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»Ehrenamtliche im Bereich des Möglichen unterstützen«

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Zahlreiche Flüchtlinge kommen jeden Tag im Talkessel und der Umgebung an. Bis zu 1450 Asylbewerber sollen es im Landkreis bis Jahresende sein. (Foto: Pfeiffer)

Berchtesgaden – Mit Dutzenden Flüchtlingen tagtäglich hat es die Polizei im Talkessel zu tun. Und der Strom an Asylbewerbern soll in den nächsten Monaten nochmals anschwellen. Bis zu 1450 Flüchtlinge erwartet das Landratsamt Berchtesgadener Land bis Jahresende. Pressesprecher Stefan Neiber hat den »Berchtesgadener Anzeiger« über die aktuelle Situation informiert.


Die Ankunftszahlen von Flüchtlingen im Landkreis sind auf teils dramatische Dimensionen angewachsen. Wie viele Asylbewerber sind aktuell im Landkreis untergebracht? Wie wird es bis Jahresende weitergehen?

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Stefan Neiber: Mit Stand 20. August sind mit den unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen 853 Asylbewerber im Landkreis untergebracht. Nach der neuen Prognose des Bundesamtes für Migration und Flüchtlingen, in der der Zugang von 800 000 Asylantragstellern in diesem Jahr prognostiziert wurde, wird die Abnahmeverpflichtung zum Ende dieses Jahres für den Landkreis bei 1 454 Asylbewerbern liegen.

Existiert ein Notfallplan, um die große Zahl an Asylbewerbern unterzubringen? Wie schaut dieser für den Landkreis aus?

Neiber: Der Asyl-Notfallplan wird durch die Regierung von Oberbayern je nach aktuellem Bedarf für einzelne Landkreise aktiviert. Zwischen der Mitteilung des Inkrafttretens und dem Eintreffen der dann in einer Notfallunterkunft unterzubringenden Flüchtlinge liegen oft nur wenige Tage. Bisher wurden in diesem Mai und Juni in insgesamt zwei Turnhallen in Laufen und Freilassing Kapazitäten des Notfallplans für knapp 150 Flüchtlinge genutzt. Diese Flüchtlinge waren dann dort für mehrere Wochen untergebracht und wurden anschließend bayernweit in die sogenannte Anschlussunterbringung weitergeleitet (Gemeinschaftsunterkunft oder dezentrale Unterbringung; Anm. d. Red.).

Da die Zahl der bereitzuhaltenden Plätze seitens der bayerischen Staatsregierung von 200 auf 300 erhöht wurde, passt das Landratsamt aktuell die Notfallplanung an. Für diese Aufgabe bereitet sich die Landkreisverwaltung in enger Abstimmung mit verschiedenen Hilfsorganisationen und auch ehrenamtlichen Helfern seit geraumer Zeit sehr intensiv und mit entsprechend hohem Personalaufwand vor. Zur Zeit prüft das Landratsamt, welche Hallen oder anderen geeigneten Gebäude im Landkreis für diesen Unterbringungszweck, auch im Hinblick auf eine mögliche Aktivierung des Notfallplans im kommenden Winter, genutzt werden können. Ob und wann diese Kapazitäten tatsächlich von der Regierung von Oberbayern abgerufen werden, steht aber noch nicht fest.

Der Landkreis ist immerzu auf Suche nach geeigneten Unterkünften. Welche Häuser kommen derzeit in die engere Wahl? Welche Objekte gibt es im Talkessel, die infrage kommen?

Neiber: Das Landratsamt und die Regierung von Oberbayern stehen in Verhandlung mit verschiedenen Anbietern im ganzen Landkreis. Der Landkreis versucht nach wie vor, die Asylbewerber möglichst auf alle Landkreisgemeinden zu verteilen. Im südlichen Landkreis ist bereits eine erhebliche Zahl an Asylbewerbern untergebracht. Bei weiter steigenden Zahlen von Asylbewerbern wird die Aufnahmeverpflichtung natürlich auch für alle Gemeinden weiter steigen. Eine zeitnahe Information der Öffentlichkeit bei der Unterbringung von Asylbewerbern wird aber durch das Landratsamt auch in Zukunft erfolgen.

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter arbeiten an der Grenze des Machbaren. Wie soll die Situation mittelfristig entschärft werden? Was tut der Landkreis, was die Regierung?

Neiber: Die Unterstützung durch Ehrenamtliche ist essenziell für die Bewältigung der Aufgabe im Bereich Asyl. Daher versuchen wir, die ehrenamtlichen Helfer im Bereich des Möglichen zu unterstützen. Zum einen finanziert der Freistaat Bayern seit Kurzem sogenannte »Hausverwalter«. Diese kümmern sich vor Ort in den Einrichtungen um einen geregelten Betrieb und sämtliche organisatorischen Aufgaben. Im Landkreis werden diese Kümmerer ab Anfang September tätig. Teilweise wurde Organisatorisches in den Einrichtungen von Ehrenamtlichen erledigt, wenn »Not am Mann« war. Dies soll sich durch die Kümmerer ändern. Des Weiteren fungieren diese Verwalter als zentrale Ansprechpartner vor Ort. Der Landkreis versucht mit allen Kräften, eine Förderung für eine Koordinationsstelle für Ehrenamtliche zu erhalten, die momentan beim Bayerischen Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Familie und Integration beantragt werden kann. Durch eine Ehrenamtskoordination im Bereich Asyl haben Ehrenamtliche nicht nur einen Ansprechpartner für ihre Bedürfnisse rund um die freiwillige Hilfe, sondern auch Schulungen. Die Hilfe kann dort gezielt, effektiv und organisiert eingesetzt werden, wo sie gebraucht wird.

Wie hoch sind die Kosten, die für hiesige Asylbewerber pro Monat vom Landkreis getragen werden - zum Beispiel für Unterkünfte?

Neiber: Für die Anmietung der Gemeinschaftsunterkünfte ist die Regierung von Oberbayern direkt zuständig, während die Unterkünfte für die dezentrale Unterbringung vom Landkreis im Auftrag des Freistaats Bayern angemietet werden. Die Kosten hierfür werden dann vom Freistaat Bayern erstattet. Für den Landkreis verbleiben somit letztlich zwei Kostenpositionen: Erstens ein Teilbetrag der Gesamtkosten für die Asylsozialbetreuung durch die Wohlfahrtsverbände. Und zweitens die Mehrkosten für den erhöhten Personalbedarf in den entsprechenden Fachbereichen des Landratsamts, in der Regel im Ausländer-, Sozial- und Jugendamt. Kilian Pfeiffer