschlechterung der Hilfsfrist nicht akzeptabel«

Schließlich hatte das Ingenieurbüro auf Wunsch des Gemeinderats untersucht, wie sich eine Zusammenlegung der beiden Wehren unter einem Dach auf dem Wölflerfeld auf den Brandschutz in der Gemeinde auswirken würde. Laut Bürgermeister Hannes Rasp wären dann große Teile der Gemeinde nicht mehr innerhalb der zehnminütigen Hilfsfrist zu erreichen: Triftplatz, Heizkraftwerk, Mentensiedlung, Duftgütl, der Bereich Schneiderlehen mit dem Schullandheim Schapbachhof, Vorderbrandstraße und Richard-Voß-Straße. »Der Brandschutz ist am besten mit den aktuellen Feuerwehrstandorten gewährleistet, alle Alternativen verschlechtern die Situation deutlich«, fasste der Bürgermeister das Ergebnis der Untersuchung zusammen.

Das sah auch Kreisbrandrat Josef Kaltner, der an der Sitzung teilnahm, so: »Die Schaffung eines zentralen Feuerwehrgerätehauses ist kritisch zu sehen. Eine Verschlechterung der Hilfsfrist ist nicht akzeptabel.« Eine ähnliche Stellungnahme kam vom Bayerischen Gemeindetag, der ebenfalls von einer Verschlechterung des Brandschutzes abriet, weil bei einer Zusammenlegung 700 Personen inklusive viele, viele Übernachtungsgäste nicht mehr innerhalb der Hilfsfrist zu erreichen seien. Darüber hinaus seien Schadenersatzforderungen an die Gemeinde nicht ausgeschlossen, wenn ein Bauherr einen zweiten Rettungsweg schaffen muss, weil sein Haus nicht innerhalb der Hilfsfrist liegt.

»Zusammenarbeit der Wehren besser als dargestellt«

»Das Ergebnis war zu erwarten, wenn auch nicht so deutlich«, sagte Franz Graßl (CSU), Vorstand der Königsseer Wehr. Mit zwei Wehren in der Gemeinde sei man gut aufgestellt, man sollte sie auch erhalten. »Und die Zusammenarbeit der beiden Wehren ist viel besser, als sie in der Öffentlichkeit oft dargestellt wird«, betonte Graßl.

Das sah grundsätzlich auch Beppo Maltan (Freie Wähler) so. Allerdings forderte er, dass zwischen den beiden Wehren auch künftig keine Konkurrenz entstehen dürfe. Erstaunt hatte ihn nämlich die Ankündigung einiger Aktiver, dass sie aus der Wehr austreten würden, wenn es zu einer Zusammenlegung käme. Außerdem, so Maltan, sei mit dem Beschluss zugunsten zweier Feuerwehrhäuser noch nichts über die in den Häusern anstehenden Investitionen gesagt. Darüber werde man noch ausführlich reden müssen. Vorsorglich ließ auch Johann Hölzl (Freie Wähler), Vorstand der Schönauer Wehr, seine Gemeinderatskollegen schon einmal wissen, dass auch das Schönauer Gerätehaus teilweise nicht mehr den Vorschriften entspreche.

»Zwei Feuerwehren als organisatorische Einheit an zwei verschiedenen Standorten« – so lautete schließlich das einstimmige Bekenntnis des Gemeinderats. Damit haben sich die Lokalpolitiker aber gleich selbst eine neue Aufgabe geschaffen: die Suche nach einem Standort für den Neubau eines Feuerwehrgerätehauses in Königssee. Das muss wegen der optimalen Lage möglichst nahe am gegenwärtigen Standort sein.

Entschieden wurde am Dienstag auch über die Fahrzeugausstattung der beiden Wehren. Nach dem Feuerwehrbedarfsplan sind mindestens zwei Fahrzeuge in jeder Wehr vorgesehen. Bei Ersatzanschaffungen in den nächsten Jahren sollen diese durch geeignete Fahrzeuge ersetzt werden. »Ich habe aber schon immer gesagt, dass in der Schönau zwei Fahrzeuge zu wenig sind«, betonte Bürgermeister Hannes Rasp. Deshalb will man hier ein drittes Fahrzeug anschaffen, das vor allem auch überörtlich Sinn macht und auch anderen Feuerwehren dienlich sein kann. Darüber hinaus soll für die Feuerwehr Königssee zusätzlich ein Mannschaftswagen in den Bedarfsplan aufgenommen werden. Man war sich auch hier einig. Ulli Kastner