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Die Boandlkramer vom Hoamatbladl

3.6
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Berchtesgaden Halloween
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Kaffee und Kuchen mit Kirchenvertretern: Von Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob und Verwaltungsleiter Michael Koller wurden die Anzeiger«-Gestalten überaus freundlich empfangen. (Fotos: Wechslinger)
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Halloweenstimmung im China-Restaurant »He Ping«. Im Hintergrund steht Hexe Dirk.
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Saures statt Süßes: Von Ordnungsamtsleiterin Elke Lanzendörfer gab es ein Glas Essiggurken. (Foto: Wechslinger)
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Der perfekte Halloween-Tag: Erst den »Anzeiger« lesen und dann ab zur Party. (Foto: Fischer)
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Gelassen trotz »Gehirnzermantscher«: Marktkämmerer Richard Beer. (Foto: Wechslinger)

Berchtesgaden – Dieser »Brauch« scheidet die Geister. Die einen hassen Halloween. Dieses kitschige Amizeug gehört nicht hierher, sagen sie. Die anderen lieben den Gruselspaß. Vor allem Kinder. Denn die können am 31. Oktober, dem eigentlichen Reformationstag, ordentlich Schleckereien abstauben. Der »Berchtesgadener Anzeiger« wollte wissen, wie die Berchtesgadener auf Halloween-Gestalten im Markt reagieren. Volontärin Lena Klein und Redakteur Christian Fischer machten sich deshalb verkleidet auf den Weg.


Der Markt ist am Mittwochnachmittag wie ausgestorben. Der Geist und das Skelett werden höflich ignoriert. Ein paar Urlauberkinder freuen sich verhalten. Richtig begeistert ist nur ein älteres Touristenehepaar. Opi zückt sofort den Fotoapparat und Omi am Rollator ruft ganz laut »Huhu, huhu«. Sehr schön.

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Weiter geht's zum Rathaus. Wer sich jeden Tag mit Paragrafen und Verordnungen beschäftigt, ist das Grauen gewohnt. Doch auch da drinnen ist es totenstill und dunkel. Heidi Plenk im Vorzimmer des Bürgermeisters winkt sofort ab: »Bürgermeister nicht da, Geschäftsführer und Marktbaumeister auch nicht«, sagt sie knapp. »Aber Elke Lanzendörfer erwartet Sie schon.« Super. Wo wäre ein Halloweenstreich besser aufgehoben als im Ordnungsamt?

Klopfklopf. Elke Lanzendörfer lacht schon, als die beiden »Anzeiger«-Gestalten die Tür öffnen. »Süßes oder Saures«, wispert die Volontärin. Da gibt die Ordnungsamtsleiterin den Beiden Saures. Und zwar ein Glas Essiggurken. Echt lustig. Im »Halloweenterview« erzählt sie dann, dass dieser moderne Brauch im Talkessel kaum gelebt wird. Sollten Halloween-Kinder an ihre Tür klopfen, dann würde sie ihnen empfehlen, zum Klöcklsingen wiederzukommen.

Mit Halloween kann Friedhofsverwalter Johann Hallinger gar nichts anfangen. Auch der Spruch »Süßes oder Saures« sagt ihm nichts. Ab ins nächste Büro zu Stephanie Aschauer vom Standesamt. Die ist richtig gut drauf. Sie bietet den »Anzeiger«-Geistern sogar an, bei der nächsten Trauung dabei zu sein. Nein, danke. Das Eheleben wird dann gruselig genug.

Wer sich mit den okkulten Geheimbräuchen der Kameralistik beschäftigt, hat vor nichts Angst. Dementsprechend gelassen gab sich Kämmerer Richard Beer. Der hatte nichts Süßes, deshalb bekam er Saures. Und zwar ein »Gehirnzermantscher«-Bonbon. »Ich gehe bald in Pension, dann brauche ich mein Hirn nicht mehr«, sagte Beer. Den Horror-Drop würgte er runter wie nichts und lächelte dabei. Sehr tapfer.

Ein Halloween-Besuch bei der katholischen Kirche? Die »Anzeiger«-Gesandten wagten den Versuch und schauten beim Pfarrheim St. Andreas vorbei. Schauder. Schlotter. Doch siehe da: Ein überaus freundlicher Verwaltungsleiter Michael Koller öffnet die Tür. Und was sagt er auf die Frage »Süßes oder Saures?« Er lädt die Halloween-Journalisten zu Kaffee und Kuchen ein. Es gibt einen köstlichen Apfel-Mandelkuchen von Uschi Köttig. Koller kann als überzeugter Berchtesgadener mit dem Gruselbrauch weder als Vertreter der Kirche, noch als Vorsitzender der Untersalzberger Weihnachtsschützen etwas anfangen. »Ich bin froh, dass zu mir keine verkleideten Kinder kommen«, sagt er offen. Folglich geht er am Abend auch nicht auf eine Halloween-Party, sondern zum Stammtisch.

Nun gesellt sich auch Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob zur Gruseltruppe. Er stellt klar, dass Toleranz auch an Halloween geboten sei. Was übrigens die offizielle Haltung der Katholischen Kirche in Deutschland ist. Nachzulesen im Intranet namens »Arbeo«, wie Frauenlob verrät. Dennoch sagt er lachend: »Solange ich nicht belästigt werde, habe ich nichts gegen Halloween«. Obwohl es reichlich Süßes gibt, wagt sich der Pfarrer an den »Gehirnzermantscher«. Dessen Wirkung beschreibt er als »enttäuschend schwach«.

Auf dem Rückweg zur Redaktion fällt den »Anzeiger«-Gestalten die aufwendige Halloween-Deko im China-Restaurant »He Ping« am Rathausplatz auf. Fünf Tage lang haben sie dekoriert, sagt die Chefin. Hingucker Nummer eins ist eine lebensgroße Hexe namens Dirk. Mit Halloween kann die Inhaberin nur sehr wenig anfangen. »Wir machen das für unsere Gäste, vor allem für die Kinder«, sagt sie. Christian Fischer