Traunstein: Geschichten eines Heiratsschwindlers am Gericht: Mann knöpfte Angestellter mehr als 10.500 Euro ab
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Foto: dpa/Symbolbild

Drogenvorrat über »Darknet« bestellt

Berchtesgaden – Bezahlt hatte der 21-jährige Lehrling das Marihuana bereits, doch angekommen sind die 100 Gramm nicht. Das Paket war vom Zoll bei einem Versandzentrum abgefangen worden. Seine Wohnung in Berchtesgaden aber war wenig später Ziel einer Durchsuchung, wo die Ermittler fünf Gramm des Stoffs fanden. Am Laufener Amtsgericht kam der junge Mann, der zur Tatzeit 20 Jahre alt war, mit einer Reihe an Auflagen davon.


Er habe »ziemlich viel« konsumiert, gestand der Lehrling im Gerichtssaal. Weil im Berchtesgadener Talkessel schwer an Stoff zu kommen gewesen sei, habe er sich einen »Vorrat für längere Zeit« bestellt. Die gefundenen fünf Gramm aber habe er »lokal« am Panoramaweg erworben. Von wem, das könne er jetzt nicht mehr sagen. Seit der Hausdurchsuchung aber nehme er gar nichts mehr, beteuerte der Angeklagte.

»Langeweile« sah die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe als einen Auslöser des Drogenkonsums. »Ein Handel ist nicht nachzuweisen«, stellte Staatsanwalt David Heberlein für den nicht vorbestraften Lehrling fest. Und doch habe es sich um das Eineinhalbfache einer »nicht geringen Menge« gehandelt, was im Erwachsenenstrafrecht zu einer Mindeststrafe von einem Jahr führen würde. Insofern habe der Angeklagte »Glück«, wenn er hier noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werde.

Neben einer Abstinenz-Weisung samt Kontrollen sollte der heute 21-Jährige 1 000 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen. »Überzogen« meinte Verteidiger Rechtsanwalt Hans-Jörg Schwarzer dazu, schließlich müsse sein Mandant auch die Verfahrenskosten tragen: »500 Euro reichen.«

Richter Josef Haiker entschied aber auf 1 300 Euro zugunsten der Kinderkrebshilfe Berchtesgadener Land und Traunstein. Der Lehrling hat an acht Suchtberatungsgesprächen bei der Caritas teilzunehmen und sich bis zu zweimal einem Drogenscreening zu unterziehen. Beratung deshalb, »weil er das alleine nicht in den Griff kriegt«, erklärte der Richter, und Kontrollen, »um Druck aufzubauen«.

Neben den Drogen wollte Haiker auch den Computer und das Smartphone des jungen Mannes eingezogen lassen, weil damit bestellt und bezahlt worden war. Doch der Lehrling berichtete, dass er beides just am Vortag zurückerhalten habe.

Hannes Höfer