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Foto: Symbolbild (dpa)

Diebstahl aus Insolvenzmasse? Pidinger räumt Tat vor Gericht ein

Berchtesgadener Land – Die Anklageschrift listete eine ganze Reihe an fehlenden Gerätschaften und Verkaufshütten auf. Die soll ein 55-jähriger Geschäftsmann aus der Insolvenzmasse seines Unternehmens gestohlen haben. Nach einer Verständigung kam der Familienvater am Amtsgericht Laufen mit einer Bewährung davon.


Die Sache liegt mehr als zwei Jahre zurück. Und sie ist kompliziert, denn auf dem umzäunten Firmengelände lagerte eine ganze Menge. Darunter beispielsweise Grillöfen, Kühlzellen und andere Profi-Gastro-Maschinen. »Das Problem war, wir wussten nicht, was dort ursprünglich alles vorhanden war«, erklärte ein Beamter der Polizeiinspektion Freilassing vor Gericht. Man habe auf die Angaben anderer Unternehmen und der österreichischen Konkursverwalterin vertrauen müssen. Bei einem Ortstermin hatte der Beamte dem Angeklagten jedoch gesagt, dass er nichts davon wegbringen dürfe.

Und doch soll er Sachen abtransportiert haben. »Mir wird hier schwerer betrügerischer Betrug vorgeworfen«, echauffierte sich der Pidinger, der die Taten bestritt. Tatsächlich lautete die Anklage auf Diebstahl. Noch vor Einvernahme der sieben Zeugen regte Richter Josef Haiker selbst ein Rechtsgespräch an, um möglicherweise zu einer Verständigung zu gelangen. Was auch gelang.

Das Ergebnis des langen Rechtsgesprächs: Sollte der Angeklagte den Diebstahl eines Gabelstaplers, einer Kühlzelle und einer Christkindlmarkthütte einräumen, so könne er mit einer Freiheitsstrafe zwischen acht und zwölf Monaten zur Bewährung rechnen. Das Verfahren zu weiteren gelisteten Geräten und Buden würde dann eingestellt. Der 55-Jährige ist fünffach vorbestraft. Wegen Verstoßes gegen das Lebens- und Futtermittelgesetzbuch und einem Fahren ohne Haftpflichtversicherung war er zu Geldstrafen verurteilt worden.

Eine vielfache Veruntreuung und das Vorenthalten von Arbeitsentgelt hatten ihm ein Jahr und neun Monate eingebracht, ausgesetzt auf drei Jahre zu Bewährung. Zuletzt war er in der aktuellen Sache wegen grob fahrlässiger Gefährdung von Gläubigerinteressen in Salzburg zu sechs Monaten auf Bewährung verurteilt worden. Staatsanwältin Carolin Regensburger verwies auf die offene Bewährung und die diversen Vermögensdelikte des Angeklagten. Sie beantragte zum einen die maximal anvisierten zwölf Monate sowie eine Geldauflage von 5 000 Euro. »Die Anklage ist etwas dünn«, stellte Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer fest.

Der Verteidiger würdigte das Geständnis und die Verständigung, was eine umfangreiche Beweisaufnahme erspart habe. Er wiederum sah acht Monate als Tat und Schuld angemessen. Richter Josef Haiker schloss sich dieser Sicht an. Die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Josef Haiker sprach von einer »undurchsichtigen Situation«, da sowohl Firmen- als auch Privateigentum dort gelagert gewesen sei.

Die Vorstrafen beschrieb Haiker »alle aus dem Dunstkreis des Unternehmertums«. Weil der Angeklagte nun aber kein Unternehmen mehr betreibe, erachtete der Richter eine Wiederholungsgefahr als gering.

Die 5000 Euro hat der Pidinger in monatlichen Hundert-Euro-Raten abzustottern.

höf