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Die Sache mit dem »Nachtrunk«

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Laufen/Schönau a. K. – Durch freundliche Hartnäckigkeit hat Rechtsanwalt Josef Reichlmair am Laufener Amtsgericht sein Ziel erreicht. Anstatt der 3 600 Euro des Strafbefehls hat sein Mandant, ein 36-jähriger Schönauer, nur mehr 900 Euro wegen fahrlässiger Trunkenheit im Verkehr zu zahlen. Auch die Zeit des Führerscheinentzugs reduzierte Richter Dr. Christian Liegl von zwölf auf zehn Monate.


Es mache insbesondere bei der Führerscheinstelle des Landratsamtes einen Unterschied, ob sein Mandant mit 1,87 Promille Alkohol im Blut unterwegs gewesen war oder lediglich mit 1,2, zeigte sich Rechtsanwalt Josef Reichlmair überzeugt. Ein Sachverständiger jedoch hatte in seinem Gutachten den vom Angeklagten behaupteten »Nachtrunk« von Wodka und Jägermeister in seiner Begleitstoffanalyse nicht bestätigen können.

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Seit 7 Uhr früh sei er an diesem 15. Dezember 2012 unterwegs gewesen, berichtete der Angeklagte, habe tagsüber ein Bierchen getrunken, etwas von dem Glühwein gekostet, und schließlich noch ein »Feierabendbier« genossen.

Erst auf dem Nachhauseweg von der Rodelbahn am Königssee habe er sich an einer Tankstelle noch zwei kleine Wodka-Fläschchen gekauft. Und die dann daheim mit Gästen getrunken, dazu noch ein Bier und etwas Jägermeister. Eine Kontrolle kurze Zeit später hatte dann einen Promillewert von 1,87 Promille ergeben.

Zu verdanken hatte der Schönauer die Kontrolle einem Zufall: Ein Polizeibeamter in Zivil war an der Tankstellenkasse gestanden, hatte beobachtet, wie der Angeklagte Wodka kaufte. Weil der Polizist Alkohol gerochen hatte, gab er das Kennzeichen an die Polizeidienststelle in Berchtesgaden weiter. Zwei Beamte standen 30 Minuten später vor der Tür des Schönauers.

Dieser hohe Wert allerdings resultiere aus dem Nachtrunk zu Hause, während der Autofahrt sei der Pegel deutlich niedriger gewesen, waren sich Angeklagter und Verteidiger einig. »Diese Angaben sind mit dem Ergebnis der Begleitstoffanalyse des Blutes unvereinbar«, hielt ihnen Richter Liegl entgegen.

Reichlmair hätte sich gewünscht, der Richter hätte die von ihm genannten Zeugen geladen, »wenn Sie sich schon hinter dem Gutachten verschanzen«. Dann freilich hätte man auch den Sachverständigen laden müssen, entgegnete Liegl, damit würden sich »gewaltige Verfahrenskosten anhäufen«, die der Angeklagte zahlen müsste. Zugunsten des Schönauers wollte Liegl von einer Blut-Alkohol-Konzentration von nicht über 1,2 Promille ausgehen. »Eben: im Zweifel für den Angeklagten«, kommentierte der Münchner Verteidiger.

Auch die Tagessatzhöhe von 40 Euro wollte der Anwalt nicht hinnehmen, lebe sein Mandant doch derzeit von Hartz IV und habe Schulden abzuzahlen. Er sei nicht einschlägig vorbestraft, obschon sich etliche Einträge im Bundeszentralregister finden. Zweimal Diebstahl, einmal Computerbetrug und einmal Fahren ohne Fahrerlaubnis, zählte Richter Liegl auf.

Zugunsten des 36-Jährigen wollte auch Staatsanwältin Katharina Pladt von lediglich 1,2 Promille ausgehen. »Die 90 Tagessätze aber waren ohnehin schon sehr niedrig«, erklärte Pladt, weshalb sie hier nicht weiter runter gehen wollte. Reichlmair zeigte sich damit einverstanden, liegt doch dieser Wert gerade noch unter der Vorstrafengrenze; und die zehn Euro Tagessatzhöhe entsprächen den derzeitigen finanziellen Verhältnissen des Angeklagten. Auch mit einer zehnmonatigen Führerscheinsperre waren sich Staatsanwältin und Verteidiger einig, sodass sich der Richter in seinem Urteil den beiden anschloss. Eine Ratenzahlung der 900-Euro-Strafe ist möglich. Die nächste Hürde steht im Landratsamt: »Eine medizinisch-psychologische Untersuchung wird mit großer Wahrscheinlichkeit fällig«, warnte Christian Liegl.

Josef Reichlmair war fürs erste zufrieden: »Niemand soll sagen, ich hätte nicht gekämpft wie ein Löwe.« Hannes Höfer