weather-image
25°

Die Spende bleibt im Talkessel

4.6
4.6
Bildtext einblenden
Erster Vorsitzender Stefan Schlagbauer (r.) und zweiter Vorsitzender Sepp Obraczka des Vereins »Berchtesgaden Hilft« sitzen vor einem Stapel der Lose, die es jetzt in der Adventszeit zu kaufen gibt. Mit dem Erlös werden bedürftige Mitmenschen des Talkessels, aber auch Einrichtungen wie Kindergärten, unterstützt. (Foto: Voss)

Berchtesgaden – Stefan Schlagbauer und Sepp Obraczka wollen, wie das komplette Team des Vereins »Berchtesgaden Hilft«, Spenden sammeln. Diese werden nicht etwa in aller Herren Länder verteilt und verschwinden auf irgendwelchen Konten, sondern bleiben im Berchtesgadener Talkessel. Daher lautet der Leitspruch des Vereins »Fünf Gemeinde – eine Hilfe«. Bei einem Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« erzählen die beiden Vorsitzenden, wie das System funktioniert, was es mit der Los-Aktion im Advent auf sich hat und für wen die Spenden gedacht sind.


17 000 Lose hat der Verein »Berchtesgaden Hilft« schon verkauft, jedes für einen Euro. »Dieses Geld wird zu 100 Prozent an Bedürftige gespendet«, betont Sepp Obraczka. Auch Schulen, Kindergärten und andere Einrichtungen werden unterstützt.

Anzeige

Die Losaktion im Advent funktioniert so: Berchtesgadener Geschäftsleute kaufen dem Verein Lose ab und spenden auch die Gewinne. Bei ihnen gibt es die begehrten Streifen dann zu kaufen. Wer ein Los hat, reißt davon einen Teil ab und steckt ihn in eine der aufgestellten Einwurfkästen. Etwa 55 bis 60 Lose werden jeden Samstag bis Weihnachten, insgesamt fünf Mal, um 17 Uhr auf dem »Berchtesgadener Advent« gezogen. Die Gewinner erwarten tolle Preise, wie zum Beispiel Einkaufsgutscheine im Wert bis zu 100 Euro. Insgesamt haben die Preise heuer einen Wert von über 6 000 Euro. »Die Aktion kommt sehr gut an«, so erster Vorsitzender Stefan Schlagbauer. Er betont auch, dass die Einwurfkästen nach jeder Auslosung wieder geleert werden. Somit haben alle dieselben Chancen auf einen Gewinn.

Bedürftige trauen sich nicht, um Hilfe zu bitten

Aber nicht die Preise sind das Gute an dieser Aktion, sondern die Hilfe für Bedürftige. So kann es zum Beispiel passieren, dass ein Familienmitglied stirbt und die Familie kein Geld für die Beerdigungskosten hat. »Wenn wir davon erfahren, übernehmen wir die Rechnung«, erklärt Stefan Schlagbauer. Oder die Caritas beziehungsweise die Berchtesgadener Tafel melden sich beim Verein und bitten um Hilfe für einen bedürftigen Mitmenschen. Denn Bürger, die Hilfe brauchen, trauen sich oft nicht, das offen zuzugeben, erklärt Sepp Obraczka. Anders herum betrachtet, sind es oft diejenigen, die keine Hilfe benötigen, aber sich trotzdem melden und die Hand aufhalten, wie die beiden Vereinsvorsitzenden erzählen. »Wir gehen persönlich zu jedem nach Hause und reden mit den Leuten«, versichern die beiden. So kann sichergestellt werden, dass das Geld nicht missbraucht wird.

Es werde allerdings ohnehin kein Bargeld verteilt, betont Schlagbauer. »Wir bekommen die Rechnung, zum Beispiel, wenn jemand eine Brille braucht, und zahlen in diesem Falle direkt an den Optiker«, erläutert der erste Vorsitzende das System. Und wer entscheidet, wer Hilfe bekommt und wer nicht? »Dazu treffen wir uns mit dem kompletten Team und beraten uns.« Das Team besteht neben Obraczka und Schlagbauer aus Kathrin Staudinger, Petra Auer und den Ansprechpartnern in den jeweiligen Gemeinden: Angelika Plenk für Bischofswiesen, Edith Lochner für Schönau am Königssee, Sophie Stanggaßinger für Marktschellenberg und Gaby Maltan für Ramsau. Sepp Obraczka ist für Berchtesgaden zuständig.

Häufige Frage: »Wo geht meine Spende hin?«

Der Verein, der schon seit 1999 existiert, veranstaltet immer wieder Spendenaktionen, über das ganze Jahr verteilt. In der jüngsten Zeit, als viele Flüchtlinge nach Berchtesgaden kamen, bekamen die Vereinsmitglieder oft dieselben Fragen zu hören: »Spendet ihr auch etwas an Flüchtlinge? Wo geht mein Geld hin? Wer wird unterstützt und wer nicht?« Dann stellten Schlagbauer und sein Team stets klar, dass es in der Vereinssatzung steht, dass sie nur Bürger des Talkessels unterstützen. Wer kein Bürger der fünf Gemeinden ist, bekommt nichts. Asylbewerber zählen somit nicht zu der Gruppe, an die »Berchtesgaden Hilft« Spenden verteilt. Zum Beispiel gab es auch schon Anfragen aus Bayerisch Gmain und Bad Reichenhall. Aber auch hier ist der Verein nicht zuständig.

Die Mitglieder des gemeinnützigen Vereins erleben immer wieder, wie schön es sein kann, anderen zu helfen. Die beiden Vorsitzenden erzählen so zum Beispiel von einem Fall, als es hieß, eine ältere Dame benötige einen Fernseher. »Normalerweise würde man sagen, einen Fernseher braucht man nicht unbedingt«, sagt Sepp Obraczka. »Aber die Frau hatte niemanden zum Reden und kommt auch nicht mehr vor die Tür. Daher braucht sie ihn, auch um zu erfahren, was passiert.« Bei solchen Fällen erleben die Helfer auch Tränen der Freude und erfahren die Dankbarkeit derjenigen, die wirklich Hilfe brauchen.

Wer auch helfen und etwas spenden möchte, der kann einerseits ein Los kaufen und andererseits natürlich auch eine Geldspende überweisen. Informationen zum Spendenkonto gibt es per E-Mail an info@berchtesgaden-hilft.de, auf der Internetseite www.berchtesgaden-hilft.de und unter der Telefonnummer 08652/3710. Annabelle Voss