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Die Reise in die Erfolgsspur ohne Witwen

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Die mit Förderpreisen geehrten Schreiner und Holzbildhauer mit Landrat-Stellvertreter Helmut Fürle (r.). (Fotos: Meister)
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Schulleiter Norbert Däuber (l.) freute sich über die Anwesenheit Seiner Königlichen Hoheit Franz von Bayern zur Freisprechungsfeier.
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Der Künstler, sein Werk und sein Modell: Lukas Ott mit seinem Gesellenstück »Marv« und seinem Freund, der zwar die Aufnahmeprüfung nicht erfolgreich absolviert hatte, dafür aber am Ende doch dabei war.

Berchtesgaden – Er sehe sich die Gesellenstücke unter dem Aspekt an, welche er gern auch zu Hause hätte. Und immerhin waren es jeweils drei Arbeiten von Schreinern und Holzbildhauern, die Schnitzschuldirektor Norbert Däuber in seiner häuslichen Umgebung gut dulden könnte. Wer nicht über den strengen Blick eines Bildhauers verfügen kann, kann sich wahrscheinlich einiges mehr in den eigenen vier Wänden vorstellen. In der Tat beeindrucken fast alle der den Weg zum Festsaal flankierenden und dort selbst ausgestellten Möbel und Skulpturen. Wie jedes Jahr eigentlich. Dann bekommen Schreiner und Holzbildhauer nach dreijähriger Ausbildung ihre Gesellenbriefe und verlassen in der Regel Berchtesgaden.


Traditionell nehmen an der Freisprechungsfeier alljährlich Vertreter des Landkreises Berchtesgadener Land als Träger der Fachschule für Schreinerei und Holzbildhauerei wie des Bezirkes Oberbayern teil. Diesmal waren es der Landrat-Stellvertreter Helmut Fürle und Bezirksrat Georg Wetzelsperger, Bundestagsabgeordnete Bärbel Kofler sowie weitere geladene Ehrengäste. Als ganz besonderen Gast aber durfte Schulleiter Norbert Däuber Seine Königliche Hoheit Franz von Bayern begrüßen.

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Gratulationen erhielten die angehenden Schreiner und Holzbildhauer. Helmut Fürle wünschte ihnen Erfolge auf dem persönlichen Lebensweg, Zufriedenheit und berufliche Erfüllung. »Von der Schule freigesprochen« hätten sie nun viele Möglichkeiten, eigene Vorstellungen zu realisieren und Ziele zu erreichen. Was, wie Fürle anmerkte, in der Gegenwart letztlich leichter sei, als es in früheren Zeiten war. So wäre einst, im Mittelalter, der Aufstieg zum Meister nur durch die Heirat mit einer Meisterswitwe möglich gewesen. Diese »Prüfung« wünsche er den Absolventen der Schnitzschule natürlich nicht, merkte Fürle launig an.

Georg Wetzelsperger nannte die Berchtesgadener Fachschule eine wichtige und aus der Region nicht wegzudenkende Einrichtung. Der Bezirk, auch wenn man jedes Jahr neu darum kämpfen müsse, unterstütze die Schule finanziell. Den Schreinern und Bildhauern wünschte er den Erhalt ihrer Offenheit, mit der sie an die Dinge bisher herangegangen seien.

Auch Bärbel Kofler zeigte sich beeindruckt von den ausgestellten Arbeiten der Absolventen. Und darüber, was die Schnitzschule auch Presseberichten zufolge über den normalen Ausbildungs-Alltag zu leisten imstande wäre. Ab August seien auch die finanziellen Möglichkeiten durch die Politik verbessert worden. Was auch die Qualifizierung durch Leistung verbessere und die Hochzeit mit einer Meisterswitwe nicht unbedingt erforderlich werden lasse.

Sechs der Gesellenstücke, drei Schreinerarbeiten und drei Skulpturen, konnte sich Schnitzschul-Direktor Norbert Däuber durchaus in seinem privaten Bereich gut vorstellen. »Von nichts kommt nichts«, sagte Däuber und anerkannte die Leistungen seiner nun die Einrichtung verlassenden und nun fast schon ehemaligen Schüler. Für die, die es nun geschafft hätten, sei ein Traum in Erfüllung gegangen. Sein erster Blick aus dem Schlafzimmerfenster habe ihm die davor liegende Landschaft mit klarem Vordergrund gezeigt, die Bilder dahinter waren allerdings leicht getrübt. Er möge, sagte Däuber, japanische Holzschnitte ganz besonders. Sie zeigten die Motive in überwältigender Klarheit, verlören sich aber im Hintergrund oft im Nebel, verschwommen. So sei das Leben, denn man wisse nicht, was sich hinter der Trübung verberge. Den Abgängern von der Schnitzschule wünschte er, dass sich ihnen eine Welt auftue, die alles Gute für sie bereithalte.

Anschließend übernahmen Jürgen Gasteiger und Hannes Stellner die Szenerie. »Danke, dass ihr euch entschieden habt, die Ausbildung an dieser Schule zu absolvieren und mir damit Gelegenheit gabt, euch anzuleiten«, sagte Gasteiger in Richtung der elf Schreinerinnen und Schreiner, denen er dann, unterstützt von Schulleiter Norbert Däuber, die Gesellenbriefe überreichte. Das tat dann auch Hannes Stellner, der gleich 14 Holzbildhauerinnen und Holzbildhauer aufrief, die in seiner Klasse die dreijährige Ausbildung mit Erfolg abgeschlossen hatten. Die Zeit sei in seiner Erinnerung mit vielen kleinen Geschenkpäckchen gefüllt gewesen, die man erst nach und nach öffnete. Das Ergebnis erlebe man nun an diesem Tag, dem wohl aus Schülersicht klaren Höhepunkt ihrer Berchtesgadener Vergangenheit.

Schulabschlussfeiern, vor allem wenn man an gleicher Stelle schon viele erleben durfte, haben immer den gleichen Rhythmus. Nach der Vergabe der Gesellenbriefe übernahmen die »von der Schule Freigesprochenen« das Zepter, ehrten die, denen sie in den vergangenen drei Ausbildungsjahren viel zu verdanken hatten, und vergaßen nicht die, die ihnen das Schüler-Leben ein wenig leichter gemacht haben. Heiß war es in der Schnitzerwerkstatt wie eigentlich jedesmal und der Wunsch nach dem Ende der Veranstaltung wurde letztlich von der Raumtemperatur bestimmt.

Zuvor aber zeigte Direktor Norbert Däuber offen seine Freude über die Anwesenheit des ganz besonderen Gastes. Es sei eine große Ehre für die Fachschule, Seine Königliche Hoheit Franz von Bayern begrüßen zu dürfen. Und ganz besonders richtete er das Wort an den Kunstkenner und -sammler und überreichte ihm eine kleine Holzplastik aus dem schier unendlichen und in seiner qualitativen Vielfalt geradezu unerschöpflichen Fundus der Schnitzschule und freute sich, dass nun die Schnitzschule Berchtesgaden in der Kunstsammlung von Herzog Franz von Bayern vertreten sei. Seine Königliche Hoheit äußerte neben dem Dank für das Geschenk auch sein Lob für die Schule und die Ergebnisse, die sie mit Stolz präsentieren könne. Dieter Meister