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Eddy, der Tourenguide

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Zu jeder Zeit in der Natur zu finden: Der gebürtige Allgäuer Eddy Balduin ist unter anderem der Hauptguide der 24-Stunden-Wanderungen. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Sommer oder Winter, Skifahren oder Wandern? Wer Eddy Balduin nach seiner Lieblingsbeschäftigung fragt, darf erst mal mit einem herzlichen Lachen rechnen. Dem Hauptguide der 24-Stunden-Touren, hauptamtlichen Wanderprogrammersteller der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee und Skischulleiter fällt die Antwort schwer. Eddy Balduin ist ganzjährig draußen. Ein Tag auf der Couch? Kommt für ihn nicht infrage.


Früher, in seiner Jugend, ist Eddy Balduin Rennen gefahren. »Ich fahre von klein auf Ski. Ich bin damit aufgewachsen«, sagt er. Und eigentlich war für ihn immer klar, dass er irgendwann mal eine eigene Skischule führen wollte. Bis dahin war es aber ein langer Weg. Der gebürtige Allgäuer kam erst nach Berchtesgaden, als sein Vater wegen der Bundeswehr in den Talkessel zog. Auch Edgar Balduin, der von jedem »Eddy« genannt wird, ließ sich nach seinem Abschluss in der Christophorusschule verpflichten. Bundeswehr, zwölf Jahre. Dort absolvierte er die Ausbildung zum Heeresbergführer, später an der TU München die Laufbahn zum Sportlehrer im freien Beruf. Zusatzausbildungen zum Nordic-Fitness-Coach und zum Heilklimatherapeuten kamen nach und nach dazu.

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Der Wunsch nach einer eigenen Skischule bestand die ganze Zeit über. Bis er ihn sich vor 14 Jahren gemeinsam mit Herbert Wendlinger erfüllte. Die beiden übernahmen die Skischule Berchtesgaden-Oberau. Skifahren im Winter, Wandern im Sommer.

»Ich wandere fast ausschließlich mit Leuten, die noch nie am Berg waren«, sagt Eddy Balduin, der bei der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee seit 14 Jahren das Wanderprogramm erstellt und schließlich auch durchführt. Jeder, der eine Kurkarte hat, kann mitmachen. Vom Herz-Kreislauf-Testwandern zum Watzmannhaus über das Heilklimawandern über den Kaunersteig bis hin zum »Genuss-Schmankerlwandern« am Untersberg bietet das Programm der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee durchaus Abwechslung. »Oft hat der Gast eine vorgeprägte Meinung, wohin er gehen möchte. Das ist aber nicht immer das Richtige für ihn«, sagt Eddy Balduin.

Für ihn gilt es, den »Gast mitzunehmen«. Vom Beginn der Tour bis zum erfolgreichen Abschluss. Das Zwischenmenschliche dabei sei für ihn wesentlich. Viele, die mit ihm mitgehen, begleiten ihn seit vielen Jahren. »Wer einmal in Berchtesgaden Urlaub gemacht hat, kommt immer wieder«, sagt er. Viele seiner Gäste kommen im Winter und im Sommer. Sein persönlicher Lieblingsberg ist übrigens der Untersberg. Unzählige Male war er dort oben. Und jede Tour sei aufs Neue eine besondere Erfahrung.

Als Hauptguide der 24-Stunden-Touren führt er auch Gruppen, deren Teilnehmer erfahren sind. Die das Extreme lieben und ihre Grenzen testen wollen. Auch für Eddy Balduin sind die 24-Stunden-Wanderungen eine ganz spezielle Erfahrung, ob im Harz, oder bei der »Untersberg extrem«-Tour, die unter anderem über seinen Hausberg führt. 3 600 Höhenmeter, über 60 Kilometer. Von Jahr zu Jahr kommen weitere Ganztagestouren dazu. »Ich gehe alles davor ab, schaue, ob es in unser Konzept passt, schaffe die Grundvoraussetzungen.« Langzeitgehen gewinnt in den letzten Jahren immer mehr an Bedeutung, die Resonanz auf die Extremerfahrung ist gut. Im Harz war er Hauptguide einer großen Gruppe, 142 Teilnehmer, 68 Kilometer. »Wir versuchen, dass jeder bis ins Ziel kommt.« Neun Leute mussten aufgeben.

Wenn Eddy Balduin von seinem Beruf spricht, schwingt zu jeder Zeit Begeisterung in seiner Stimme mit. »Ich kann mir nicht vorstellen, etwas anderes zu tun«, sagt er. »Wir haben hier so viele Möglichkeiten zu wandern«, sagt er. Selbst bei Schlechtwetter. Von Mai bis Oktober dauert die Saison. Nach dem Sommer geht es für den Profi auf Schulungen, außerdem stehen die Vorbereitungen für den Winter auf dem Programm. Immerhin ist die Skischule ein wichtiges Standbein für ihn. Bis zu 20 Skilehrer arbeiten für Eddy Balduin und seinen Partner Herbert Wendlinger auf dem Roßfeld.

Seit vielen Jahren ist Berchtesgaden ein beliebtes Urlaubsziel von skibegeisterten Dänen. Viele Hundert kommen jedes Jahr nach Berchtesgaden. »Große Familien«, sagt Eddy Balduin. Früher ging es für die dänischen Familien zum Skifahren nach Norwegen. Doch die dortigen Preise sind mit den hiesigen nicht zu vergleichen. Seit der Kontakt mit Dänemark zustande kam, kommen immer mehr ausländische Gäste nach Berchtesgaden, um das Skifahren zu lernen. Und auch wenn das Roßfeld ganz auf Naturschnee setzt, sind die Voraussetzungen selbst in Zeiten des Klimawandels gut. »Natürlich gibt es keine Garantie, dass man auf dem Roßfeld für alle Zeiten Ski fahren können wird.« Aktuell ist man im Winter dort aber noch bis auf 1 000 Meter schneesicher.

Ob Winter oder Sommer: Das Tolle an seiner Arbeit sei die sofortige Rückmeldung des Gastes, die man erhalte. »Wenn es einem gefallen hat, kommt er im nächsten Jahr wieder zum Skifahren oder Wandern«, sagt Eddy Balduin.

Und mittlerweile hat man es auch nicht mehr nur mit älteren Leuten zu tun. Im Gegenteil: Der Altersdurchschnitt fällt von Jahr zu Jahr. Mittlerweile kommen auch viele jüngere Wanderfreunde. »Die wollen abschalten, ihre Ruhe genießen, die Natur erleben.« Die Voraussetzungen im und um den Talkessel herum seien dafür hervorragend. Kilian Pfeiffer