weather-image

Ehemaliger Rektor ruft nach der Schulaufsicht

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Schule Bischofswiesen (Foto: Wechslinger)
Bildtext einblenden
Das »Piratennest« befindet sich im Tiefparterre der Schule. Die Räume seien feucht, sagt Fritz Sparrer. »Alles in Ordnung«, sagen dagegen Schulamt, Schulleiter und Bürgermeister. (Foto: privat)

Bischofswiesen – Mitten in der emotional geführten Debatte um den Standort der künftigen Mittelschule macht jetzt ein »Brandbrief« die Runde. Der Bischofswieser Fritz Sparrer, der für die Arbeiterwohlfahrt die Ganztagsschule in Bischofswiesen ins Leben gerufen hatte und kürzlich sein Amt niederlegte, kritisiert jetzt die Zustände in der Ganztagsschule. Außerdem spricht sich der erfahrene Pädagoge gegen die Zusammenlegung der Mittelschulen aus – egal ob in Berchtesgaden oder Bischofswiesen. Schulleitung, Schulamtsdirektor und Bürgermeister widersprechen der Darstellung und bekräftigen die anhaltend gute Zusammenarbeit mit der Arbeiterwohlfahrt.


Mit Fritz Sparrer mischt sich nicht irgendjemand in die derzeit geführte Mittelschuldebatte ein. Schließlich hat der heute 65-jährige Bischofswieser in seiner Zeit als Rektor der Pauline-Thoma-Schule in Kolbermoor dort im Auftrag des Bayerischen Kultusministeriums die erste Ganztagsschule in Oberbayern aufgebaut. Sparrer war außerdem Kreisvorsitzender und stellvertretender Personalratsvorsitzender im Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverband (BLLV) sowie stellvertretender Leiter der Landesfachgruppe Schulleitung im BLLV.

Anzeige

Plötzlicher Schlussstrich

Für die Arbeiterwohlfahrt Berchtesgaden-Bischofswiesen hat Sparrer ab Mai 2015 in Bischofswiesen die offene Ganztagsschule mit aufgebaut und sich in ihr bis vor wenigen Wochen als pädagogischer Leiter engagiert. Dann, ganz plötzlich, zog er den Schlussstrich. Am 13. November legte er »zum Ende der Woche« seine Aufgaben in der Ganztagsschule und in der Arbeiterwohlfahrt nieder – offiziell »aus gesundheitlichen Gründen«. Im Gespräch mit dem »Berchtesgadener Anzeiger« lässt Sparrer aber durchblicken, dass es zuletzt erhebliche Differenzen gegeben hatte.

Nur wenige Tage nach seinem Rücktritt – am 17. November – ließ Fritz Sparrer, der in seiner gesamten Berufslaufbahn nie ein Blatt vor den Mund genommen hatte, seinem Frust freien Lauf. Der von ihm verfasste »Brandbrief« ging zunächst eigentlich nur an Berchtesgadens Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob. »Doch ich habe klar mitgeteilt, dass er den Brief gerne verbreiten darf«, erklärt Sparrer gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«.

In dem dreiseitigen Schreiben bezweifelt Fritz Sparrer, ob bei den zusätzlich hinzukommenden Mittelschülern aus Berchtesgaden »überhaupt noch Platz ist für zusätzliche Fachunterrichte, wenn schon für die Ganztagsschüler kein Nachmittagstermin in der Schulküche mehr frei ist«. Bischofswiesen habe »selbst erzeugte Raumprobleme, die ohne Neubau durch Kündigung der Fremdnutzer behoben werden könnten.« Denn in Bischofswiesen werden aktuell mehrere Klassenzimmer von der Kinderpflegeschule, der Musikschule, dem Trachtenverein, der Blaskapelle und vom Gemeinderat als Sitzungssaal genutzt. »Gleichzeitig müssen sich bis zu 40 Ganztagsschüler in einem ständig maschinell zu entfeuchtenden Kellerraum drei bis fünf Stunden zu Spiel und Beschäftigung aufhalten, weil die Schulleitung nicht willens ist, die vermieteten Räume wenigstens zum kommenden Schuljahr für die Ganztagsschule zurückzufordern«, schreibt Sparrer und ruft nach der Schulaufsicht.

Alle Anforderungen erfüllt

Die war allerdings schon da, wie Schulamtsdirektor Frank Thieser dem »Berchtesgadener Anzeiger« am Mittwoch bestätigte. Thiesers Stellvertreter Helmut Mayer hatte alle Räumlichkeiten, die von der offenen Ganztagesgruppe genutzt werden, am 23. Februar dieses Jahres im laufenden Betrieb im Rahmen eines Genehmigungsverfahrens durch die Regierung von Oberbayern begutachtet. »Alle Räumlichkeiten entsprachen den Anforderungen. Es gab keine Kriterien, die eine Nutzung der Räume für die Ganztagsschule nicht zuließen«, bekräftigte Frank Thieser.

So sieht es auch Schulleiter Hans Metzenleitner, der dem »Berchtesgadener Anzeiger« in Absprache mit Bürgermeister Thomas Weber eine Stellungnahme zukommen ließ. Darin verweist der Rektor auf eine »bestens sanierte Schule mit modern ausgestatteten Klassen-, Gruppen- und Fachräumen«. Und die offene Ganztagsschule in Bischofswiesen sei ein Erfolgsmodell. »Schule, Gemeinde und Arbeiterwohlfahrt arbeiten bis heute überaus konstruktiv und eng zusammen«, so Hans Metzenleitner.

»Vorhaltungen entbehren jeglicher Grundlage«

Sozialer Treffpunkt für die Schüler der 1. und 2. Klassen, wenn sie mit den Lernarbeiten fertig sind, ist laut Schulleiter das »Piratennest« in der Tiefparterre, das bis vor wenigen Monaten den gemeindlichen Kinderhort beherbergt hat. »Es entspricht voll und ganz den Anforderungen einer modernen Kindertagesstätte«, so Metzenleitner. Es handle sich keineswegs um feuchte Kellerräume, sondern sie seien kindgemäß und pädagogisch sinnvoll eingerichtet. Dort würde sich in der Regel eine Gruppe mit durchschnittlich 20 Schülern ein bis zwei Stunden täglich aufhalten. »Die Vorhaltungen Herrn Sparrers entbehren jeglicher Grundlage«, heißt es in der Stellungnahme. Und Bürgermeister Thomas Weber fügt hinzu: »Beim letzten Besuch von Herrn Sparrer bei mir hat er das Modell offene Ganztagsschule noch in den höchsten Tönen gelobt. Warum jetzt dieser Sinneswandel eingetreten ist, warum er keinen weiteren persönlichen Kontakt mit mir aufgenommen hat und warum er jetzt das Image seines eigenen Projektes in der Öffentlichkeit so beschädigt, ist für mich sehr irritierend und überhaupt nicht nachvollziehbar.«

Auch zur künftigen Struktur der Mittelschulen macht Fritz Sparrer in seinem »Brandbrief« einen Vorschlag, der in Anbetracht der bereits gefallenen Entscheidung allerdings zu spät kommt. Grundsätzlich ist der Bischofswieser gegen eine Zusammenlegung der Mittelschule an einem Ort – egal ob in Berchtesgaden oder Bischofswiesen. Stattdessen schlägt er vor, Grundschule und Mittelschule in Berchtesgaden nach dem Bischofswieser Modell zusammenzulegen und mit einem einzigen Rektor zu führen. »Damit sind beide Schulstandorte gestärkt und zukunftsträchtig«. Ulli Kastner