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Die große Liebe zu Berchtesgaden

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Lothar Herder (2.v.l.) kommt seit 1958 ins Gasthaus »Oberkälberstein« und blickt auf 165 Besuche zurück. Seine Lebensgefährtin Ursula Kraus (2.v.r.) war 20-mal mit dabei. Mit den beiden treuesten Gästen freut sich das Wirtsehepaar Susi und Toni Springl. (Foto: Wechslinger)

Bischofswiesen – Lothar Herder gehört zu den größten Liebhabern von Berchtesgaden. Seit 1958 kommt der Wahl-Leverkusener hierher und bleibt jedes Jahr bei Familie Springl auf dem Oberkälberstein. Der ehemalige Berufskraftfahrer ist ein großer Motorradfahrer, auf seinen Maschinen legte er bereits über eine Million Kilometer zurück, viele davon im Berchtesgadener Land. Bei seinem 165. Besuch in Berchtesgaden gab der Umtriebige dem »Berchtesgadener Anzeiger« ein Interview.


Zunächst arbeitete der 79-Jährige bei der Deutschen Bundesbahn, als er den Oberkälberstein in einer Zeitschrift entdeckte: »Es war so etwas wie Liebe auf den ersten Blick«, so der Rentner, der seit vielen Jahren auch den Jahreswechsel im Talkessel verbringt. Im Schnitt kommt Herder dreimal im Jahr nach Berchtesgaden, früher war er noch öfter hier. Achtmal sei sein Rekord, erinnert sich Lothar Herder.

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Weil es in der 50er-Jahren noch nicht so viele Autos gab, reiste Herder die ersten Male stets mit dem Zug an. Doch dann erwischte den gebürtigen Berliner das Virus »Motorradfahren« und seither verbindet er seine Ausfahrten mit einer seiner vier Maschinen oft mit Berchtesgaden. Das sei ein idealer Startpunkt für Trips nach Osttirol, Kärnten und Südtirol. Seit Längerem ist er im Besitz einer 1100er-BMW-Seitenwagenmaschine. Mit dieser ist er bereits über 400 000 Kilometer mit seiner Lebensgefährtin Ursula Kraus unterwegs gewesen. »Ich bin als Viel- und Nachtfahrer bekannt und fahre gern zu Motorradtreffen. Nachts gibt es keine Staus, keine Hitze, ganz einfach keine Hektik.« Im letzten Jahr legte er mit seinen Maschinen 22 000 Kilometer zurück. Seine Rekordmarke waren 45 000 Kilometer, das war, als der ehemalige Berufskraftfahrer in Rente ging.

Die Berge werden von unten bewundert

In Berchtesgaden sind es jedoch auch die Berge, die ihn immer wieder anziehen. Allerdings bewundert er die Gipfel nur von unten: »Ich schaue lieber hinauf, Bergsteiger bin ich nicht. Man kann ja auch die schönen Alpenpässe mit dem Motorrad fahren.« Dabei war der fitte 79-Jährige in seiner Jugend Fünf- und Zehntausendmeter-Läufer und drehte sogar mit dem tschechischen Laufwunder und Volkshelden Emil Zatopek seine Runden. Seine Fitness führt der ehemalige Langstreckenläufer auf seine Gene zurück. Seine Bestzeit über die 10 000 Meter liegt bei 36 Minuten. Noch mit 50 Jahren absolvierte er einen 10 000-Meter-Lauf in 52 Minuten.

Eine besondere Liebe Herders sind auch die Volksmusik und das Jodeln: »Den Überschlag konnte ich schon mit 19 Jahren«, so Herder. Im »Oberkälberstein« überrascht er die Gäste jedes Mal mit einem Jodler.

Eine besondere Freude war auch die 150. Ehrung durch den ehemaligen Gästedienstleiter Sepp Hasenknopf im Jahr 2010. Damals war er von Sepp Hasenknopf zu einem Frühstück in das Kehlsteinhaus eingeladen worden. Im letzten Jahr war das Paar zu einer »KönigsSeerenade« eingeladen. Regelmäßig besuchen die beiden die Heimatabende in Berchtesgaden.

Einmal verbrachte der Leverkusener auch den Heiligen Abend am Oberkälberstein: »Die Weihnachtszeit ist hier etwas ganz besonders Schönes. Wir sind seit 30 Jahren immer vom zweiten Weihnachtsfeiertag bis zum ersten Sonntag im neuen Jahr hier.« Ein besonderer Brauch sei das Weihnachts- und Neujahrsschießen. »Wir schauen immer bei den Bischofswieser Weihnachtsschützen zu«, sagt Herder. Silvester wird traditionell im Gasthaus »Oberkälberstein« gefeiert.

Die 200 im Blick

Nach Berchtesgaden wird Lothar Herder trotz seiner Liebe zur Region nicht ziehen: »Dann würde ich ja bei meinen Ausfahrten immer von Berchtesgaden wegfahren, so fahre ich hin. Solange ich mich bewegen kann, werde ich zurückkommen, die 200er-Marke ist ein lohnendes Ziel.« Christian Wechslinger

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