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Die Kombiklassen kommen

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Künftig wird es in der Schule in Marktschellenberg Kombiklassen geben. Bürgermeister und Elternschaft sind dagegen. Eine Petition wurde aber abgelehnt. (Foto: privat)

Marktschellenberg – Ab dem nächsten Schuljahr wird es in Marktschellenberg Kombiklassen geben – mangels Lehrerstunden. Auch, wenn sich die Eltern dagegen wehrten, wurde eine auf den Weg gebrachte Petition an den Bayerischen Landtag nun abgelehnt. Der Marktschellenberger Thomas Jander, der sich ebenfalls gegen die Kombiklassen ausgesprochen hatte, zeigte sich nach der Entscheidung gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger« »maßlos enttäuscht«.


Geplant ist, die 1. Klasse zu teilen. Die Kinder sollen in zwei Kombiklassen 1/2 und 2/3 aufgeteilt werden. Inklusive der 4. Klasse gibt es an der Marktschellenberger Schule dann nur noch drei Grundschulklassen (der »Berchtesgadener Anzeiger« berichtete). Durch die Zusammenlegung soll eine Lehrerstelle wegfallen. »Personalmangel soll hier auf dem Rücken der Schüler ausgetragen werden«, sagte Thomas Jander bereits Ende Juni. Zumal in Marktschellenberg eine »Sondersituation« vorliege, denn immerhin werden dort auch Kinder des Kinderheims »Bichlhof« beschult. Und die brauchten, laut Jander, »einen höheren Betreuungsaufwand«. Es sei eine enorme Verschlechterung der Situation, »wenn sich in einer Klasse mit 15 Kindern schließlich über 20 Kinder in einer Kombiklasse wiederfinden würden«.

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Jander war nun auch dabei, als im Bildungsausschuss in München über die Petition aus Marktschellenberg getagt wurde. Eine von insgesamt 13 Petitionen an diesem Tag. Für jedes Thema gibt es zwei Berichterstatter, die Stellung beziehen, einen aus der Regierungsmehrheit, einen aus der Opposition. So sei Carolina Trautner von der CSU-Fraktion »zwar auf das Kinderheim eingegangen, aber nicht auf unsere Argumentation«, berichtet Jander. Vielmehr habe sie darauf hingewiesen, dass Kombiklassen ein wichtiges Instrument zum Erhalt von Schulstandorten seien. »Aber das steht bei uns ja überhaupt nicht zur Debatte«, so Jander. Die CSU-Fraktion plädierte schließlich auf Ablehnung der Petition.

Für die Opposition sprach Simone Strohmayer, die die Marktschellenberger Situation als »Ausnahmefall« beschrieb und deswegen beantragte, der Petition stattzugeben. Auch der Ausschussvorsitzende Martin Güll verfolgte die Argumentation eines Einzelfalls, der in Marktschellenberg vorliege – »er hatte kein Verständnis für die ablehnende Haltung der CSU-Fraktion«. Mehrheitlich blieb es bei einer Ablehnung der Petition.

Thomas Jander hatte im Anschluss Gelegenheit, sich mit der Vertreterin des Kultusministeriums auszutauschen. »Sie hat erklärt, dass die von uns in Marktschellenberg geschilderte Situation keinen Ausnahmefall darstelle, sondern in Bayern vielfach vorkomme. Darüber hinaus gebe es eine Ungleichbehandlung der Schulen im ländlichen Raum gegenüber den Schulen in Ballungszentren, weil dort die Klassenstärken viel höher seien.«

Geplant ist in Marktschellenberg, dass die jetzige 1. Klasse im nächsten Schuljahr geteilt werden soll. Eine Hälfte der Kinder bildet dann die Klasse 1/2, die andere die Klasse 2/3. Die Klasse wird dann zwei Jahre später in der 4. Jahrgangsstufe wieder zusammengeführt. Für Thomas Jander ist klar: »Das ist ein Hin-und-her-Geschiebe von Kindern.« Laut dem Marktschellenberger müsse der Freistaat sein Budgetierungssystem für Lehrer ändern, um die Grundversorgung bei der Beschulung sicherzustellen.

»Für mich war das alles enorm enttäuschend. Hier wurde keine Sachentscheidung getroffen, sondern wir zu einem politischen Spielball gemacht«, sagt Jander. »Es soll um jeden Preis vermieden werden, dass eine Petition gegen eine Kombiklasse durchgeht, egal wie die Sachlage aussieht.« Kilian Pfeiffer

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