weather-image
19°

Die verschwundenen Engel

3.6
3.6
Bildtext einblenden
Links und rechts stehen jene Engelfiguren, die spurlos verschwunden sind. Aufgestellt waren sie über Jahre am Heiligen Grab in der Bischofswieser Kirche. (Repro: Pfeiffer)

Bischofswiesen – Das Heilige Grab in der Bischofswieser Kirche wurde viele Jahre von zwei Engelsfiguren gesäumt. Die Kirche hat die Engel-Leuchter bereits in den 1940-er Jahren angekauft. Geschaffen hatte dieser der Wahl-Bischofswieser Hermann Zettlitzer, der als einer der großen Plastiker der Sudetendeutschen galt. Die Tochter des Künstlers, die in Schönau am Königssee wohnt, ist nun auf der Suche nach den Engelsfiguren von einst. Denn diese sind spurlos verschwunden.


Am Karfreitag 1949 feierten die beiden Engel in Bischofswiesen Premiere. Sie säumten links und rechts das Heilige Grab in der Kirche, jede Figur etwa einen dreiviertel Meter hoch. Viel mehr ist über die Engelsdarstellungen auch nicht bekannt, weder, aus welchem Material sie geschaffen sind noch die Farbgebung, sagt Hermann Weis, der Schwiegersohn des bereits 1957 verstorbenen Künstlers. Es gibt ein einziges Bild, das die Engel zeigt, schwarz-weiß ist es.

Anzeige

Bis in die 60er oder 70er Jahre seien die Engel am Heiligen Grab gestanden, weiß Hermann Weis. Dann waren sie plötzlich weg und niemand kann sich erinnern, wohin sie kamen. »Sie sind entweder eingemottet worden oder verschwunden.«

Auch im Pfarramt von Bischofswiesen weiß man von nichts. Denn die Pfarrer von damals sind lange Zeit weg, der neue Bischofswieser Geistliche kennt die Engel nur von besagtem Foto. Über deren Verbleib kann er keine Auskunft geben.

Die Engelsfiguren waren von der Kirchengemeinde in den 40er Jahren Hermann Zettlitzer abgekauft worden. Der größte Teil seiner Werke gilt als verschollen und verloren gegangen, wie es in einem Exzerpt aus den 70er-Jahren heißt. Zettlitzer war 1901 in Dux geboren. Von 1920 an besuchte er die Akademie der bildenden Künste in Wien. Danach war er freischaffend tätig und machte sich über die Jahre einen Namen. Mit zahlreichen Preisen wurde er ausgezeichnet, darunter der Königswarther-Preis, der Meisterschülerpreis der Stadt Wien, die Goldene Fügermedaille sowie der Rompreis. Der Höhepunkt seines Schaffens fällt aber in Zettlitzers Berliner Zeit während der Kriegsjahre, in denen er das Atelier des bekannten Bildhauers Franz Metzner übernahm und bald selbst zu den erfolgreichsten deutschen Bildhauern zählte. Sein Geld verdiente er vor allem mit Monumentalplastiken, Porträtbüsten sowie Ehrenmalen.

1943 wurde sein Berliner Atelier von Bomben zerstört, Zettlitzer wurde zum Volkssturm eingezogen, ehe er nach geglückter Flucht aus russischer Gefangenschaft nach Bischofswiesen gelangte. Unter schwersten Bedingungen baute er sich erneut eine Werkstatt auf, bemühte sich um Aufträge. Bei lokalen Kunstausstellungen war er häufig beteiligt.

Und auch überregional hatte er sich zu diesem Zeitpunkt einen Namen gemacht: Die Stadt Traunstein bestellte eine Brunnenfigur bei ihm, Neu-Gablonz erwarb eine Adalbert-Stifter-Büste und eine Antonius-Figur von ihm, das Bonner Vertriebenenministerium kaufte eine Großplastik an. Für die damalige Gemeinde Winkl schuf Zettlitzer das Gefallenen-Denkmal, für das Berchtesgadener Altenheim Gartenputten und für die Bischofswieser Kirche besagte Christus-Figur sowie die beiden Engelsdarstellungen. »Wir würden die Engel gerne wieder haben, zumindest wissen, wo sie sich befinden«, sagt die Tochter des verstorbenen Künstlers. Hinweise über den Verbleib der verschwundenen Kunstobjekte können jederzeit an den »Berchtesgadener Anzeiger« unter redaktion@berchtesgadener-anzeiger.de gerichtet werden (per Briefeinsendung: »Berchtesgadener Anzeiger«, Griesstätterstraße 1, 83471 Berchtesgaden). Kilian Pfeiffer