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Drahtseilakt mit dem Bodenschweller

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Links, an der Kirche, wurde bereits ein Teilstück der Mauer entfernt, rechts, am Mesnerhaus, wird in Kürze aufgeweitet werden. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Marktschellenberg – Kirchgasse - und ein Ende in Sicht, wenn es nach Bürgermeister Franz Halmich geht. Auch die der Kirche gegenüberliegende Seite soll demnächst aufgeweitet und dadurch die Durchfahrtsbreite vergrößert werden. Mit zwei Gegenstimmen wurde nun eine Verkehrsanordnung erlassen.


Seit Jahrzehnten beschäftigt die Engstelle die Bürger der Gemeinde. Bislang konnte keine Lösung gefunden werden. Nun scheint die Gemeinde aber das Ziel vor Augen zu haben. »Die Bauarbeiten beginnen bald«, so Halmich in der jüngsten Gemeinderatssitzung am Montag. Ein Teil der Mauer am Mesnerhaus wird abgetragen werden, die Kirchgasse dadurch am Ende auf eine Breite von 2,94 Meter »wachsen«. Das ist notwendig, um im Notfall Rettungsfahrzeuge passieren zu lassen.

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Für so manchen Kritiker aus der Bevölkerung ist die Aufweitung noch lange nicht genug, zumal schon wenige Meter weiter die nächsten Engstellen folgen. »Das sind weitere Baustellen, die bei uns anstehen«, so ein Gemeinderat.

Bürgermeister Franz Halmich weiß um die Brisanz des Themas Bescheid. Auch darüber, dass die Kirchgasse eine »Gefahrenquelle« bleiben werde. »Der Straßenverlauf ist unübersichtlich, die Fahrbahn uneben.« Als Schulweg müssten hier Autofahrer besondere Vorsicht walten lassen. Deshalb soll in der Verkehrsanordnung geregelt sein, dass Fahrzeuge über acht Tonnen grundsätzlich ein Durchfahrtsverbot erhalten. Die Höchstgeschwindigkeit soll auf zehn Kilometer pro Stunde beschränkt und zusätzlich eine Bodenschwelle installiert werden.

Hinzu kommen eine Reihe neuer Verkehrsschilder, die bei den anwesenden Gemeinderäten teilweise für Kopfschütteln sorgten. Dass Halmich des Themas überdrüssig ist, zeigte sich nach wenigen Minuten, als Gemeinderat Thomas Jander (SPD) sagte, die Verkehrsanordnung sei rechtswidrig. Dem Gemeinderat seien Stellungnahmen der Polizei vorenthalten worden. Stellungnahmen, die besagen, dass ein Bodenschweller die Gefahrensituation verschärfen könnte - etwa für Radfahrer. In die Straßenverkehrsordnung dürfe man nur dann eingreifen, wenn es eine klare Begründung gebe, so Jander. Diese gebe es aber nicht.

Bürgermeister Halmich sagte, dass alles mit dem Landratsamt abgeklärt sei. »Der Bodenschweller ist zulässig.« Deutlich widersprach er dem Vorwurf, Stellungnahmen seien dem Gemeinderat vorenthalten worden. »Ich bin nicht mehr bereit, über dieses Thema zu reden«, so Halmich. Wichtig sei nun, dass man endlich einen Zustand erreichen wolle, »den wir über Jahrzehnte nicht hatten.«

Peter Hüttinger (FWG) meinte, dass alles gesagt worden sei. Ein Schweller ließe sich entfernen und wenn ein Radfahrer »drüberspringt«, sei er zumindest selbst schuld. Im Übrigen gebe es ja noch besagte weitere Baustellen, hinter der Kirchgasse liegend, die in naher Zukunft angegangen werden müssten.

Halmich fügte hinzu, dass es sich der Gemeinderat nicht leicht gemacht hatte in der Vergangenheit. Die Kirchgasse bleibe weiterhin eine Gefahrenstelle. »Durch die Aufweitung wird künftig schneller gefahren werden.« Daher auch der Bodenschweller.

Den sieht Bürgermeister-Stellvertreter Clemens Wagner (CSU) als unnötig: »Ich sehe keine Grundlage, das ist nicht rechtsvereinbar.« Man könne nur hoffen, dass an dieser Stelle niemand drüberfallen werde. Einen Termin, wann die Kirchgasse nun endgültig aufgeweitet werden soll, nannte Gemeindechef Halmich nicht. Kilian Pfeiffer