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»Die Todesstrafe kann man abwenden«

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Geht von einer Abwendung der Todesstrafe für den wegen Doppelmordes verurteilten Teisendorfer aus: der ehemalige Deutsche Botschafter in China, Günther Schödel. Foto: Archiv/Pfeiffer

Bischofswiesen – Er kennt sich mit dem chinesischen Rechtssystem aus wie kaum ein anderer. Denn der Bischofswieser Günther Schödel war von 1980 bis 1984 Deutscher Botschafter in der Volksrepublik. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem 92-jährigen ehemaligen Spitzendiplomaten über den wegen zweifachen Mordes zum Tod verurteilten Teisendorfer und die Chance, die Todesstrafe abzuwenden.


Herr Schödel, was kann die Deutsche Botschaft in China tun, um die Vollstreckung der Todesstrafe abzuwenden?

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Günther Schödel: Die Deutschen Botschaften haben generell den Auftrag, deutsche Staatsangehörige, die im jeweiligen Land im Gefängnis landen, zu betreuen. Die Deutsche Botschaft in China hat sich von Anfang an um den Mann gekümmert. Die Eltern hatten sich an die Botschaft gewandt. Ich bin überzeugt davon, dass Bundesregierung und Botschaft alles unternehmen, um dem Mann zu helfen. Zu einer Rücklieferung nach Deutschland wird es aber kaum kommen. Denn es gibt kein Auslieferungsabkommen zwischen der Bundesrepublik und China.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Todesstrafe vollstreckt wird?

Schödel: Die deutsche Intervention wird dazu führen, dass die Todesstrafe abgewendet und in eine lebenslängliche Haftstrafe umgewandelt wird.

Haben Sie in Ihrer Zeit in China einen ähnlichen Fall erlebt?

Schödel: In China nicht. Zu meiner Zeit waren da noch nicht viele Deutsche.

Wie denken die Chinesen über die Todesstrafe?

Schödel: Die einen lehnen sie rigoros ab, die anderen befürworten sie stark. Da sind viele Emotionen im Spiel. Man darf aber nicht vergessen, dass es sich hier um einen klaren Fall handelt. Der Mann wurde zurecht verurteilt. Da gibt es nichts zu rütteln.

Auf was muss man als deutscher Tourist oder Geschäftsreisender in China besonders aufpassen, um keinen Ärger mit der dortigen Justiz zu bekommen?

Schödel: Nicht gegen Gesetze verstoßen. Sich normal verhalten. Wie in jedem anderen Land auch. Christian Fischer