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Die mahnenden Stimmen nie vergessen

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Zahlreiche Vereine beteiligten sich am Gedenken zum Volkstrauertag auf dem Schlossplatz. Fotos: Anzeiger/cw
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Höhepunkt der Gedenkfeier war die Kranzniederlegung am Ehrenmal.

Berchtesgaden - Am Schlossplatz vor dem Kriegerdenkmal gedachten am gestrigen Volkstrauertag Abordnungen der verschiedenen Berchtesgadener Vereine, unter anderen Brauchtumsvereine und Veteranenabordnungen, sowie viele Berchtesgadener Bürger der Millionen Opfer von Kriegen und Gewaltherrschaft.


Marktbürgermeister Franz Rasp hielt eine viel beachtete Rede, in der er die Worte des ehemaligen Kanzlers Konrad Adenauer zitierte, die dieser am Volkstrauertag 1954 sagte: »Die Jahre, in denen wir leben, strömen dahin wie ein Bergfluss in rasender Eile und unsere Tage sind erfüllt von Hast und von Unruhe. Wie wenig wissen wir von Tagen, auch nur von Stunden der Selbstbesinnung?«

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Der Volkstrauertag verlange Stille im Gedenken an die Millionen Opfer von Weltkriegen und Gewaltherrschaft. Er fordere zur Trauer auf für alle, die wir aus unseren Reihen für immer verloren haben, so Rasp. Trauer empfänden die noch Lebenden für die gefallenen und geopferten Väter, Ehemänner, Brüder, Söhne, um die umgekommenen Frauen und Kinder, Verschleppte und Flüchtlinge. Einfach um alle, die uns eng verbunden oder die namenlos waren und nicht mehr sind. »Sie kannten Freude genau wie wir«, so Rasp. »Alle hatten Erwartungen an die Zukunft, die ihnen genommen wurde.«

Der tödliche Ernst von Krieg und Gewalt habe sie dort eingeholt, wo sie gerade ihre Pflicht erfüllt haben und ihr Leben gestalteten, ob zu Hause in unseren Dörfern und Städten, ob an den Fronten oder ob auf den Wegen von Flucht und Vertreibung oder aber in den furchtbaren Lagern des Dritten Reiches. Ihr Gedenken verlange Stille, verlange Ehrfurcht, führte der Bürgermeister weiter aus. »Ich danke allen Menschen in unserem Lande, die sich um dieses Gedenken bemühen und dafür sorgen, dass die mahnenden Stimmen der Toten nicht verhallen«, sagte Rasp und forderte alle auf: »Wir trauern in Stille«. Danach war es am Schlossplatz totenstill.

Doch Bürgermeister Franz Rasp sprach auch von Dankbarkeit für sechs Jahrzehnte in Frieden und Freiheit. Heute sei Krieg unter den Staaten der Europäischen Union undenkbar. Dennoch dürfe man nie vergessen, dass Friede alles andere als selbstverständlich sei.

Nach den bewegenden Worten des Bürgermeisters legten die Abordnungen ihre Kränze nieder, während die Marktkapelle unter Stabführung von Erhard Moldan sowohl die Bayernhymne als auch das »Lied vom guten Kameraden« anstimmte. Die Weihnachtsschützen begleiteten diesen Moment mit ihren Schüssen. Die deutsche Nationalhymne schloss den Volkstrauertag in Berchtesgaden würdig ab. cw