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»Die volkstümliche Musik muss auch sein«

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Einen Tag vor der Fernsehaufzeichnung im Ramsauer Hotel »Rehlegg« sprach Carolin Reiber mit der Heimatzeitung über ihre Karriere als Fernsehmoderatorin, über das Nebeneinander von Volksmusik und volkstümlicher Musik sowie über die Nöte der Menschen in der »Dritten Welt«. Foto: Anzeiger/Marschner

Ramsau – Die Gemeinde Ramsau war einige Tage Gastgeberin für Carolin Reiber und ihr Fernsehteam vom Bayerischen Rundfunk. Die Münchnerin moderierte gestern Abend im Hotel »Rehlegg« die »Bayerntour« mit volkstümlicher Musik und Beiträgen aus der Gemeinde. Dem »Berchtesgadener Anzeiger« erzählte Carolin Reiber einen Tag vor der Aufzeichnung (Ausstrahlung am 5. Februar um 20.15 Uhr im BR) von ihrer Motivation als Fernsehmoderatorin und von ihrem karitativen Engagement.


Frau Reiber, haben Sie einen speziellen Bezug zur Gemeinde Ramsau oder warum haben Sie sich entschieden, auf Ihrer Bayerntour im Berchtesgadener Land Station zu machen?

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Carolin Reiber: Die Entscheidung trifft immer die gesamte Redaktion. Ich persönlich war schon des Öfteren in der Gegend. Eine meiner schönsten Erinnerungen ist die Sendung »So schön ist unser Deutschland«. Damals haben wir die Gegend unsicher gemacht – vom Königssee über Berchtesgaden bis in die Ramsau. Das war ein richtiges Schmankerl für mich.

Man merkt: Es gefällt Ihnen hier.

Reiber: Ja, natürlich. Gibt es überhaupt jemanden, dem es in dieser Gegend nicht gefällt (lacht)?

Worauf kann sich das Publikum Ihrer Sendung denn freuen?

Reiber: Die Filme, die die Leute am 5. Februar sehen werden, sind grandios – mit wunderschönen Aufnahmen, allein schon von der Stimmung und den Menschen her. Die Gäste, die bei einer Aufzeichnung dabei sind (am gestrigen Dienstagabend; Anm. d. Red.), erleben ja immer hautnah, wie Fernsehen entsteht – mit all den kleinen Pleiten, Pech und Pannen, die ja immer wieder mal passieren. Es ist ja nicht so, dass es eine Bühne gibt, die gefilmt wird, sondern die Kameras gehen durch das Publikum durch.

Also muss jeder Besucher vom Dienstagabend auch damit rechnen, dass er dann im Fernsehen zu sehen ist.

Reiber: Ja, das ist auch gut so (lacht).

Sie sind eine der renommiertesten Moderatorinnen der letzten 50 Jahre. Würden Sie es wieder ganz genauso machen, wenn Sie noch einmal am Anfang stehen würden?

Reiber: Ja. Wenn man wie ich mit dem Schwarz-Weiß-Fernsehen angefangen hat und zusammen mit dem Bayerischen Rundfunk den Leuten immer noch dienen darf, dann ist das eine unglaubliche Freude, Ehre und auch großes Glück.

Haben Sie sich damals ganz bewusst für den Schwerpunkt volkstümliche Musik entschieden?

Reiber: Nein überhaupt nicht, die Möglichkeit gab es gar nicht, denn wir hatten ja als damalige Ansagerinnen die Pflicht, das Programm bundesweit anzubieten. Mit Sendungen wie »Was bin ich?« hofften wir, die Leute bei der Stange zu halten. Es gab ja erst nur die ARD, das ZDF kam später dazu. 1978 habe ich dann das Angebot vom ZDF bekommen, die traditionelle wie auch die volkstümliche Musik zu präsentieren, was aber nur durch die Genehmigung des Bayerischen Rundfunks möglich war. Dann pendelte ich erst mal 28 Jahre zwischen ZDF und dem Bayrischen Rundfunk.

Echte Volksmusik und volkstümliche Musik konkurrieren manchmal miteinander. Wie empfinden Sie das?

Reiber: Im Grunde genommen funktionieren die wunderbar nebeneinander und harmonieren auch gut. Aber es gab und es gibt immer noch Volksmusikgruppen traditioneller Art, die beispielsweise mit einem Heino so wenig wie möglich zu tun haben wollen. Doch der Erfolg auf der volkstümlichen Schiene war sehr viel größer. Unser ehemaliger, wunderbarer Intendant Reinhold Vöth hatte damals einen großen Abend gestartet, davon war die erste Hälfte mit traditioneller Musik und die zweite Hälfte mit volkstümlicher Musik. Das Ergebnis war: Man fand die traditionelle Volksmusik wunderschön, aber die volkstümliche Musik muss auch sein.

Sie engagieren sich für karitative Zwecke, bei der Hilfsorganisation Misereor zum Beispiel. Sie reisten dafür unter anderem nach Kambodscha und Äthiopien. Waren Sie in letzter Zeit mal wieder zu Besuch bei deren Projekten?

Reiber: Ja, letztes Jahr war ich in Äthiopien und dieses Jahr geht es wieder nach Indien. Mir liegen vor allem die Frauen am Herzen. Wenn man sich überlegt, dass zwei Drittel der Männer weltweit die Frauen verachten, dann ist da noch eine ganze Menge zu tun. Gegen diese Diskriminierung und vor allem auch gegen die mangelhafte Bildung der Frauen, sind »Misereor« und »Brot für die Welt« im Einsatz. Es ist doch schrecklich, wenn Frauen ihre Kinder auf dem Markt verkaufen, weil sie nicht wissen, wohin mit ihnen. Das sind minderjährige Frauen, die vom Hausherrn vergewaltigt worden sind und deren Ausweg es ist, das Kind zu verkaufen oder gar zu verschenken. Und für die Bildung kann man sich nicht genug einsetzen, denn die Jungen werden in vielen Ländern ausgebildet, aber nicht die Mädchen. Ich sage immer: Die Frauen sind eigentlich die, die Kultur und Tradition in der Familie pflegen.

Dann sehen Sie auch sehr viel Leid auf Ihren Reisen.

Reiber: Es gibt fast keine Slums, die ich noch nicht kenne. Übervölkerung ist dabei ein schwieriges Thema. Wenn ich zum Beispiel in Manila bin und aus dem Papierzelt einen Mann kommen sehe, dem neun Kinder und seine schwangere Frau folgen, dann frage ich mich: Warum hilft man den Menschen nicht ein wenig durch Geburtenkontrolle?

Wo machen Sie denn nächstes Mal Station mit Ihrer Bayerntour?

Reiber: In Lindenberg im Allgäu. Endlich mal wieder Allgäu (strahlt).

Wissen Sie schon, was Sie dort erwartet?

Reiber: Nein, noch gar nicht. Das entscheidet sich kurzfristig. So zwei bis drei Wochen vorher.

Wie würden Sie Ihr aktuelles Lebensgefühl beschreiben?

Reiber: Gut (lächelt).

Gibt es etwas, was Sie sich wünschen?

Reiber: Dass mein Team gesund bleibt und der Zusammenhalt weiterhin so gut bestehen bleibt. Susann Marschner