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Dokumentation landet im »Schwarzbuch«

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Kostenexplosion an sensiblem Ort: Die Dokumentation wird teurer, dafür gibt es eine öffentliche Rüge vom Bund der Steuerzahler. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – »Inkompetenz«, »kopfloses Handeln« und »Geltungssucht« macht der Bund der Steuerzahler in seinem »Schwarzbuch« als Grund für die massive Kostensteigerung bei der Erweiterung der Dokumentation Obersalzberg aus. Landrat Georg Grabner hält die Kostensteigerung zwar ebenfalls für »ärgerlich«, aber eben auch für »notwendig«.


Bereits im Planungsstadium seien die Kosten für die Dokumentation, die jedes Jahr von knapp 170 000 Personen besucht wird, explodiert, heißt es im »Schwarzbuch«. Bis zu 1 500 Leute kommen pro Tag in der Hauptsaison, das Interesse an der Dauerausstellung wächst. Weil das Besucheraufkommen weiterhin steigt, die Ausstellung aber viel zu klein ist, gibt es seit Jahren den Plan für einen großen Erweiterungsbau samt 35 Meter langem Stollen und Rundgang durch die ehemalige Bunkeranlage. Die ursprünglich geschätzten 14,6 Millionen Euro für die Erweiterung können aber nicht eingehalten werden. Die Gesamtinvestitionssumme steigt daher auf rund 21,35 Millionen Euro. Die Ursache für diese Zusatzkosten seien zurückzuführen auf die spezifischen Anforderungen des Erweiterungsbaus wie etwa die Lüftungstechnik, den Brandschutz sowie die Barrierefreiheit, heißt es von offizieller Seite.

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Diese Kostenexplosion war vor einigen Monaten auch dem Ausschuss für Staatshaushalt und Finanzfragen im Bayerischen Landtag zu viel. Dieser hatte daher die »Haushaltsunterlage Bau für die Erweiterung der Dokumentation Obersalzberg« zurückgestellt. Die Kosten standen auf dem Prüfstand. In einer Mitteilung des Bayerischen Finanzministeriums hieß es: »Dazu hat das Bayerische Staatsministerium der Finanzen, für Landesentwicklung und Heimat die Oberste Baubehörde im Bayerischen Staatsministerium des Innern gebeten, in enger Abstimmung mit den Nutzern der bestehenden Dokumentation Obersalzberg – dem Institut für Zeitgeschichte als wissenschaftlichem Betreuer sowie der Berchtesgadener Landesstiftung als Betreiberin der Dokumentation – baulich umsetzbare sowie wissenschaftlich vertretbare Einsparvorschläge zu erarbeiten, welche auch eine Bewertung des Umgangs mit der Bunkeranlage beinhalten.« Schließlich gab der Haushaltsausschuss aber grünes Licht für die 21,3 Millionen Euro für den Erweiterungsbau.

Der Bund der Steuerzahler schreibt in seinem Detailgutachten, dass »die Leidtragenden der massiven Kostenexplosion letztlich die bayerischen Steuerzahler« sein werden. Es bleibe zu hoffen, »dass es doch noch gelingen wird, Einsparungen bei den Baukosten der Dokumentation Obersalzberg zu realisieren.«

Die Sprecherin des Instituts für Zeitgeschichte und der Dokumentation Obersalzberg, Simone Paulmichl, sagt, dass die Einrichtung »für diesen enormen Zustrom völlig unterdimensioniert« sei. Es sei deshalb »allseitiger Wunsch, die Dokumentation baulich zu erweitern und die Chance zu nutzen, damit auch die Ausstellung an einem so sensiblen historischen Ort auf den neuesten Stand der Forschung und der Museumsdidaktik zu bringen.« Die bautechnischen Anforderungen an das Projekt seien hoch, die Kostenschätzungen der Baubehörden seien in der Feinplanung des Projekts daher teurer ausgefallen. »Dennoch liegt die Dokumentation damit immer noch völlig im Rahmen dessen, was vergleichbare Museumsprojekte gekostet haben«, sagt Simone Paulmichl, die Anfang nächsten Jahres mit dem Beginn des Erweiterungsbaus auf dem Obersalzberg rechnet.

Landrat Georg Grabner sagt, dass die Erweiterung schon von Anfang an »im Landtag kritisch begleitet wurde.« Die Kostensteigerungen seien »natürlich ein Ärgernis«, aber man müsse die Vorgeschichte dazu kennen. Die anfangs kolportierten 14,6 Millionen Euro seien ein »Schätzbetrag« während des Architektenwettbewerbs gewesen. Das jetzige Konzept sehe aber einen Neubau vor, integriert im Hang eines Hügels. Da die Dokumentation Obersalzberg »national wie international höchste Anerkennung erfährt«, sei es notwendig, das Vorhaben entsprechend zu realisieren. Die Kostensteigerung habe nicht nur den 35 Meter langen Stollen als Ursache, sondern auch etwa den Brandschutz sowie die Barrierefreiheit der künftigen Ausstellung. Diese Fehldarstellung werde regelmäßig in die Öffentlichkeit getragen. Kilian Pfeiffer