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Die Poesie des Widersätzlichen in Bildern

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Beeindruckende Exponate sind in Berchtesgaden zu sehen, unter anderem diese Prunkkassette aus Nepal.
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Die nepalesischen Ausstellungsstücke wurden geschickt in das Heimatmuseum »eingearbeitet«. Fotos: Anzeiger/Jander

Berchtesgaden – Es ist eine außergewöhnliche Ausstellung, die im Berchtesgadener Heimatmuseum Schloss Adelsheim entstanden ist. »Nepal – Poesie des Widersätzlichen« lautet der Titel, und die zahlreichen Exponate von der anderen Seite des Globus fügen sich prächtig in die vorhandenen Erinnerungen an die Berchtesgadener Geschichte ein. Museumsleiterin Friederike Reinbold durfte sich zur Eröffnung der Ausstellung über ein volles Haus und großes Interesse freuen.


Nepal ist ein Land, mit dem viele klischeehafte Bilder assoziiert werden, aber auch Mythos, eigenartige Riten und einzigartige Natur. Die Museumsleiterin erinnerte sich in ihrer Begrüßung an eigene Erfahrungen mit »Alt-68ern«, die »weit weg gefahren sind – nach Indien und Nepal, um auszusteigen. Und manche von ihnen kehrten verändert zurück, mit einem anderen Blick für das, was wirklich wichtig ist im Leben«.

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Die Ausstellung in Berchtesgaden versucht den südasiatischen Gebirgsstaat und den Alpenraum nebeneinander zu stellen: »Da gibt es erstaunliche Ähnlichkeiten«, so Friedl Reinbold mit Blick auf die »fantastisch-schönen Leihgaben« – unter anderen der »Schell Collection Graz« und der »Nima Dawa Foundation Austria«. Letztere ist eine Gesellschaft zur Förderung von Infrastrukturen in den Bergregionen Nepals, die »Schell Collection« ist das weltweit größte Museum für Türen, Schlösser und Truhen.

Die thematische Einführung übernahm Dr. Hermann Krüttner aus Grödig, seines Zeichens Präsident der Nima Dawa Foundation. Auch er betonte die vielen Gemeinsamkeiten zwischen Nepal und dem Alpenraum, die beim Aufbauen der Ausstellung aufgefallen sind. Exemplarisch nannte er Holzdosen und Werkzeuge, die sich gleichen. Er riet den Besuchern der Ausstellung, genau hinzusehen, um alle nepalesischen Exponate zu identifizieren. Als kleine Hilfestellung wurden diese mit einem kleinen roten Klebepunkt gekennzeichnet. Aber auch die heimischen Ausstellungs-Objekte haben es Dr. Krüttner angetan: »Das sind wunderschöne Exponate hier, Berchtesgaden kann sich glücklich schätzen über dieses Heimatmuseum.«

Anhand einer Bilderpräsentation stellte der Referent anschließend die Arbeit der Nima Dawa Foundation vor. Viele Fotos verdeutlichten, unter welch schwierigen Bedingungen die Menschen in den Bergdörfern der Region Solukhumbu in Ostnepal leben. Durch das Hilfsprojekt, das von Mingma Nuru Sherpa aus dem Dorf Juke ins Leben gerufen wurde, konnten bereits viele Hilfestellungen erreicht werden, wie etwa Strom- und Wasserleitungen sowie im vergangenen Jahr der Bau eines kleinen buddhistischen Klosters.

Das Dorf Juke liegt von der nächsten Straße einen Sieben-Tage-Fußmarsch entfernt, was allein schon die logistischen Schwierigkeiten eines solchen Hilfsprojekts verdeutlicht. Der Sherpa, der bei der Ausstellungs-Eröffnung ebenfalls zugegen war, lebt heute mit seiner Familie in Kathmandu, betreibt ein Trekking- und Expeditionsunternehmen und arbeitet in den Sommermonaten auf der Werfener Hütte im Tennengebirge.

Gemeinsam mit seiner Schwester hat Mingma Nuru Sherpa für den Abend im Berchtesgadener Heimatmuseum ein nepalesisches Buffet vorbereitet. Dr. Krüttner bat dazu um Spenden, denn die Ausstellungs-Eröffnung diente einem wohltätigen Zweck. Vor etwa zwei Monaten wurden bei einem Angriff radikalislamischer Taliban auf das Bergsteiger-Basislager am Nanga Parbat zehn ausländische Bergsteiger und ein Nepalese ermordet – eine Nachricht, die weltweit für Schlagzeilen sorgte. Der nepalesische Sherpa, der dabei ums Leben kam, stammt nach den Worten von Dr. Krüttner aus dem Dorf, das die Nima Dawa Foundation unterstützt. Der Erlös des Abends sollte daher zugunsten der Witwe und der Kinder des Getöteten gehen, was mit Applaus quittiert wurde.

Nach dem Rundgang durch die Ausstellung, die auf durchweg positive Resonanz bei den Gästen stieß, durften sich dann alle am nepalesischen Buffet stärken – unter anderem wurde »Momo« (eine Art Fleischravioli) und Daal Bhaat (Reis mit Gemüse und Linsensoße) gereicht.

Für Friedl Reinbold und ihr Team gab es als Dank für die tolle Arbeit nepalesische Glücks-Schals. Jetzt hofft die Museums-Leiterin auf viele Ausstellungs-Besucher, die viel Interessantes zu entdecken haben und bei der gelungenen bayerisch-nepalesischen Mischung auch genau hinschauen müssen. Die Ausstellung ist bis 31. Oktober zu sehen, täglich außer Montag von 10 bis 17 Uhr. Thomas Jander