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»Die Großereignisse können kommen«

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Bahnchef Markus Aschauer hatte dafür gesorgt, dass die Erinnerungs-Büste des einstigen Begründers der ersten Kunsteisbahn der Welt, Richard Hartmann, einen würdigen Platz an einem Findling bekam. (Foto: Wechslinger)

Schönau am Königssee – Seit zwei Wochen läuft der Bahnbetrieb auf der Kunsteisbahn am Königssee auf Hochbetrieb. Bahnchef Markus Aschauer musste einigen Nationen absagen, weil die Kapazitäten wegen internationaler Trainingswochen, des Trainings der Deutschen und des eigenen Nachwuchses sowie Taxi-Bobfahrten erschöpft waren. Der »Berchtesgadener Anzeiger« hatte Gelegenheit, mit dem Bahnchef über die Kunsteisbahn und das Drumherum zu sprechen.


Was gibt es Neues an der Bahn?

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Markus Aschauer: Wir haben mit der Deutschen Post für die nächsten vier Jahre einen neuen Bahnsponsor. Im Weiteren ist unser Veranstaltungsgebäude jetzt fertig gestellt und wird am 12. November mit einem großen Festakt offiziell seiner Bestimmung übergeben.

Gab es auch technische Verbesserungen, das meiste war ja bereits fertiggestellt?

Aschauer: Wir haben sicherheitstechnisch einen entscheidenden Schritt gemacht. Bis Weihnachten wird es eine Software geben, die die Schranken von den verschiedenen Starthöhen steuert. Wenn an einer Starthöhe grünes Licht leuchtet, sind alle anderen fünf Schranken geschlossen. So kann immer nur an einem Startplatz die Schranke offen sein. Ein Unfall, wie mit der russischen Bremserin vor ein paar Jahren, ist somit nicht mehr möglich.

Es heißt immer, am Königssee sei die modernste Bahn der Welt.

Aschauer: In Sotschi steht ebenfalls eine sehr moderne Bahn. Eine Schrankenanlage gibt es jedoch nur am Königssee, was damit von der Sicherheit bedeutet, dass wir ganz vorne sind. Sotschi, seit Kurzem Lake Placid und wir haben die modernsten Zeitmessgeräte. Sehr gut ist auch unser Video-Überwachungssystem, mit dem wir alle Aktionen auf der Bahn aufzeichnen. Der Sportler kann eine Minute nach seiner Fahrt bei uns kostenlos ein Video abholen. Auch kältetechnisch sind wir nach wie vor führend. Unser nächster Schritt wird eine erhöhte Energieeffizienz sein, wir beabsichtigen, noch mehr Energie zu sparen. Dazu wird im Maschinenhaus ein Kältemittelverdichter ausgetauscht.

Vor drei Wochen wurde ein Ammoniakunfall in eine Feuerwehrübung gepackt.

Aschauer: Ein Ammoniakunfall kann passieren, wenn bei einer Wartung ein Fehler gemacht wird. Die Übung war realistisch und damit für uns und die Feuerwehren auch sehr wertvoll. Wir arbeiten mit der Feuerwehr ja auch eng zusammen. So hat die Feuerwehr von uns vier Atemschutz- und Säureschutzanzüge. Damit könnten die Feuerwehren auch bei anderen Schadensszenarien auf diese Anzüge zurückgreifen.

Die Farbe »Gelb« bestimmt derzeit das Gelände. Früher hingen auch immer die Fahnen der teilnehmenden Nationen.

Aschauer: Das wird bei Großveranstaltungen auch wieder so sein. Dann hängen eben zwischen den gelben Fahnen die Nationenbanner. Dazu sind wir von den internationalen Verbänden ja auch verpflichtet. Wir haben über 60 Fahnenmasten und damit genügend Platz, alle zufriedenzustellen. Was man jetzt sieht, ist nur der Namensrechtsponsor. Im Weiteren hat die Post weitere Sponsorenpakete für die internationalen Wettkämpfe in Bob, Skeleton und Rodel gekauft. Der internationale Rennrodelverband FIL und der internationale Bobverband FIBT halten 75 Prozent der Werbeflächen, den Rest die Deutsche Post.

Wie ist der Zustand der Bahn aktuell und wie lange dauert in dieser Saison die »Eiszeit« am Königssee?

Aschauer: Die Bahn befindet sich bereits in einem Topzustand. Am Anfang war das bei den hohen Außentemperaturen nicht ganz leicht. Der Bahnbetrieb läuft bis zum 23. Februar, wir haben somit eine eher kurze Bahnsaison.

Laufen bereits Vorbereitungen für die Weltmeisterschaften im Rennrodeln 2016?

Aschauer: Seit über einem Jahr laufen die ersten Maßnahmen. Es gibt bereits einen Werbefilm und Werbematerial, das auch schon verteilt wird. Wir machen derzeit Tests mit einem Ticketing-System. Das sind neue, strengere Auflagen seitens der Behörden nach dem Unglück bei der Loveparade. Man kann ja auch einen Anschlag nie ganz ausschließen, wenn wir auch in einer recht sicheren Region leben.

Wo findet dieses Mal die Wok-WM statt?

Aschauer: Die Veranstalter waren mit uns sehr zufrieden. Aber man möchte wieder einmal auf eine andere Bahn. So bekam Innsbruck den Zuschlag.

Was sind die Saisonhöhepunkte?

Aschauer: Natürlich die Weltcups in Rodeln, Bob und Skeleton im Januar. Ferner finden mehrere Intercontinental- und Europacuprennen statt. Darüber hinaus werden wie immer mehrere nationale Rennen durchgeführt.

Wie oft haben die Veranstalter nach Sotschi gerufen und wie sieht die Zusammenarbeit mit den koreanischen Technikfreaks aus?

Aschauer: Ich war 45-mal in Sotschi und bereits zweimal in Korea. Mit Korea geht es ganz allmählich los. Die Koreaner sind sehr aufgeschlossen und bemüht. Derzeit testen Koreaner ihre Bobs bei uns. Sie sammeln jetzt schon Telemetriedaten.

Was soll im neuen Veranstaltungsgebäude stattfinden?

Aschauer: Veranstaltungen sollen einen Bezug zur Bahn haben. Wir bewerben die Veranstaltungen gemeinsam mit einer Agentur durch einen Kooperationsvertrag. Wir denken im Jahr an zehn bis 15 hochwertige Veranstaltungen. Es wird bei uns keinen Abi-Ball und keine Brauchtumsveranstaltung geben, weil wir nicht in Konkurrenz zu unserer Gastronomie oder zum Kongresshaus treten wollen. Wir werden auch keine türkischen Hochzeiten annehmen. Wir gehen davon aus, dass wir sehr renommierte Firmen an den Königssee holen. Es gibt schon einige interessante Anfragen von Firmen wie NEC, Adidas, BMW, der Deutschen Post mit einem hochkarätigen Führungskräfte-Seminar. Christian Wechslinger