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Dr. Daniel Müller: »Wald und Wild geht es gut«

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Dr. Daniel Müller sieht den Forstbetrieb Berchtesgaden, für den er verantwortlich ist, auf einem guten Weg. (Foto: Kastner)

Berchtesgaden – »Dem Wald und dem Wild geht es gut«. Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden, ist erkennbar zufrieden mit der Entwicklung seines Forstbetriebs im Geschäftsjahr 2017. Das betrifft nicht nur den Zustand des Waldes, der in den letzten Jahren deutlich verjüngt und durch eine Erhöhung des Tannenanteils gleichzeitig in seiner Struktur verbessert werden konnte, sondern auch das Geschäftsergebnis. Das »Erfolgsergebnis« bezifferte Müller gestern in Berchtesgaden auf 1,14 Millionen Euro.


Dass man die Ergebnisse zwischen 1. Juli 2016 und 30. Juni 2017 erst jetzt vorlegen könne, begründete Müller mit dem beträchtlichen Aufwand im Rahmen der Kehlsteinwege-Sanierung und einem erschütternden Todesfall in der Verwaltung. Die Zahlen, die der Forstbetriebsleiter dann präsentierte, beinhalteten den gesamten Forstbetriebsbereich zwischen Laufen-Lebenau und Petting im Norden, Hammer im Nordwesten und Berchtesgaden im Süden.

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93 000 Festmeter Holz wurden im Geschäftsjahr 2017 im Forstbetrieb Berchtesgaden eingeschlagen. »Wir sind damit ziemlich genau im Plan. Nachhaltiges Wirtschaften ist gewährleistet, wir halten den Vorrat stabil«, so der Forstbetriebschef. Der freute sich besonders über die vorläufigen Zahlen, die die im letzten Jahr durchgeführte Waldinventur ergaben. »Der Anteil der Tanne hat sich spürbar auf rund 14 Prozent erhöht«, verkündete Müller. Noch im Jahr 2006 hatte man einen Anteil von lediglich 8 Prozent festgestellt. Dass gleichzeitig auch die Verbissquote zurückgeht, ist für Müller eine Bestätigung seiner Arbeit: »Der Trend passt«.

Wild für den Wald aktuell kein Problem

Darüber hinaus sieht Müller die erreichte Waldverjüngung als Beweis dafür, dass das Wild für den Wald aktuell kein Problem darstelle. Zwar weiß Müller, dass sich derzeit vor allem viel Rehwild im Wald herumtreibt, »aber wir sind auch jagdlich sehr verantwortungsvoll unterwegs«. So habe man beim Rehwild das jagdliche Soll mit 125 Prozent übererfüllt. Das sechste Jahr in Folge konnten die Rehabschüsse erhöht werden. Insgesamt liegt man beim Schalenwild bei einer Erfüllungsquote von 113 Prozent. Allerdings halten sich die Jäger des Forstbetriebs beim Hirschbeschuss weitgehend zurück. »Wir wollen, dass es wieder mehr alte Hirsche gibt. Und das zeigt bereits Wirkung«, so Müller.

Auch ökologische und gesellschaftliche Leistungen hat der Forstbetrieb Berchtesgaden im Geschäftsjahr 2017 erbracht. Dr. Müller nannte unter anderem das Birkwildmonitoring, die Schutzwaldsanierungen am Antoniberg und an der Weißwand, die letzten Folgemaßnahmen nach Kyrill auf dem Untersberg und die Altlastensanierung am Kehlstein, die zu 85 Prozent abgeschlossen ist. Bis Ende Juni soll nun noch auf den restlichen Straßenabschnitten Schotter aufgebracht werden. Außerdem muss der Rückbau der Lagerflächen in der Scharitzkehl und im Ofnerboden abgeschlossen werden. Dort sind auch noch Restmengen des kontaminierten Teers zu entsorgen.

Borkenkäfer im Griff

Obwohl 2017 laut Müller ein schwieriges Borkenkäferjahr war, kam der Forstbetrieb »einigermaßen glimpflich« davon. Rund 15 000 Festmeter Käferholz wurden aufgearbeitet, »das ist im Vergleich zur Gesamtmenge nicht so viel«. Am meisten fiel mit etwa 2 500 Festmetern im Revier Petting an, in Berchtesgaden waren es nur 1 500 Festmeter. Dass der Käfer so wirksam bekämpft werden konnte, führt Müller unter anderem auf eine neue Smartphone-App zurück, die der Forstbetrieb nutzt. Die Waldarbeiter können damit per GPS die exakten Örtlichkeiten und das Stadium des Borkenkäferbefalls festhalten und an die mit der Aufarbeitung beauftragten Unternehmen weiterleiten. Dadurch ist schnelles und effektives Handeln gewährleistet.

Eine Erfolgsgeschichte ist für den Forstbetrieb der Onlineverkauf von ofenfertigem Brennholz aus der Region. Die für den Klick-Einkauf zur Verfügung gestellte Menge soll deshalb von bislang 200 Ster auf künftig 500 Ster erhöht werden. Ein weiteres Angebot für die Bevölkerung soll ab 15. Juni die Direktvermarktung von Wildbret durch den Forstbetrieb sein. In einem eigens zu errichtenden Designer-Verkaufsraum »in edlem Ambiente« direkt beim Forstbetrieb in Berchtesgaden sollen die Produkte – in Zusammenarbeit mit einem heimischen Metzger – angeboten werden.

Beim Personal die Talsohle erreicht

Beim Personal geht Daniel Müller davon aus, das man im zurückliegenden Geschäftsjahr die Talsohle durchschritten habe. Der Personalstand von 59 Mitarbeitern setzte sich zusammen aus 34 Waldarbeitern, elf Beamten, zwölf Angestellten und zwei Auszubildenden. »Wir werden uns künftig wohl leicht verstärken«, prognostizierte der Forstbetriebschef.

Natürlich wird der Forstbetrieb auch an den wirtschaftlichen Ergebnissen beurteilt. So weist das Geschäftsjahr 2017 Erträge in Höhe von 8,57 Millionen Euro aus. Der allergrößte Teil der Einnahmen stammt mit 6,7 Millionen Euro aus dem Holzverkauf. Nach Abzug der Aufwendungen in Höhe von 7,42 Millionen Euro verbleibt ein Plus von 1,14 Millionen Euro. Das wird allerdings von der sogenannten Umlage in Höhe von knapp 1 Million Euro fast schon wieder »aufgefressen«. Die Umlage beinhaltet unter anderem Aufstockungen bei den Pensions-Versicherungsfonds für ehemalige Mitarbeiter. Dass am Ende vom Gewinn fast nichts mehr übrig leibt, sieht Müller gelassen: »Für einen Hochgebirgsbetrieb, der für die Daseinsvorsorge der Bevölkerung viel leistet, können wir damit sehr zufrieden sein«. Immerhin konnte in den vergangenen Jahren auch die Infrastruktur durch Neubau und Sanierung von Brücken und Gebäuden deutlich verbessert werden.

Für das gute Geschäftsjahr 2017 macht Daniel Müller aber in erster Linie »die außergewöhnliche Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter draußen« verantwortlich. Zu ihnen wird ab 1. Juli erstmals auch eine junge Försterin gehören. Sie wird als Aushilfe im Revier Siegsdorf eingesetzt werden. Ulli Kastner