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Die Schachtelmalerin aus der Oberau

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Filigrane Pinselstriche.
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Räuchermandl, selbst bemalt.
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Unzählige Holzstempel.
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Kirchen auf Schachteln.
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Schachtelmalerin Monika Baumgartner. Fotos: Anzeiger/Pfeiffer
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Leimfarben und Pinsel sind das Handwerkszeug der Oberauerin. Seit Jahrzehnten bemalt sie damit allerlei Holzprodukte.
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Wunderschön: In dieser Spanschachtel stecken viele Arbeitsstunden
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Kramperlpassen im Detail: Monika Baumgartner legt viel Wert auf Genauigkeit.
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Engelflügerl in allen möglichen Farben werden gerade getrocknet.

Berchtesgaden – Der Pinsel streicht über die Schachtel. In Sekundenschnelle hat Monika Baumgartner ein hübsches Muster kreiert. Die Schachtelmalerin aus der Oberau hat sich das seltene Handwerk zu ihrem Beruf gemacht. Inzwischen sind ihre Kunstwerke über die Grenzen hinaus bekannt. Aufträge stapeln sich auf ihrem Tisch. Langsam aber sicher denkt die geschickte Handwerkerin ans Aufhören.


Monika Baumgartner arbeitet viel. Vor allem in der letzten Zeit. Wieder mal war ihre handwerkliche Tätigkeit Thema in einem der großen Magazine, die momentan bundesweit Auflagenrekorde verzeichnen. Stapelweise sammelt Baumgartner die Hefte, in denen zahllose Fotos des seltenen Handwerks abgedruckt sind.

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»Nach einer Veröffentlichung steht das Telefon nicht mehr still«, sagt die sympathische Frau mit der geblümten Schürze und dem rosafarbenen Pullover. Kunden aus dem deutschsprachigen Raum melden sich, ordern individuell von Monika Baumgartner bemalte Spanschachteln, Räuchermandl oder wunderschön verzierten Berchtesgadener Weihnachtsschmuck. Nicht nur potenzielle Kunden sind am Apparat. »Einige bieten sich an, zu malen oder wollen es lernen.«

Dabei hat für Baumgartner alles ganz anders begonnen. Gelernt hat sie den Beruf der Anwaltsgehilfin. Aber die Büroarbeit war nicht das, was sie wollte. Also sah sie sich nach anderem um. In der Berchtesgadener Handwerkskunst war gerade ein Maler verstorben. »Da habe ich mich einfach vorgestellt«, erinnert sich Baumgartner. Das Malen lag ihr, »das war immer mein Hobby«. Vielleicht auch, weil bereits der Ur-Großvater Berchtesgadener War gefertigt hatte, besonders gerne Hühnersteigerl. »Ich kaufte mir dann einige Schachteln und versuchte anhand eines Kataloges die für die Handwerkskunst typischen Muster nachzuzeichnen.« Das Vorhaben gelang, den Job bekam sie.

Die Tradition des Schachtelmalens ist alt: 400 Jahre. Einst gab es eigene Malklassen an der Schnitzschule in Berchtesgaden, heute sei daran nicht mehr zu denken. Denn das Schachtelmalen ist ein auf dem absteigenden Ast befindlicher Berufszweig. Die Oberauerin verdient damit ihr Geld. Werbung braucht sie dafür keine zu schalten, einen Internetauftritt gibt es nicht. »Mundpropaganda« lautet das Stichwort.

Die Werkstatt ist ein kleiner Raum mit Regalen und einem Schreibtisch. Überall stehen Ausstellungsstücke in allen Formen und Größen. Vor allem Schachteln. Spanschachteln mit kleinen Kirchlein auf dem Deckel, mit Kramperlpassen, mit fein gezeichneten Mustern. Darüber hinaus Engerl für den Christbaum, Räuchermandl, Christbaumschmuck. Monika Baumgartner kauft die hölzerne Ware an, ihre Aufgabe ist die Bemalung. Viel Zeit nimmt die Farbgebung in Anspruch. Zunächst wird das jeweilige Objekt mit Knochenleim grundiert. »Die Poren des Holzes schließen sich dann besser«, weiß sie. Die Oberfläche wird dadurch geglättet, die Farbe kann sich nicht mehr in das Holz einsaugen. Ist der Leim getrocknet, geht es ans Schleifen. Das ist wichtig, damit die Farbe besser angenommen wird.

Auf dem Schreibtisch der Künstlerin herrscht Ordnung. Die Pinsel stehen im Dutzend in einem Becher, gleich daneben warten die Leimfarben in allen möglichen Tönen. In der ersten Schublade liegen die Holzstempel, einst selbst geschnitzt und wichtig für die schönen Muster, die auf beinahe allen Schachteln prangen.

Die Spanschachtel genoss früher einen besonderen Stellenwert. Sie war Verpackungsmaterial, Pappe und Blech gab es noch nicht. »Alles, was trocken war, kam rein«, weiß die Schachtelmalerin. Berchtesgaden war für Schachtelmaler einst Hochburg. Von hier aus wurde die Berchtesgadener War mit Hilfe von Kraxnträgern wie Anton Adner in die Welt getragen.

Monika Baumgartner ist 1980 zur Handwerkskunst gekommen. »Früher waren wir zu dritt in der Werkstatt«, sagt sie. 2003 machte sie sich selbstständig, arbeitete weiterhin für die Handwerkskunst, Privatkunden kamen dazu, die Baumgartners Können zu schätzen wissen. Vor allem in der Vorweihnachtszeit ordern die Kunden wunderschön bemalte Hutschachteln, Aufbewahrungsboxen mit Portraits oder aber aus Holz gefertigte Geschenke für Gastredner, etwa beim Neujahrsempfang im Kongresshaus.

Aktuell arbeitet Monika Baumgartner an einer Reihe von Weihnachtsengerln. Große Holzfiguren für die Christbaumspitze. In Serie zu bemalen, sei deutlich effektiver als Einzelfiguren. Viele Arbeitsschritte kommen da zusammen, ist einer erledigt, trocknet die Farbe. Jeder Pinselstrich der Schachtelmalerin sitzt wie einstudiert, die Farbauswahl und die Muster typischer Spanschachteln richten sich nach traditionellen Überlieferungen. Auftragsarbeiten, etwa Portraits, malt Baumgartner nach Augenmaß. Der Detailreichtum ist immens, »aufwendige Schachteln nehmen viel Zeit in Anspruch«, sagt die Fingerfertige.

Für das Frühjahr haben sich schon wieder Print- und TV-Medien angekündigt, das Baumgartner'sche Handwerk fasziniert sie. Allzu lange möchte sie aber nicht mehr tagtäglich Spanschachteln bemalen. Sondern den Beruf wieder zum Hobby werden lassen. »Wenn ich 45 volle Arbeitsjahre erreicht habe, habe ich mir die Rente wirklich verdient.«