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Die Verbindung zweier Welten

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Beeindruckt durch die Leseproben ließen es sich viele Besucher nicht nehmen, sich die »Untersbergsaga 4« mit einem Autogramm des Autors Maximilian Hofer, alias Günter Gscheidlinger, zu sichern. (Foto: Meister)

Berchtesgaden – Autor Maximilian Hofer hat bei einer Matinee im Pfarrheim sein neues Buch »Untersbergsaga« vorgestellt. Hatten die vorangehenden Romane »Unterbergsaga 1 bis 3« regionalgeschichtliche Themen der Fürstpropstei Berchtesgaden zum Inhalt, griff der Autor im vierten Band ein brandaktuelles Problem auf, das nach wie vor im Brennpunkt steht.


Der Autor las verschiedene Passagen aus seinem neuen Buch, das sich die Besucher anschließend, auf Wunsch signiert, kaufen konnten. »De 70er« lieferten den Klangrahmen, Rainer Kanus berichtete über seine Erfahrungen als Deutschlehrer für minderjährige, unbegleitete Flüchtlinge und Hausherr Dr. Thomas Frauenlob sprach zum Thema »Hilfe für Afrika«.

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»De 70er«, das sind Georg und Irmgard Schwarz sowie Georg Birkner, spielten zum Auftakt »Erntedank«. Buchvorstellungen seien in der Region eine seltene Spezies, merkte Ernst Wittmann an. Deshalb freue man sich sehr, dass dies nun mit der »Untersbergsaga 4« geschehe. Es ist der neue Roman von Maximilian Hofer, alias Günter Gscheidlinger. Hofer hat neben einem Kriminalroman bereits drei vorangehende Bücher mit regionalhistorischem Inhalt vorgelegt. Nun hat er sich einem Thema der Gegenwart zugewandt und dazu einen sensiblen Stoff in den Blick gerückt, der landesweit und auch in der Region viel Aufmerksamkeit auf sich ziehe.

Die neue »Untersbergsaga« erzählt von zwei Protagonisten, die eingangs parallel Zeugen und Opfer von Katastrophen werden: Lisa entkommt den Flammen einer brennenden Alm und Tarek entgeht nur knapp dem Tod im umkämpften syrischen Aleppo, wobei er auch den Verlust der Familie hinnehmen muss. Später kreuzen sich die Wege von Lisa und Tarek im Berchtesgadener Land. Nicht nur der Syrer, auch Lisa ist Suchende nach Lebensinhalten. Und gemeinsam gehen sie ein Stück des Weges in die Zukunft. Für den Flüchtling in vielen Belangen und einer fremden Umwelt sicher ungewisser als für die einheimische junge Frau in ihrer Sicherheit versprechenden und vertrauten Welt.

Autor Maximilian Hofer las von ihm ausgewählte Szenen aus seinem Buch und weckte Neugier im Publikum, sich den großen Rest selbst zu erarbeiten. Kaum einer, der nicht »buchbeschwert« den Heimweg antrat. Beispielsweise Berchtesgadens Zweiter Bürgermeister Bartl Mittner.

Rainer Kanus hatte Interessantes zu berichten über das Mühen der Minderjährigen, die aus Afghanistan, Pakistan, Syrien und anderen fernen Ländern ins Berchtesgadener Land kamen. Kanus und zwei andere Engagierten halfen diesen beim Überwinden der Sprachhürde. Ergreifende Einzelschicksale wusste Kanus zu schildern. Er hatte junge Menschen getroffen, die mutig genug waren, Krieg und Verfolgung in der Heimat zu entgehen und sich Neuland zu erobern. Der Deutschlehrer hat noch Kontakt zu den einstigen Schülern und wusste mit Stolz von Ausbildungen und Studien zu berichten. »Vertrauen muss wachsen, das geht manchmal langsam.« Und für einen jungen Flüchtling kann es ein besonderes Erlebnis sein, wenn ihm das »Seepferdchen« in der Watzmann Therme überreicht wird.

Das Mädchen Lisa indes muss nach Simbabwe reisen, um dort als Helferin deutscher Schwestern Elend kennenzulernen, Ungerechtigkeit und Diskriminierung. Aber Hofers Lisa ist ein aufgeweckter Mensch, der die Unvollkommenheiten dieser Welt und deren Ursachen erkennen und sich persönlich einbringen will, um dagegen anzugehen.

Mit viel Einfühlungsvermögen zeigt sie Maximilian Hofer seinem Leser und dies gelingt ihm auch bei der Figur des jungen Syrers. Dieser ist zum einen froh über die neu errungene Freiheit in Sicherheit, zum anderen aber zweifelnd, unsicher und schwankend, ehe er festen Boden unter den Füßen spüren kann.

Pfarrer Frauenlob hatte es schwer, sagte er, die richtigen Stellen zu finden, um das Buch aus der Hand zu legen, weil es so spannend sei. Und in einer Unterbrechung habe er sich schon auf die Fortsetzung der Lektüre gefreut. Natürlich kann ein Roman, der sich einem derartigen Stoff wie der Flüchtlingsproblematik widmet, dem Lesen nicht nur Vergnügen bereiten, aber vielleicht einen klareren Blick auf die Welt, die ja bereits unmittelbar vor der eigenen Haustür beginnt. Dieter Meister