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Don Camillo und Peppone besuchen das Kongresshaus

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So gut schmecken die Blätter der Bäume vor dem Kongresshaus.
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Eugen Treichl mit Don Camillo und Peppone, den tierischen Begleitern auf ihrem Weg entlang des Salzalpensteigs. In Berchtesgaden gefiel es den vierjährigen Lamas schon recht gut. (Fotos: Pfeiffer)
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Vorsicht, Engstelle: Der Hund hat Angst, dem Lama ist es egal.

Berchtesgaden – Peppone ist ganz schön verfressen. Und wenn man Don Camillo so betrachtet, scheint es ihm auch ganz gut zu schmecken auf der kleinen Grünfläche vor dem Kongresshaus in Berchtesgaden. »Doof schauen und ständig am Mampfen«, sagt Eugen Treichl mit einem verschmitzten Lächeln. Gemeinsam mit Ehefrau Traudl sind sie die Halter der beiden gefräßigen Lamas mit den großen Kulleraugen und derzeit drauf und dran, den kürzlich eröffneten Salzalpensteig zu meistern – mit tierischer Begleitung.


Die Blicke der Taxifahrer, die gleich neben der Grünfläche auf Kundschaft warten, sind auf die beiden Tiere gerichtet. Vier Jahre alt sind Peppone und Don Camillo, verwandtschaftstechnisch könnte man sie als Halbbrüder bezeichnen. Logisch, dass es da auch mal einen Zwist gibt. Dann kann es schon mal sein, dass Peppone auf den Bruder eine Ladung Speichel abfeuert. Nicht gerade vornehm, aber so macht man das halt unter Lamas.

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Wenn Traudl und Eugen Treichl über ihre Tiere sprechen, ist die Verbundenheit spürbar. Die Lamas nehmen einen wichtigen Platz in ihrem Leben ein. »Wir haben mal bei einem Lama-Trekking teilgenommen.« Ein tolles Erlebnis. Die Faszination für die Tiere war groß. Und der Entschluss gefasst, selbst Lamas halten zu wollen. Die Rahmenbedingungen sind schließlich gegeben. Die Treichls wohnen in Elixhausen bei Salzburg. Dort haben sie viel Platz, einige Schafe sowieso. »Für ein Lama benötigt man rund 1 000 Quadratmeter«, sagt Eugen Treichl. Viel Gras, ein bisschen Heu – dann ist der Paarhufer auch schon zufrieden. Der Charakter entspreche dem einer Katze. Eine wirkliche Menschenbindung bauen die Tiere nicht auf, »auch, wenn sich das der Mensch gerne einredet«, sagt Traudl Treichl. Nimmt man Lamas, die zur Art der Kamele zählen, allerdings an einem Strick mit, sind die gewöhnlich in den südamerikanischen Anden verbreiteten Tiere hervorragende Begleiter über Stock und Stein.

Und genau das ist es, was die Treichls lieben: zu wandern. Jeden Tag neue Orte zu bereisen. Zu Fuß. Gemeinsam mit Don Camillo und Peppone, beide gebürtige Pinzgauer, zusammen bringen die tierischen Geschwister etwa 200 Kilogramm auf die Waage. Hinzu kommt das Gepäck der Treichls, das in mehreren Taschen auf dem Rücken der Tiere mittransportiert wird. Entgegen der landläufigen Meinung, Lamas könnten beritten werden, dienen sie nur als ausdauernde Gepäckträger, die locker auch mal 20 Kilometer am Tag laufen. Immer mit Pausen und immer am Schnabulieren.

Aktuell sind die Treichls auf dem Salzalpensteig unterwegs. Gestartet waren sie in Prien am Chiemsee, am Montag kamen sie in der Ramsau an, weiter ging es zum Königssee, genächtigt wurde in einer Pension, »bei der wir unsere Lamas an einem Baum festbinden konnten«.

Natürlich schlafen die Wanderfreunde auch häufig draußen in der Natur. Mit im Gepäck: ein Zelt, darüber hinaus ausreichend Verpflegung für die lange Reise. Immerhin erstreckt sich der Salzalpensteig über eine Strecke von rund 230 Kilometern. »Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen«, sagte schon einst der Humanist Georges Duhamel – und genau so sehen es auch die Treichls. »Viel zu spät begreifen viele die versäumten Lebensziele«, heißt es auf dem Internetauftritt der beiden Österreicher. Ein paar Wochen zu Hause – und schon packt sie erneut die Lust am Wandern. Die natürliche Ruhe, die Langsamkeit abseits der alltäglichen Hektik.

Don Camillo und Peppone gehen gemächlich mit, am liebsten bei kühleren Temperaturen, gerne auch bei Regen. Das dichte Fell schützt die Tiere. Erst kürzlich wurden sie geschoren, aber selbst das kurze Fell trotzt dem Regen. Zu trinken brauchen die Lamas kaum etwas. Sie nehmen Flüssigkeit durch die Nahrung auf. Gras, Blätter, Wiesenblumen – besonders wählerisch sind die Lamas nicht. Nur bei Oleander. Da müssen die Treichls aufpassen. Don Camillo und Peppone könnten sich vergiften. Enden könnte das sogar tödlich, sagt Eugen Treichl.

Das Gras am Kongresshaus Berchtesgaden fressen die Tiere hingegen mit großem Genuss. Gestärkt geht es dann weiter zum Dürrnberg, der nächsten Station der Gruppe. Dort treffen sich die Treichls mit einem Lamazüchter, der sie einige Tage begleiten wird auf ihrer Wanderung auf dem Salzalpensteig. Das Ziel: der Hallstätter See. Weitere Exkursionen sind bereits geplant, etwa die Alpe Adria, 800 Kilometer, vom Großglockner bis nach Triest, zwei Monate Zeit wird die Reise in Anspruch nehmen, sagt Eugen Treichl, während sie sich von Berchtesgaden verabschieden. Die Temperaturen an diesem Tag sind niedrig, gerade eben hat der Regen eingesetzt. Eine Frau mit Kind bleibt stehen, fragt, ob hier ein Zirkus sein Zelt aufschlägt. Eine Spaziergängerin mit Hund schaut verwundert drein, als ihr die Lamas zwischen Kongresshaus und Altem Friedhof begegnen. Der Hund beäugt die Tiere ungläubig. Der Hund interessiert die Lamas kaum.

Nur das kleine Kind ist ganz begeistert von den großen Tieren mit dem langen Hals. Ein Pferd? »Nein, das ist ein Lama«, sagt die Mutter, während sie Don Camillo und Peppone hinterherschaut. Kilian Pfeiffer