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Drohne rettet Jungtieren im Feld bei der Mahd das Leben

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Dieses Kitz wurde gerettet. Beim Mähen kann es im hohen Gras leicht übersehen werden. (Foto: BJV)

Berchtesgadener Land – Die erste Mähen wird jedes Jahr zur Todesfalle für Tausende von Jungtieren. Denn die Ernte fällt mit der Brut- und Setzzeit vieler Wildtiere zusammen, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs sicher wähnen.


Doch »Drücken« schützt vor dem Fuchs, aber nicht vor dem Kreiselmähwerk. Die Jäger im Landkreis Berchtesgadener Land appellieren an das Verantwortungsgefühl der Landwirte. Wenn die Bauern im Frühjahr mit der Feldarbeit und dem Wiesenschnitt beginnen, fallen den riesigen Maschinen bundesweit jedes Jahr Hunderttausende von Rehkitzen, kleinen Hasen und Bodenbrütern zum Opfer. Allein 90 000 Rehkitze werden jährlich bei der ersten Grünlandmahd grausam verstümmelt oder getötet.

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Das Problem: Die Jungtiere laufen auch bei großer Gefahr nicht weg, sondern drücken sich instinktiv in ihr Versteck. Maschinen mit einer Arbeitsbreite von bis zu 14 Metern donnern mit einer Geschwindigkeit von bis zu 20 Kilometern pro Stunde über die Felder. Da haben die Tiere keine Chance und werden vom Mähwerk erfasst.

Ein Problem ist das auch für die Landwirte selbst, denn sie verstoßen gegen das Tierschutzgesetz, wenn sie Jungtiere bei der Mahd verstümmeln oder töten. Ihnen drohen hohe Strafen.

Deshalb appelliert Hans Berger, Vorsitzender der BJV-Kreisgruppe Berchtesgadener Land, an das Verantwortungsgefühl bei den Landwirten: »Effektive Wildtierrettung beginnt bereits vor der Mahd. Nur wenn die Landwirte die Mähtermine für Silage und Grünroggen zur Biomasseproduktion rechtzeitig abstimmen, hat der Jagdpächter die Möglichkeit, Wildscheuchen aufzustellen und die Wiesen und Felder nach Rehkitzen abzusuchen.«

Jetzt hat der Bayerische Jagdverband zusammen mit dem oberbayerischen Unternehmen »geo-konzept« ein sogenanntes luftgestütztes Kitzrettungssystem entwickelt, eine Drohne, die mit der Schlagkraft in der Landwirtschaft mithalten kann. Hans Berger, Vorsitzender der Kreisgruppe BGL: »Wir können jetzt endlich Jägern, Landwirten und allen, die sich um Tierschutz bemühen, ein Wildrettungssystem anbieten, mit dem man schnell und sicher die kleinen Kitze, aber auch junge Hasen und Bodenbrüter finden und vor dem Mähtod retten kann. Dabei können die Landwirte ihre Wiesen ohne Unterbrechung und ohne Zeitverlust mähen. Das ist ein großer Vorteil, denn die Landwirte stehen bei der Grünlandmahd meist unter hohem Zeitdruck.«

Der Wildtierretter aus der Luft arbeitet mit einer Wärmebildkamera. In nur wenigen Minuten wird die ganze Wiese ohne Unterbrechung abgesucht. Nach dem Flug erhält man automatisch die genauen Koordinaten von der Stelle, an der ein Kitz liegen könnte. Mit Hilfe dieser Koordinaten können die Kitze in der Wiese dann schnell gefunden und geborgen werden.

Ziel ist es, dieses Kitzrettungssystem vor allem auf großen Flächen und über Maschinenringe und Lohnunternehmer einzusetzen. So können unmittelbar vor der Mahd schnell und gründlich die Wiesen abgesucht werden. Das ist gelebter Tierschutz.

Angefordert werden kann die Kitzrettung per Drohne beim Tierschutzring Traunstein unter 0163/9139613. Der Tierschutzring bittet, mindestens einen Tag vor der Mahd anzurufen. fb