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»Die Orgel pfeift aus dem vorletzten Loch«

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Pfarrer Thomas Frauenlob spielt zwar selbst nicht Orgel. Er kümmert sich aber um seine Kirche und auch um das Kircheninstrument. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Einigen Kirchgängern ist in den vergangenen Monaten etwas in der Stiftskirche Berchtesgaden aufgefallen. In den hinteren Reihen klingt die Orgel nicht mehr so schön wie früher.


Ein nerviger Pfeifton bohrt während der sonst so exquisiten Werke alter Meister ins Ohr. Für eine aufwendige Restauration der Orgel will Pfarrer Frauenlob gemeinsam mit der Kirchenverwaltung nun Spendengelder sammeln. Ein erster Schritt ist ein Benefizkonzert am 5. Juni (siehe Kasten.)

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»Die Orgel pfeift aus dem vorletzten Loch«, sagt Pfarrer Thomas Frauenlob bei einem Kirchenbegang in der Stiftskirche. Und das meint er wörtlich: »Es klingt wie eine offene Pfeife, die ständig pfeift.« Allerdings wisse niemand, woran das liegt. Wochenlang haben sich Experten mit diesem Problem beschäftigt.

»Man müsste die Orgel jetzt auseinandernehmen und gänzlich restaurieren.« Das koste aber viel Geld und sei auf Dauer nicht sinnvoll. Eine langfristige Lösung des Problems ist gefragt.

Fachmännischer Rat

Ein Orgelsachverständiger hat die Orgel angeschaut und ein Gutachten erstellt, wie Frauenlob berichtet. Die Diözese beschäftigt für die verschiedenen Regionen jeweils einen Orgelsachverständigen. »Die schauen so was an und geben einen fachmännischen Rat.« In Berchtesgaden war ein Professor der Musikhochschule München: »Die Akustik in der Kirche ist der Orgel gnädig«, lautete sein Urteil. Es bestehe aber Handlungsbedarf. »Bisher ist nur noch nicht klar, welche Lösung die beste ist: Die Orgel zu restaurieren, zu ergänzen, sie in Teilen oder gänzlich zu erneuern«, sagt Frauenlob mit Blick auf die filigran verzierten Pfeifentürme.

Leider gibt es neben dem Dauer-Pfeifton noch ein weiteres Problem: »Es sind auch einige Register ausgefallen und nicht mehr bespielbar. Diese Orgel ist also nur noch teilweise nutzbar.« Ein Register kostet 15 000 bis 20 000 Euro, bemerkt Frauenlob. »Unsere Orgel hat 32 Register.« Zudem ist das Instrument schwer zu betreuen, wie der Pfarrer erklärt. Frauenlob steht unten in der Mitte der Kirche und deutet nach oben auf den Mittelteil: »Der Teil hier vorne, der so schön ausschaut, ist so verbaut, dass man für eine Reparatur komplett hineinkriechen muss.«

Dass etwas getan werden muss, steht außer Frage: »In der Stiftskirche müssen wir das Thema anpacken, weil die Kirche als zentraler Kirchenraum im ganzen Talkessel von der Ausstattung her sehr gut sein muss«, ist Frauenlob überzeugt. Das sehe auch die Diözese so: »Darum hat sie eine A-Kirchenmusiker-Stelle genehmigt. Das ist nicht selbstverständlich«, erzählt Frauenlob.

Kirchenmusiker gesucht

Denn was ist eine Orgel ohne jemanden, der sie spielt? Darum ist die Diözese derzeit auf der Suche nach einem neuen Kirchenmusiker, der die Nachfolge von Urban Hafenmair antritt. Vier »hoch qualifizierte« Bewerber sind nun in der engeren Auswahl für die seltene A-Musiker-Stelle, wie der Pfarrer berichtet. Unter den Bewerbern sind keine Berchtesgadener. Laut dem Pfarrer kommen sie aus dem süddeutschen Raum und aus Mitteldeutschland. Jetzt, Mitte Mai, findet das Vorspielen vor der Berufungskommission der pfarrlichen Gremien in der Kirche statt: »Die vier werden den Chor probedirigieren, auch einmal den Gottesdienst gestalten und Orgel spielen«, erzählt Frauenlob. In dieser Kommission sitzen Fachleute, unter anderem der Diözesan-Musikdirektor, aber auch »Leute, die die heimische Kirchenmusik kennen«, wie Max Reichenwallner.

Besetzt wird die Stelle voraussichtlich für 1. September. Der dann ausgewählte hauptamtliche Kirchenmusiker ist laut Frauenlob schließlich hauptverantwortlich, das Projekt »Orgel« zu betreiben.

Denn was ist ein Kirchenmusiker ohne sein Instrument? Um die Orgel wieder in ihre beste Form zu bringen, ist viel Zeit und Geld notwendig. Das Problem: Kirchenorgeln werden grundsätzlich nicht bezuschusst von der Diözese. »Es gibt dafür keine Steuermittel. Die Diözese sagt: Es ist eine Sache der Pfarrei. »Das soll die Pfarrei selbst regeln«, bemerkt Pfarrer Thomas Frauenlob. »Da also von der Diözese nichts in diesem Punkt zu erwarten ist, sind wir gezwungen, dies rein auf der Basis von Spenden zu bewerkstelligen, was allerdings normalerweise sehr gut klappt.«

Frauenlob selbst ist Initiator eines Orgelbauvereins in St. Leonhard, Wonneberg, wo er des Öfteren ausgeholfen habe. In der kleinen Gemeinde von 900 Leuten haben die Einwohner innerhalb von sechs Jahren 190 000 Euro gesammelt. »Erfahrungsgemäß liegen die Orgel und die Kirchenglocken den Leuten am Herzen.« Annabelle Voss