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Dritte Spur bald fertig, aber: »Umleitung ist noch nicht vom Tisch«

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Auf bayerischer Seite wurden nach Angaben der Autobahndirektion Südbayern rund 300 Meter Betonschutzwände aufgebaut, ein Gebäude abgerissen und Erdarbeiten für den Anbau der dritten Fahrspur durchgeführt. (Foto: Hudelist)

Salzburg/BGL – »Die dritte Spur ist auf Spur«, so verkündete Salzburgs Verkehrslandesrat Stefan Schnöll am Montagmittag in der ORF-Radiosendung »Mittagszeit« das Ende der Bauarbeiten auf bayerischer Seite. »Die Spur wird nächste Woche, spätestens übernächste Woche fertig sein.« Dann soll der Lkw-Verkehr in Richtung Deutschland bis Samstag, 15 Uhr, über diese eigene Spur abgefertigt werden, sodass für den Reiseverkehr zwei Spuren zur Verfügung stehen.


In Österreich gilt das Lkw-Fahrverbot von Samstag, 15 Uhr, bis Sonntag, 22 Uhr. Für die starken Reisewochenenden stünden damit drei Spuren in Richtung München zur Verfügung. »Es soll wesentlich schneller und effizienter abgefertigt werden«, so Schnöll. Das sei im Pakt mit Bayern so vereinbart worden. Dieser Pakt wirke bereits und helfe sowohl den Bayern als auch den Salzburgern. »So muss Politik funktionieren. Denn am Ende des Tages geht es ohnehin nur gemeinsam.« Die zuständige Bundespolizei wies mehrmals darauf hin, dass sie ihre Kontrollen nicht der Verkehrslage anpasse, sondern einzig den polizeilichen Lageerkenntnissen.

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Obwohl es an diesem Wochenende noch keinen nennenswerten Rückreiseverkehr gab, steht nach wie vor die Drohung des Landes Salzburg im Raum, Ausweichverkehr ab Salzburg-Süd in Richtung Berchtesgaden umzuleiten. »Dass man uns das über die Medien ausgerichtet hat, hat uns sehr verärgert«, so der in der Radio-Talksendung ebenfalls eingeladene Landrat des Kreises BGL, Georg Grabner. Dass man nun in Marktschellenberg unmittelbar nach der Grenze einen Umkehrplatz asphaltiert habe, sei eine natürliche Reaktion, »wenn man unabgestimmt festlegt, 'wir schicken euch jetzt den Verkehr, wir wollen ihn nicht haben aber euch schicken wir ihn über die Dörfer'«, so Grabner weiter.

Im inneren Landkreis habe man in diesem Sommer zahlreiche Baustellen. Wenn der Ausweichverkehr in Richtung Norden von der Tauernautobahn nach Berchtesgaden kommen würde, dann würde der Verkehr im Talkessel zum Erliegen kommen. »Auch wenn es jetzt einen Pakt zwischen Bayern und Salzburg gibt, hat sich Landesrat Schnöll da ein Hintertürchen offen gelassen und gesagt, wenn die Abmachung mit dem Bayerischen Verkehrsminister klappt, wird nichts geschehen.« Aber wenn es doch nicht klappe, es also Staus wegen der Grenzkontrollen in Richtung Salzburg-Süd geben sollte, dann würden Autofahrer, die bei Salzburg-Süd von der Autobahn abfahren, in Richtung Marktschellenberg geschickt.

Schnöll widersprach Grabner, die angekündigte Umleitungs-Maßnahme von Salzburg nach Berchtesgaden sei sehr wohl abgestimmt gewesen, er sei mit Landeshauptmann Haslauer in Berlin beim zuständigen Innenminister gewesen und habe mehrmals Kontakt mit dem bayerischen Amtskollegen gehabt. »Es waren immer nette Versprechungen, aber passiert ist dann wenig. Ich sehe nicht ein, warum nur Salzburger Gemeinden unter dem Ausweichverkehr wegen der Grenzkontrollen leiden sollen.« Gemeint ist der Ausweichverkehr in Richtung Norden durch Grödig und Wals-Siezenheim.

A 8 im Zustand des Vorkriegsausbaus

Zum Ausweichverkehr verwies Grabner allgemein auf eine ähnliche Situation auf der A 8 zwischen München und Salzburg, »die ja noch im Vorkriegsausbauzustand ist«. Auch dort gebe es bei Staus einen Ausweichverkehr, aber »der Fernverkehr gehört auf die Autobahn, völlig klar«. Er habe grundsätzlich Verständnis, wenn Salzburg sage, es wolle nicht, dass der Fernverkehr durch die Dörfer rolle und die Bevölkerung dort beeinträchtige. »Das Gleiche nehmen wir natürlich auch umgekehrt in Anspruch.« Ob die Abfahrtssperren eine angemessene Maßnahme seien, würden erst die nächsten Wochen zeigen, so der Landrat abschließend.

Abfahrtssperren bleiben

Zurück zu den Abfahrtssperren, die am vergangenen Wochenende erstmals entlang der Tauernautobahn in Kraft waren, in beiden Richtungen. Schnöll glaubt, dass die Vorankündigungen gewirkt und den Verkehrsfluss entzerrt hätten. Die Anzeigen der Sperren in den Navis hätten das gewünschte Ziel gehabt – die Abfahrten seien schlichtweg nicht angezeigt worden. Polizisten hätten keine Abfahrten kontrollieren müssen, es hätte demzufolge auch keine Anzeigen gegeben. »Aber wir sind nicht so naiv, zu glauben, dass das an den nächsten Reisewochenenden auch nicht passieren wird. Die Sperren werden also an den Wochenenden in Kraft bleiben«, so Schnöll im ORF-Radio.

Es habe aber nicht nur Begeisterung gegeben. Einzelne Wirte oder Tankstellenbetreiber entlang der bisherigen Ausweichrouten hätten sich über einen Umsatzrückgang beklagt. Michael Hudelist