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Digitale Fahrbahnen und Dieselluft – Deutsche Asphalttage im AlpenCongress

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Lieferten sich einen gewitzten verbalen Schlagabtausch: Bundesverkehrsstaatssekretär Rainer Bomba (l.) und Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Die 19. Deutschen Asphalttage im AlpenCongress mit insgesamt rund 1 000 Teilnehmern sind am Mittwochnachmittag offiziell eröffnet worden. Am Abend stellten sich die prominenten Redner den Fragen der Fachpresse und diskutierten leidenschaftlich über die aktuellen Streitthemen des Straßenverkehrs. Darunter auch die drohenden Fahrverbote für Dieselautos.


Die Herren kennen sich, die Herren duzen sich. Die Stimmung war jovial locker, als Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann, Bundesverkehrsstaatssekretär Rainer Bomba und ADAC-Vizepräsident Ulrich Klaus Becker sowie die Chefetage des Deutschen Asphaltverbands den Konferenzraum betraten. Fachjournalisten aus ganz Europa lauschten brav ihren Ausführungen.

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Staatssekretär Bomba betonte, dass die Sanierung und Modernisierung von Infrastruktur sinnvoller als ein »beliebiger Ausbau« sei. Außerdem kündigte er den Ausbau der Schieneninfrastruktur an. »Der ist am dringendsten.« Bomba erachte es als wichtig, Asphalt- und IT-Branche besser zu vernetzen. »Denn es ist unwahrscheinlich, dass die Straßen gleich bleiben, wenn sich bei den Autos alles ändert«, so der Staatssekretär. »Straße kann mehr als Asphalt und Beton.« So sei es beispielsweise denkbar, die Energie von heißen Straßen im Sommer im Winter für das Erwärmen des Belags zu nutzen. Für Rainer Bomba läuft die Zeit von Verbrennungsmotoren ab. E-Mobilität sei aber nur mit erneuerbaren Energien sinnvoll. Er forderte eine Offenheit gegenüber neuen Ideen. Dennoch sei klar, dass bahnbrechende Entwicklungen Jahrzehnte brauchen.

Auch ADAC-Vizepräsident Becker plädierte für die Ertüchtigung des Straßennetzes. Neubauten seien von untergeordneter Bedeutung. Nach einer langen Phase, in der »Infrastruktur nicht sexy« gewesen sei, befinde sich die Politik nun auf einem guten Weg. Er gehe davon aus, dass E-Mobilität bis 2030 großteils aus regenerativen Quellen möglich sei. »Ich baue auf die Innovationskraft der deutschen Unternehmen«, so Becker.

Weit auseinander gingen jedoch die Meinungen zu Diesel-Fahrverboten. Während Hermann eine sogenannte »blaue Plakette« zur Kennzeichnung besonders gesundheitsgefährdender Fahrzeuge forderte, setzt Rainer Bomba auf einen sanften Übergang zu sauberer Mobilität. Durch einen »sukzessiven Technologiewechsel« sollen Dieselfahrer, derzeit immerhin über 50 Prozent der Fahrzeugnutzer, von Verboten verschont bleiben. Denn binnen kürzester Zeit Millionen von sauberen Fahrzeugen auf die Straße zu bringen, sei schlichtweg unmöglich.

Einig waren sich beide in ihrer heftigen Kritik an der Automobilindustrie. »Diese Branche macht einen richtig schlechten Job«, sagte Hermann. »Sie betrügt ihre Kunden.« Auch Verkehrsstaatssekretär Bomba prangerte die »Trickserei« von VW und Co. an. Christian Fischer