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»Dort oben fühle ich mich 30 Jahre jünger«

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Ist lieber auf der Rennstrecke als auf der Autobahn unterwegs: Rallye-Legende Walter Röhrl. (Foto: Fischer)

Berchtesgaden – Beim Telefoninterview sitzt er gerade im Auto. Wo auch sonst. Rallye-Legende Walter Röhrl ist am Wochenende erneut der Stargast des Roßfeld-Bergpreises, der heuer unter dem Motto »Die Autos des Walter Röhrl« steht. Der »Berchtesgadener Anzeiger« sprach mit dem »Langen« über das beste Auto der Welt, Frust auf dem Golfplatz und Vollidioten auf der Autobahn.


Herr Röhrl, können wir das Interview jetzt machen?

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Walter Röhrl: Seien Sie bloß froh, dass ich so halbwegs ansprechbar bin. Denn das könnte auch ganz anders laufen.

Was ist denn los?

Röhrl: Ich war gerade auf dem Golfplatz. Und nach dem Golfen bin ich fast immer schlecht drauf.

Warum das denn?

Röhrl: Ja, weil ich jeden Sport kann. Nur eben Golf nicht. Das macht mich fertig. Aber heute hat es einigermaßen funktioniert.

Beim Roßfeld-Bergpreis dürfen Sie mit allen Autos Ihrer erfolgreichen Laufbahn fahren. Auf welches freuen Sie sich am meisten?

Walter Röhrl: Auf den Opel Ascona aus dem Jahr 1975. Mit ihm habe ich bei der Akropolis-Rallye meinen ersten WM-Sieg errungen. Dieses Auto war ein Meilenstein. Ich hoffe, dass es am Wochenende da ist. Denn das steht noch nicht endgültig fest. Aber der Veranstalter, der Herr Althammer, kriegt das schon hin. Ich muss aber schon noch sagen, dass ich mich auch auf die anderen Fahrzeuge freue. Zum Beispiel auf den Porsche 911 San Remo aus dem Jahr 1981. Das waren tolle Autos. Wenn ich mit denen auf dem Roßfeld fahren darf, fühle ich mich 30 Jahre jünger.

Mal angenommen, Sie würden am Wochenende auf dem Roßfeld ein Auto zerlegen. Was würde da passieren? Wäre das schlimm?

Röhrl: Am schlimmsten wäre mein Zustand. Ich würde mich wahrscheinlich am nächsten Baum aufhängen. Oder irgendwo runterspringen. Da darf einfach nichts passieren. Es sind ja nicht meine Autos. Die Zuschauer mögen es natürlich, wenn ich Vollgas gebe. Aber in diesem Fall halte ich mich zurück.

Das ist verständlich. Immerhin sind Sie diese Autos zum Teil seit Jahrzehnten nicht mehr gefahren.

Röhrl: Genau. Ich brauche mit einem fremden Auto immer erst drei Kurven, bis ich weiß, was das Auto macht. Gerade ältere Fahrzeuge reagieren oft nicht so, wie ich es erwarte.

Wären Sie mit einem aktuellen Rallye-Auto schneller auf dem Roßfeld?

Röhrl: Ja. Um etwa 30 Sekunden. Im vergangenen Jahr habe ich bei feuchter Straße 3,20 Minuten gebraucht. Mit einem modernen Auto, würde ich bei trockener Fahrbahn etwa 2,55 Minuten brauchen.

Welches Auto fahren Sie eigentlich privat am liebsten?

Röhrl: Ich bin ein hoffnungsloser Porsche-Fan. Zurzeit habe ich einen 911 Turbo S als Dienstwagen. Das ist das beste Auto der Welt.

Wirklich?

Röhrl: Ja, wirklich. Da können Sie morgens Ihre Frau zum Bäcker schicken, dann auf Geschäftsreise gehen, dann ein Rennen damit fahren und im Winter gemütlich in den Skiurlaub rauschen. Der hat 580 PS und braucht nur 10 Liter.

Macht Ihnen das Autofahren im Alltag überhaupt Spaß. Bei den ganzen Geschwindigkeitsbeschränkungen?

Röhrl: Nein. Leider muss ich ziemlich viel mit dem Auto fahren. Das ist eine Belastung, geradezu eine Höchststrafe. Manche Autofahrer bringen mich zur Verzweiflung. Meine Frau sagt dann immer: »Walter, beruhige dich. Du musst dich vorbildlich benehmen.« Aber das ist schwierig bei den vielen Vollidioten. Vor allem die Schleicher auf der linken Spur machen mich fertig. Und Autofahrer, die sich mit ihrem Hirn auf alles Mögliche konzentrieren, nur nicht auf das Fahren. Da schreibt eine Frau in ihrem alten Fiat Ritmo SMS und ein Mercedes-Fahrer träumt von seiner Freundin. Das geht im Auto aber nicht. Da muss man sich vorausschauend verhalten. Deshalb freue ich mich schon auf das Wochenende. Da kann ich alleine auf dem gesperrten Roßfeld fahren.

Noch eine ganz andere Frage. Wer passt dann eigentlich auf Ihre Katze auf?

Röhrl (traurig): Oh, das ist eine schlechte Frage.

Wieso?

Röhrl: Mein Liebling ist vor Kurzem gestorben. Ich bin in Trauer.

Das tut mir leid.

Röhrl: Sie war lange krank. Und jetzt wissen meine Frau und ich nicht, ob wir uns wieder eine kaufen sollen. Oder vielleicht einen Hund. Denn ich halte es auf Dauer ohne ein Tier nicht aus. Ich bin auf Tiere fixiert. Ich träume oft sogar von Katzen. (überlegt) Aber vorerst kaufen wir uns keine mehr. Denn meine Frau musste immer zuhause bleiben, wenn ich über Nacht irgendwo war. Zum Beispiel auch beim Roßfeld-Bergpreisen. Christian Fischer