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Drahtseilakt über dem Hintersee

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Der Klausbach trat über die Ufer und überschwemmte zeitweise auch die Hinterseer Straße. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Ramsau – Sie steht noch nach dem heftigen Unwetter: die Seeklause am Hintersee. Mehr Glück als Verstand - das sagen die einen. Und die anderen? Die diskutieren nun darüber, wer für den Schaden aufkommen muss. Denn fest steht: Die Seeklause muss baldmöglichst grunderneuert werden, Minimum 150 000 Euro Investitionsvolumen. Ein weiteres Unwetter gleichen Ausmaßes könnte die Gemeinde vor ein schwerwiegendes Problem stellen.


Das weiß auch Bürgermeister Herbert Gschoßmann. Deswegen setzt er dieser Tage alles daran, dass der Hintersee wieder jener idyllische Alpensee wird, der er einst war. Doch die Dämme sind aktuell bröselig, die Seeklause ein vom Wasser in Mitleidenschaft gezogenes Baukonstrukt, mehr schlecht als recht. Dr. Daniel Müller, Leiter des Forstbetriebs Berchtesgaden bei den Bayerischen Staatsforsten, sagt, die Seeklause sei mittlerweile provisorisch gesichert. Er muss es wissen, denn die Staatsforsten sind im Besitz der Seeklause und unterhalten diese. »Wir haben in den vergangenen Jahren einiges an Geld reingesteckt«, bestätigt Müller im Gespräch mit der Heimatzeitung. Versäumnisse auf Seiten der Staatsforste erkennt Müller nicht. Das nun erfolgte Provisorium habe durch eine Kostenteilung zwischen Staatsforsten und Wasserwirtschaftsamt Traunstein realisiert werden können.

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Er sagt aber auch, dass die Seeklause eigentlich nur aus einem Grund derartig in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und zwar deshalb, weil der angrenzende Damm, der den Klausbach am See vorbeileitet, nicht gehalten hat. Nur darum konnte der Pegel des Hintersees um 1,5 Meter ansteigen. Und für den Damm seien eben nicht die Bayerischen Staatsforste zuständig, sondern das Wasserwirtschaftsamt. »Jemanden zum Schadenersatz zu verpflichten, ist schwierig«, meint Müller. Kein Grund also, dass sein Arbeitgeber für den Seeklausenschaden alleine aufkommen sollte.

»Wir gehen davon aus, dass die finanziellen Leistungen auf verschiedene Schultern aufgeteilt werden müssen.« Daniel Müller rechnet von Instandsetzungskosten zwischen 150 000 und 200 000 Euro für die Seeklause.

Das Wasserwirtschaftsamt Traunstein sieht sich für die Seeklause nicht zuständig. Erst der darunter liegende Wildbach falle in den Zuständigkeitsbereich der Behörde, wie Abteilungsleiter Reinhard Prokoph kürzlich gegenüber der Heimatzeitung bestätigte. Und noch ein Dritter mischt im trüben Gewässer des Hintersees mit: die Bayerische Verwaltung der staatlichen Schlösser, Gärten und Seen. Diese sei laut Müller für den Hintersee verantwortlich.

Bürgermeister Herbert Gschoßmann drängt indes darauf, dass eine vollständige Modernisierung der Seeklause so bald als möglich umgesetzt wird. »Da dürfen wir nicht warten«, sagte er vergangene Woche im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Wissend, dass die Verantwortlichen in der Gemeinde im Fall einer Katastrophe inklusive Flutwelle ihren Kopf hinhalten müssten.

Daniel Müller sagt, keiner der Beteiligten wolle etwas auf die lange Bank schieben. »Wir müssen die Klause dauerhaft sicher machen.« Trotzdem gehe Gründlichkeit vor Schnelligkeit. Und dazu gehöre die Klärung der Zuständigkeit und der Bereitschaft, den Schaden zu übernehmen. Dass sich hier schon bald eine Lösung abzeichnen werde, ist Müller zuversichtlich. Wer am Ende zahlen wird, bleibt solange offen. Kilian Pfeiffer