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Die »Berge-Omi« wird 100

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Gerda Mudlagk – hier mit Tochter Marliese Reichert – feiert heute im Seniorenzentrum »Insula« ihren 100. Geburtstag. (Foto: Berwanger)

Bischofswiesen – Vom Ururenkel mit gerade drei Monaten über die beiden Ur-Enkelkinder und drei Enkelsöhne bis zu Tochter und Sohn sind alle dabei, wenn Gerda Mudlagk heute im Seniorenzentrum »Insula« einen ganz besonderen Geburtstag feiert: Die gebürtige Berlinerin wird 100 Jahre alt. Rund 25 Familienmitglieder aus fünf Generationen sind zu diesem Ehrentag ins Berchtesgadener Land gefahren, um ihn mit der Jubilarin gebührend zu begehen.


Und es kommen heute neben Bürgermeister Thomas Weber sicher noch viele andere Gäste, um der betagten Dame ihre Aufwartung zu machen und ihr zum 100. Geburtstag zu gratulieren. »Meine Mutter ist in der Insula bekannt wie ein bunter Hund«, sagt Marlise Reichert, »sie ist den ganzen Tag in ihrem Rollstuhl unterwegs und nimmt hier gerne alle Beschäftigungsangebote wahr.«

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Die 76-Jährige fährt vier- bis fünf Mal im Jahr von Wiesbaden nach Bischofswiesen, um ihre Mutter zu besuchen. »Sie wollte unbedingt hier leben«, erinnert sie sich. Seit Oktober 2000 genieße Gerda Mudlagk nun ihren Wunschalterssitz. Das Berchtesgadener Land kennt die Familie aus der Nachkriegszeit, damals wohnte sie in Laufen. Trotz des beruflich bedingten Umzugs nach Hessen sei dem Vater die Liebe zu den Bergen geblieben, erzählt Marliese Reichert. Mit einer Ferienwohnung in Bischofswiesen habe er sich seinen Traum erfüllt, später seien die Eltern nach Winkl gezogen.

Seine Witwe hat im Seniorenzentrum »Insula« gefunden, was sie braucht. Dass sie ihrer Leidenschaft fürs Lesen und Stricken wegen der nachlassenden Sehkraft nicht mehr nachgehen kann, stört sie nicht. Im Haus gibt es genügend Abwechslung und Gerda Mudlagk ist immer neugierig, was so alles passiert. »Ich sorge dafür, dass das Gehirn immer wieder Nachschub bekommt«, sagt sie schmunzelnd. Und stellt dann fest: »Ich bin mit mir zufrieden, es geht alles noch, es ist wichtig, dass man mit sich zufrieden ist.«

Auf die Frage, was sie denn alles dafür tue, noch so gut beieinander zu sein, sagt die alte Dame spontan: »Das verrate ich nicht.« Und lächelt schelmisch. Nur so viel: »Man darf sich selbst nicht vergessen.« Bis ihr Mann erst Jahre nach Kriegsende aus der Gefangenschaft zurückkam, habe sie allein für die Kinder und später für die ganze Familie gesorgt, aber immer auch für sich. An ihrem Ehrentag kann sich Gerda Mudlagk von ihrer Familie umsorgen lassen, denn schneller müde als früher wird die auch »Berge-Omi« genannte 100-Jährige verständlicherweise schon. Ina Berwanger