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Doch kein Manager für die Gesundheits-Region

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Das Team der Wirtschaftsförderungsgesellschaft besteht aus vier festen Mitarbeitern sowie je nach Projekten aus drei bis fünf Teilzeitmitarbeitern. (Foto: WFG BGL)

Bad Reichenhall – Mit viel Lob verpackt genehmigten die Kreisräte einstimmig das Budget der Wirtschaftsförderung für 2015. Es sieht Einnahmen von 652 000 Euro und Ausgaben in Höhe von 640 000 Euro vor. In den Einnahmen sind ein Zuschuss vom Landkreis in Höhe von 310 000 Euro enthalten sowie ein Betrag von 105 000 Euro, den die Sparkasse Berchtesgadener Land als Sponsor überweist. Kritik kam lediglich von SPD-Kreisrat Hans Metzenleitner, allerdings nicht an der WFG, sondern am Kreistag selbst. »Die interkommunale Zusammenarbeit bei den Gewerbeflächen ist gescheitert, jetzt müssen wir andere Wege gehen und die Regionalplanung deutlich verbessern«, so Metzenleitner selbstkritisch. Gescheitert ist die WFG mit dem Versuch, einen Manager für die Gesundheitsregion zu etablieren, der sich um Prävention, Reha und den Tourismus kümmern sollte. Schuld daran ist ein neuer Zuschnitt der Ministerien nach der Landtagswahl.


Thomas Birner als Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft (WFG) berichtete im Kreistag über 120 Unternehmensbesuche, die er und sein Team in diesem Jahr absolviert hätten. »Wir haben 47 Gründer unterstützt, das Highlight ist zweifelsohne das Explorer-Hotel in Schönau am Königssee«, so Birner. Er stellte auch fest, dass die WFG eine branchenübergreifende Branchenagentur sei, sich also sowohl um den Tourismus als auch um Handwerks- und Gewerbebetriebe kümmere.

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Wichtig im nächsten Jahr sei unter anderem der Ausbau von Glasfasernetzen, um auch den Unternehmen schnelleres Internet anbieten zu können. »Hier gibt es spezielle Förderprogramme für die Gemeinden«, so Birner, die er in den nächsten Wochen den Gemeinden vorstellen werde. Federführend beim Ausbau sei das Vermessungsamt, der Antrag auf Ausbau sei dann Aufgabe der Kommunen.

Neben einer Energie-Initiative und dem Versuch, mehr Güter auf die Schiene zu bekommen, sei auch der Fachkräftemangel eines der Hauptthemen 2014 gewesen. »Auf der BIM in Salzburg hatten unsere Firmen wieder 30 000 potenzielle Kontakte«, so Birner. Die von der IHK im vergangenen Jahr geplante Konkurrenzveranstaltung sei zudem vom Tisch. Neben der BIM wird es 2015 sogenannte Industrie-Exkursionen geben, gemeinsam mit der Uni Salzburg und der Salzburger Industriellenvereinigung. »Viele Studenten in Salzburg kennen die Industriebetriebe im Berchtesgadener Land nicht, sondern nur BMW und andere in München«, erklärte Birner den Hintergrund der Initiative.

Rückschlag bei Förderung für Gesundheitsregion

Einen Rückschlag habe die WFG erlitten mit ihrem Versuch, mit der Hilfe der »Gesundheitsregion Bayern« auch entsprechende Mittel in den Landkreis zu bekommen. Zusammen mit der Kur-Gesellschaft in Bad Reichenhall habe die WFG zwei Jahre auf die entsprechenden Förderungen hingearbeitet, »es gab auch schon eine mündliche Zusage, doch nach der Landtagswahl und dem Ministerwechsel sind wir aus dem Spiel, da es im Gesundheitsbereich jetzt keine Wirtschaftsförderung für den Tourismus mehr gibt«, erklärte Birner. Der Hintergrund ist, dass ursprünglich in der WFG ein Gesundheits-Netzwerk-Manager etabliert und vom Freistaat gefördert werden sollte, der sich um die Bereiche Prävention, Reha und Tourismus hätte kümmern sollen.

»Früchte der Arbeit werden geerntet«

In der Aussprache über die Arbeit der WFG waren alle zu Wort kommenden Kreisräte voll des Lobes. »Der Wirtschaftsförderung gelingt es, das zehn- bis 20-fache an Mitteln bei den Förderstellen hereinzuholen, als sie kostet«, so zum Beispiel Richard Graßl von der CSU. Die WFG sei die erfolgreichste in ganz Oberbayern, »die Früchte der Arbeit können nun geerntet werden«.

Hans Metzenleitner von der SPD findet es erstaunlich, »was von diesem kleinen Team in einem Jahr geleistet wird, die WFG hat einen entscheidenden Mehrwert gebracht«. Die WFG sei nach zwölf Jahren sowohl in der Wirtschaft als auch in der Bevölkerung angekommen, Kritik übte Metzenleitner an sich und den anderen Kreisräten: »Die interkommunale Zusammenarbeit für Gewerbegebiete ist gescheitert, jetzt müssen wir andere Wege gehen«, so Metzenleitner. Die Regionalplanung für die Gemeinden im Norden müsse deutlich besser werden, »es gibt immer wieder hoffnungsvolle Projekte, die dann aber scheitern, weil entsprechende Gewerbeflächen nicht vorhanden sind«.

BGL zur Metropolregion München?

Für Franz Schießl von den Freien Wählern »ist die WFG aus dem Landkreis nicht mehr wegzudenken«, es gebe nicht nur Leuchtturmprojekte, sondern alle Aktivitäten seien bei der WFG gut aufgehoben. Auch bei neuen Gewerbeflächen habe Birner immer den Finger in die Wunde gelegt, »bitte bleiben Sie ein Mahner bei den Defiziten«.

Für die Grünen regte Edwin Hertlein an, »ob es nicht Sinn machen würde, dass das Berchtesgadener Land wie andere Landkreise der Metropolregion München beitritt«. Birner und Grabner sind dagegen. »München ist ein Moloch und saugt viel ab«, entgegnete Grabner, »aber das kostet auch viel Geld, und überhaupt sind wir eher in Richtung Salzburg orientiert.« Auch für Birner steht fest, »dass der Aufwand in keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag steht. Salzburg ist unser Zentrum, auch wenn das nicht immer ganz einfach ist.« hud