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»Die Holländer campen tatsächlich am liebsten«

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Wenn es um den heimischen Tourismus geht, hat er auf jede Frage eine Antwort: TRBK-Chef Michael Wendl. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – »Es kommen ja gar keine Amis mehr. Weil, die haben Terrorwarnung für Deutschland. Aber dafür haben die Osteuropäer das Berchtesgadener Land für sich entdeckt. Und erst diese Russen.« – Nach der Urlaubssaison wimmelt es von »gefühlten« Bilanzen und persönlichen Analysen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« wollte vom Geschäftsführer der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee, Michael Wendl, wissen, was an den Einschätzungen und Vorurteilen der heimischen Vermieter dran ist.


Herr Wendl, täuscht das, oder kommen tatsächlich kaum noch US-amerikanische Touristen in den Talkessel?

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Michael Wendl: Das täuscht eindeutig. Das Gegenteil ist der Fall. Wir haben bis jetzt eine Steigerung von 259 Ankünften im Vergleich zum Vorjahr. Heuer, also bis Ende August, waren es schon 5 463. Was für immerhin 12 700 Übernachtungen gesorgt hat. Dafür kommen weniger Chinesen.

Aber die Osteuropäer werden mehr, oder?

Wendl: Ja. Besonders deutlich ist das bei den Tschechen. Hier haben wir heuer ein Plus von 1 900 Ankünften. Die Tschechen bilden inzwischen eine der wichtigsten Gruppen.

Stimmt es eigentlich, dass die Holländer am liebsten campen?

Wendl: Ja. Die Niederländer bilden mit 30 000 Ankünften nach den Deutschen die zweitwichtigste Gruppe. Etwa ein Drittel von ihnen entscheidet sich für das Campen.

Wie hoch ist der Anteil der Araber?

Wendl: Sehr gering. Gut 1 000 Übernachtungen bei gut 300 Ankünften. Im Übrigen stimmt es nicht, dass sich Araber ausschließlich für teure Hotels entscheiden. Das ist bunt gemischt.

Russen gelten gemeinhin als laut und trinkfreudig. Gibt es da Beschwerden?

Wendl: Nein, ich kenne keine einzige. Aber alles bekommen wir natürlich nicht mit. Wobei man sagen muss, dass russische Gäste mit 1 400 Ankünften und 5 000 Übernachtungen nicht die größte Rolle spielen.

Inwieweit profitiert das Berchtesgadener Land davon, dass Urlauber wegen Terror und Krisen ehemalige Topdestinationen wie die Türkei oder Tunesien meiden?

Wendl: Wir profitieren von dieser Entwicklung eindeutig. Der August weist zwar ein kleines Minus aus. Gerechnet auf das ganze Jahr, sind wir aber im Plus. Wir haben momentan 4 Prozent mehr Übernachtungen als im Vorjahreszeitraum, insgesamt sind es 1,5 Millionen. Vor allem Gäste aus Deutschland tragen zu dieser Steigerung bei. Hier haben wir ein Plus von 56 000 Nächtigungen.

Der Flughafen Salzburg ist nur einen Katzensprung entfernt. Ein Vorteil für den Talkessel als Urlaubsregion?

Wendl: Er wird immer wichtiger. Denn immer mehr Menschen, vor allem in den Großstädten, haben keinen Führerschein beziehungsweise kein Auto. Destinationen, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar sind, werden immer mehr im Vorteil sein. Man darf aber nicht vergessen, dass der Großteil der Gäste nach wie vor mit dem Auto kommt. Christian Fischer