weather-image
19°
Josef Resch ist seit 25 Jahren Marktmeister am Schellenberger Kirtag

»Die fünfte Jahreszeit in Schellenberg«

Marktmeister Josef Resch mit seiner Nachfolgerin Vroni Springl beim Einteilen der Standplätze. (Foto: Ernst)

Marktschellenberg – Der traditionelle Schellenberger Kirtag ist heuer vom 7. bis zum 10. Juli. Vier Tage lang Bierzeltbetrieb, Verkaufsstände und Vergnügungspark.


Dafür, dass auch jeder Standbetreiber seinen Platz bekommt, sorgt seit 25 Jahren Josef Resch. Ende des Jahres geht er in Pension und ist damit zum letzten Mal als Marktmeister im Einsatz.

Anzeige

Seit Dezember 1991 ist Josef Resch im Ordnungsamt von Marktschellenberg tätig. Eine Stelle, die auch ein besonderes Amt beinhaltet – das des Marktmeisters für den Schellenberger Kirtag. Als solcher ist Resch für die Vergabe der Standplätze, die richtige Mischung des Warenangebots und die zu erhebenden Gebühren zuständig.

Richtig los geht es mit seiner Arbeit bereits im März. Mitte des Monats müssen die Zusagen für die Standplatz-Bewerbungen rausgeschickt werden. Damit die Besucher am Markt nicht nur Geldbörsen oder T-Shirts kaufen können, ist es wichtig, dass Resch vorab auf die richtige Mischung achtet, vom Knopf bis zum Kinderspielzeug. Viele der Standbetreiber kommen schon seit Jahrzehnten und sind für ihn nicht nur Namen auf einer Liste. Wenn einer von ihnen die Bewerbungsfrist zu versäumen droht, drückt der Marktmeister schon mal ein Auge zu oder fragt persönlich nach, ob sie wieder kommen wollen.

Sind die Zusagen rausgeschickt, geht es für Resch an die Einteilung der Standplätze. »Wichtig ist, zu schauen, dass nicht zwei mit den gleichen Waren nebeneinander stehen«, erklärt Resch. Und dass die, die schon seit Jahrzehnten dabei sind, immer »ihren« Platz bekommen. »Wenn ein Stand seit Jahren da ist, wissen die Besucher auf den Meter genau, wo er immer steht und suchen auch nur da nach ihm.« Das habe ihm in seiner Anfangszeit auch einer der Standbetreiber schon nachdrücklich erklärt, als dieser seinen Platz mit einem anderen tauschen sollte.

Vor Beginn des Kirtags werden die Stände genau ausgemessen und markiert. Ein Taferl mit dem Namen und der Angabe, wie viele Meter zum Standplatz gehören, zeigt den Ausstellern wo sie hinmüssen. Insgesamt 620 Laufmeter hat Resch heuer an über 100 Stände vergeben.

Bevor es am Kirtag mit dem Markt richtig losgeht, ist der Marktmeister am Sonntag ab 6 Uhr früh noch einmal mit seiner Liste unterwegs. Um die Verwaltungsgebühr von denen einzutreiben, die nicht vorab überwiesen haben. Dass er dabei nicht immer auf Begeisterung stößt, ist Resch gewöhnt. Sprüche wie »jetzt kommt ihr schon zum Kassieren und wir haben noch nicht mal Umsatz gemacht« sind für ihn nichts Neues. »Die Marktfahrer sind besondere Leute. Gute Leute, aber eben irgendwo auch Händler«, erzählt Resch. Und die versuchen schon mal, über den Preis für ihren Standplatz zu verhandeln.

Bis zum späten Vormittag ist Resch noch am Marktplatz unterwegs, hilft denen, die ihren Platz nicht gefunden haben oder verteilt Kurzentschlossene, die nicht angemeldet waren, auf leere Stellplätze. Denn es gibt auch immer welche, die nicht kommen. Aber danach »läuft's quasi von selbst«.

Das Besondere am Schellenberger Kirtag, »der fünften Jahreszeit in Schellenberg«, ist für Josef Resch die Jahrmarktstimmung. »Es ist nicht wie wenn man in ein Geschäft geht oder im Internet etwas bestellt. Man kann durchgehen und sich alles ansehen. Beim Kirtag ist außerdem der ganze Talkessel auf den Beinen und man trifft Leute, die man oft nur einmal im Jahr sieht. Hier gibt es sonst nichts Vergleichbares.«

Gerade deshalb sei es wichtig, dass die Leute nicht nur kommen und etwas essen oder trinken, sondern auch an den Marktständen einkaufen. Oft habe man ihm schon erzählt, dass Leute an einen Stand kommen, sich die Waren anschauen und dann den Produktcode abfotografieren. »Dann schauen sie, ob sie die Waren im Internet billiger bekommen. Aber der Markt kann nur weiter bestehen, wenn auch etwas verkauft wird.«

Dafür sorgen können Einheimische und Besucher wieder am kommenden Sonntag und Montag, 9. und 10. Juli, wenn über 100 Markthändler an den von Josef Resch zugewiesenen Plätzen stehen. Der Marktmeister ist bereits bei den letzen Vorbereitungen und freut sich darauf, am Kirtag wieder die unmittelbaren Ergebnisse seiner Arbeit, die er immer als interessant und fordernd betrachtet hat, zu sehen. »Auf das Wochenende hin überlegt man schon, ob alles gut geht. Aber bisher gab es noch nie unlösbare Probleme.«

Am 11. Juli heißt es dann wieder »nach dem Markt ist vor dem Markt«, denn meist hatte Resch schon zwei Tage nach dem Kirtag wieder die ersten Anmeldungen fürs nächste Jahr auf dem Tisch. Die kann er diesmal aber beruhigt an seine Nachfolgerin Vroni Springl weitergeben. Ab dem kommenden Jahr übernimmt sie das Amt des Marktmeisters. Alexandra Rothenbuchner