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Die Fußball-Begeisterung flattert im Fahrtwind

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Die Bewohner in der Dr. Imhof-Straße scheinen ein Endspiel zwischen der Schweiz und Deutschland zu erwarten. (Fotos: Wechslinger)
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Die Präsenz deutscher Fahnen auf den Autos hält sich noch in Grenzen. Es ist aber gut möglich, dass es nach dem erwarteten Sieg gegen Schweden wieder zu einem Fahnenmeer und vielen Autocorsos kommt.

Berchtesgaden – Heute um 20 Uhr spielt die deutsche Fußball-Nationalmannschaft im zweiten Gruppenspiel der WM gegen Schweden schon um alles oder nichts. Die Berchtesgadener fiebern mit – auch wenn sich die Beflaggung mit Fähnchen an den Autos und an anderen Stellen noch in Grenzen hält.


In der hiesigen Bevölkerung sind zwei interessante Phänomene auszumachen. Das eine ist das offensichtliche Desinteresse – oder ist es bloß ein Abwarten auf Besserung? Das andere ist ein fast grenzenloser Optimismus, wenn es um Prognosen für das Schwedenspiel geht. Nahezu einhellig sind die meisten Befragten der Ansicht, dass Deutschland die schwedische Mannschaft besiegt. Dabei zeigte auch wieder die zweite Spielrunde, welch große Probleme die früheren Seriensieger und vermeintlich übermächtigen Nationen im Kampf gegen die unbedeutenderen Fußballnationen haben. Bis auf wenige Ausnahmen hatten alle Favoriten so ihre Probleme mit den »Nobodys«. Stark in Grenzen hält sich bisher die Beflaggung der Fahrzeuge. Waren in den letzten Jahren wahre Fahnenmeere zu sehen, so fallen nur ganz wenige Autos auf, die deutsche Fahnen schmücken. Aber das kann sich ab dem Samstagabend ja schnell wieder ändern.

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»Ich bekenne mich zu unserer Mannschaft«

Marina Reichenberger ist eine von wenigen Berchtesgadenerinnen, die ihr Auto bereits mit zwei WM-Fahnen in den Farben »Schwarz-Rot-Gold« geschmückt hat. »Ich bin eine Patriotin und bekenne mich zu unserer Mannschaft und unserer Nation. Einmal Deutschland, immer Deutschland. Ich habe nicht nur auf dem Auto zwei Fahnen, auch daheim ist bereits eine aufgezogen.« Trotzdem wundert sich auch Marina Reichenberger darüber, dass sich die Begeisterung allgemein und schon vor dem Mexiko-Spiel in Grenzen gehalten hat. »Ich bin echt gespannt, ob sich das bis zu unserem Spiel heute gegen Schweden noch ändert und was passiert, wenn unsere Mannschaft, wie ich ganz stark erwarte, gewinnt. Denn die Hoffnung stirbt zuletzt, wie man so schön zu sagen pflegt.«

Der sportbegeisterte Dieter Semko, der seit einigen Jahren in Salzburg lebt, erwartet gar nichts mehr und lässt sich überraschen. In jungen Jahren hat der Berchtesgadener kein Eishockeyspiel des EVB versäumt und ist auch noch heute am heimischen Sport sehr interessiert. Zwei Ramsauer Bürger saßen gestern in der Fußgängerzone beim Frühschoppen und bekundeten, dass sie das große Fußballgeschehen nur am Rande interessiere. »Wir lassen uns auch von einer möglichen Euphoriewelle nicht anstecken und werden auf unsere Autos keine Fahnen aufpflanzen«, so die beiden unisono.

Er sei am Sport allgemein sehr interessiert, erklärte der ehemalige Bischofswieser Gemeinde-Baumeister Hans Keisinger. »Ich habe zwar immer Flagge gezeigt, aber nie eine aufgezogen«, so Keisinger. Zu hundert Prozent vom Weiterkommen der deutschen Mannschaft überzeugt ist der ehemalige Fußballtorhüter, Trainer und Bob-Olympiateilnehmer Peter Hell: »Ich mache mir überhaupt keine Sorgen um unsere Mannschaft. Wir besiegen Schweden und Südkorea klar«, so Hell, der in leitender Funktion beim Internationalen Bob- und Skeletonverband (IBSF) ist. In den Finalspielen sei dann freilich wieder alles offen, befindet der Sportexperte weiter.

»Wir scheiden in der Vorrunde keinesfalls aus«

Der Bischofswieser Bürgermeister Thomas Weber ist vom Sieg der deutschen Mannschaft gegen Schweden überzeugt, weil die Mannschaft jetzt endlich in der nötigen WM-Stimmung sei. »Wir scheiden in der Vorrunde keinesfalls aus«, ist sich Weber sicher. Auch Bischofswiesens Bürgermeister wird ab sofort die Deutschland-Fahne am Auto hissen und so seine Solidarität mit der deutschen Mannschaft bekunden. »Wir haben alle erst einmal den Schock der Niederlage gegen Mexiko überwinden müssen«, erklärte Weber weiter.

Jogi Löw schuld an Niederlage gegen Mexiko?

»Deutschland gewinnt gegen Schweden mit einer überzeugenden Leistung 3:0 und gegen Südkorea gibt es dann ein Trainingsspiel«, ist sich Baudirektor Martin Bambach aus Traunstein sicher. Trotzdem bezeichnet Bambach Trainer Jogi Löw als eigentlichen Schuldigen der Mexiko-Niederlage. »Das war ein Fehler der Führung.« Auch der Eishockey-Goalie Richard Wenig glaubt an einen klaren 3:0-Sieg der Deutschen und wird sein Auto ebenfalls beflaggen.

Eine sehr diffizile Aufgabe erwarten Anita Seidl und der langjährige Funktionär der Fußballabteilung des TSV Berchtesgaden, Adi Hasky. Allerdings hoffen beide auf ein gutes Ende. »Wenn wir gegen Schweden gewinnen, dann kommt die zweite Fahne aufs Auto«, erklärte Anita Seidl, die ihr Auto auch noch mit weiteren Accessoires schmücken möchte. Die Junior-Chefin des Gasthauses »Goldener Bär«, Marie Haslinger, hat schon gegen Mexiko einen Sieg erwartet. »Es wird schwer, aber Deutschland gewinnt 2:1«, ist sich Marie sicher. Das gleiche Ergebnis erwartet der frühere Eishockeytorhüter und eisenharte Fußball-Verteidiger Richard Ramsauer. Christian Wechslinger